Zwölf Jahre, nachdem er mit "Titanic" den umsatzträchtigsten
Film aller Zeiten gestellt hat, kehrt James Cameron wieder zurück
ins Kino, mit einem weiteren gewaltigen Unterfangen, das die Grenzen
des filmisch Machbaren auslotet. Inhaltlich steht "Avatar" mit
seiner kritischen Aussage über die Zerstörungswut des Militärs und
der Weisheit außerirdischer Wesen dem 20 Jahre alten "Abyss" am
nächsten, visuell spielt der mit Sam Worthington und Zoe Saldana
besetzte Film in einer völlig neuen Liga. |
USA
2009 - 161 Min.; ab 12
Regie: James Cameron;
Darsteller: Sam Worthington, Zoë Saldana, Sigourney Weaver, Stephen
Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi, Joel David Moore, CCH Poundern.
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George Lucas wird Augen machen. 15 Jahre musste er
seinerzeit warten, bis die technologischen Voraussetzungen für seine
zweite "Star Wars"-Trilogie gegeben waren. 15 Jahre war
auch James Cameron den filmischen Möglichkeiten voraus, als er die
Idee zu seinem epischen Science-Fiction-Abenteuer hatte. Nun kommt "Avatar" als
erster Teil einer geplanten Trilogie weltweit in die Kinos - und
katapultiert den Zuschauer in neue Dimensionen.
Im Zentrum der Handlung steht der an den Rollstuhl gefesselte Ex-Marine
Jake Sully (Sam Worthington). Anstelle seines verstorbenen Zwillingsbruders
soll er an einem wissenschaftlichen Experiment auf dem Mond Pandora
teilnehmen, der von den blauhäutigen, drei Meter großen Na'vi bevölkert
wird und dessen Ressourcen die Energieprobleme der Erde lösen könnten.
Als Avatar, einem gentechnisch entwickelten Hybriden, der DNS aus
Na'vi und Mensch in sich trägt, soll Jake die Na'vi infiltrieren
und ihren Widerstand brechen. Doch je besser er ihre naturverbundene
Lebensweise zu verstehen beginnt, desto größer werden seine Zweifel
an den Motiven seiner eigenen Leute.
Die jahrelange Entwicklung und etwa vierjährige Produktionszeit
ist "Avatar" anzusehen. Cameron erschafft mit Pandora eine
komplexe fotorealistische Welt, die in ihren Details außerirdisch
und fremdartig ist und auf das menschliche Auge dennoch natürlich
wirkt. Jede Einzelheit ist durchdacht und erscheint wie aus einem
Guss. Jede Spezies, ob Pflanze oder Tier, wirkt authentisch, jeder
Gegenstand funktional. Dank des innovativen "Performance-Capture-Verfahrens",
das auch kleinste mimische Nuancen digital übersetzt, gelingt es
Cameron sogar, die bislang größte Hürde bei der Darstellung künstlicher
Charaktere zu nehmen und deren Augen auf realistische Weise mit Leben
zu erfüllen. Der Zuschauer glaubt an ein lebendiges, denkendes Wesen.
Technische Aspekte ziehen dabei nie um ihrer
selbst Willen die Aufmerksamkeit auf sich. Sie fügen sich ein in
die Glaubwürdigkeit des großen Ganzen.
"Avatar" mag vielleicht nicht aufgrund seiner Handlung
so außergewöhnlich sein. Die Geschichte eines Mannes, der sich Respekt
und Anerkennung eines fremden Volkes erst verdienen muss, wurde beispielsweise
schon in Kevin Costners Ethno-Western "Der mit dem Wolf tanzt" (1990)
erzählt. Es ist die revolutionäre Machart, die "Avatar" zu
einem Filmereignis emporhebt, das die technischen Maßstäbe des Kinos
neu definiert.
Diesen Film sieht man nicht, man erlebt ihn. |