Das Protokoll eines deutschen Amoklaufs: Die stargespickte Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust rekonstruiert die so blutige wie tragische Geschichte des RAF-Terrorismus.
D 2008 - 150 Min.; ab 12; Prädikat: besonders wertvoll;
Regie: Uli Edel;
Darsteller:
Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Jasmin Tabatabai.

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Das Sachbuch von Stefan Aust wurde als großes Kino werkadaptiert, das zugleich analytisch sowie differenziert erzählt. Die Gewaltszenen werden mit den Mitteln von Actionfilmen inszeniert; die Show-Werte machen aber nie die Inhalte vergessen.

Der Einstieg ist mit der Demonstration gegen den Schah, die Prügelorgie der Jubelperser und schließlich dem Tod von Benno Ohnesorg geschickt gewählt, denn so wird das Gefühl der Ohnmacht der jungen Rebellen vermittelt. Der Film versucht, sowohl den Terroristen wie auch den Vertretern der Staatsgewalt gerecht zu werden, indem er beide Seiten mit einer ähnlich objektiven Distanz beschreibt. So wird Horst Herold von Bruno Ganz nicht nur als eine Charaktermaske, sondern als ein kluger und nachdenklicher Stratege gezeichnet. Die einzelnen Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe lernt man als idealistische Romantiker kennen, die sich zusehends in ihren Fanatismus hineinsteigern.

Obwohl viele Nebenfiguren nur in sehr kurzen Sequenzen auftauchen, wird der Plot nie diffus, und dies hat neben dem gut gebauten Drehbuch auch mit der sehr geschickten Besetzung zu tun. Viele der Schauspieler sehen den von ihnen Dargestellten ganz erstaunlich ähnlich, und auch kleine Rollen wurden mit hochklassigen Akteuren besetzt. So hat etwa Alexandra Maria Lara noch nicht einmal eine Sprechrolle.

Dies ist ein historischer Film über die jüngste bundesdeutsche Vergangenheit, und als solcher scheint er beeindruckend authentisch. Von der Ausstattung über Kostüm, Make-up bis zur Sprechweise der einzelnen Protagonisten wirkt das alles wie aus einem Guss. Und so hat Uli Edel hier einen Film in der Tradition von Constantin Costa-Gavras gemacht: Der Baader Meinhof Komplex ist zugleich politisch und spannend.