Als das Filmdebüt des Modedesigners Tom Ford bei den Filmfestspielen
in Venedig angekündigt wurde, mischten sich Neugier mit Skepsis,
wie immer, wenn sich ein bekannter Name auf fremdem Terrain versucht.
Die Skepsis war unbegründet: Fords Verfilmung des gleichnamigen
Romans von Christopher Isherwood über einen homosexuellen College-Professor,
der seinen langjährigen Partner durch einen Unfall verliert, ist
nicht nur ein exquisit ausgestattetes, sondern ein in allen Belangen
überzeugendes Werk, das gleich drei Golden Globe-Nominierungen
(Colin Firth und Julianne Moore für ihre Darsteller-Leistungen,
Abel Korzeniowski für die Filmmusik) auf sich vereinen konnte.
USA
2009 - 100 Min.; ab 12;
Regie: Tom Ford;
Darsteller: Colin Firth, Julianne Moore, Nicholas Hoult, Matthew
Goode, Jon Kortajarena, Paulette Lamori, Ryan Simpkins, Ginnifer
Goodwin, Teddy Sears, Paul Butler, Aaron Sanders, Lee Pace, Adam
Shapiro.
Der Herbst des Jahres 1962: Richard Burton wird 37.
In Deutschland protestieren Studenten gegen die Einschränkung der
Pressefreiheit während der „Spiegel“-Affäre. In Washington ist man
alarmiert wegen der Kubakrise - und im fernen Kalifornien stürzt
ein Telefonanruf einen Literaturprofessor in eine private Katastrophe.
Der Film „A Single Man“ ist das beeindruckende Regiedebüt des Modedesigners
Tom Ford und basiert auf dem bekannten Roman „Der Einzelgänger“ von
Christopher Isherwood. Colin Firth, der tragikomische Fußballfan aus
„Fever Pitch“, verkörpert den Uni-Prof George Falconer, der vom plötzlichen
Unfalltod seines langjährigen Lebenspartners Jim erfährt und beschließt,
Selbstmord zu begehen. Er trifft alle nötigen Vorbereitungen, kehrt
noch einmal zu den Orten zurück, an denen er mit Jim glücklich war,
und trifft sich ein letztes Mal mit seiner Nachbarin und platonischen
Freundin Charley (Julianne Moore). Den nächsten Morgen will er nicht
erleben. Aber dann trifft er den glutäugigen Studenten Kenny (super:
Nicholas Hoult), der instinktiv zu ahnen scheint, warum Falconer ausgerechnet
an diesem Tag in der Vorlesung aus Aldous Huxleys „Nach vielen Sommern“
zitiert und einen Vortrag über die Angst hält.
„A Single Man“ zeichnet sich durch erlesene Optik und dezente, unaufdringliche
Situationsschilderungen aus, die an die Handschrift des „American Beauty“-Regisseurs
Sam Mendes erinnern. Die zartbittere Charakterstudie gleitet nie in
Kitsch und Pathos ab, wenn auch in einigen Szenen die schwule Ästhetik
etwas dick aufgetragen ist und die meisten Nebendarsteller wie Models
aus der Haarspraywerbung aussehen. Doch das stört nicht, denn Ford
versteht es, das Publikum emotional in den Bann zu ziehen und das Drama
eines angekündigten Todes effektvoll auszuspielen. Den Wenigsten wird
es gelingen, diesen Film ohne tränenfeuchte Augen durchzustehen. Tom
Fords „A Single Man“ ist ein bewegendes Melodram über Verlust, Schmerz
und Tod, aber auch über die Ewigkeit der Liebe.