Vier Babys, vier Länder, vier
unterschiedliche Kulturen und vier kontrastreiche Lebenswelten, daraus
wird ein Vergnügen hoch vier! Über ein Jahr lang folgte das französische
Team dieses außergewöhnlichen Dokumentarfilms der Entwicklung von
kleinen Erdbewohnern aus der Mongolei, San Francisco, Namibia und
Tokio. Egal, ob in einfachen, ländlichen Verhältnissen oder in Großstädten,
Babys faszinieren überall gleichermaßen – mal als Energiebündel,
mal als Dreckspatz oder auch Quälgeist und immer mit ganz eigenem
Willen und angeborenem Erfahrungsdurst. Die Alltagsbilder aus den
unterschiedlichsten Kulturen zeigen eindrucksvoll, dass die Entwicklung
des Lebens ungeachtet der individuellen Förderungen überwiegend Gemeinsamkeiten
aufweist. Die unterhaltsamen Aufnahmen sind wohl strukturiert in
schöne Landschaftsaufnahmen eingebettet und greifen einzelne interessante
Aspekte auf. Ganz ohne Kommentar bleibt es jedem Betrachter überlassen
seine eigenen Beobachtungen anzustellen, wodurch die Freude über
das neue Leben noch viel direkter vermittelt wird. Ein multikulturelles
und universales Kaleidoskop der puren Lebensfreude. |
Namibia, zwei Kinder, noch kein Jahr alt, sitzen
nebeneinander auf der Erde in einem Dorf. Mit einem Stein in ihren
kleinen Händen klopfen und mahlen sie Erdklumpen zu Mehl auf einem
abgerundeten Stein. Abgeschaut von den täglichen Verrichtungen der
Frauen, um die Mahlzeiten vorzubereiten. Mongolei, ein Neugeborenes
wird fest verpackt wie in einen Kokon, nur die Arme und der Kopf
schauen heraus. Japan, ein Baby wird Zuhause in einer modern eingerichteten
Wohnung gestillt. USA, ein Neugeborenes ist mit Elektroden bespickt,
Monitore kontrollieren das junge Leben.
Vier Familien haben sich bereit erklärt, ein Jahr lang von der Kamera
begleitet zu werden. Vier verschiedene Kulturen und deren unterschiedlicher
Umgang im ersten Entwicklungsstadium von Kindern. Bilder von Überbehütung
und Lerneinheiten von Anfang an in den Städten einerseits, Schule
des Lebens im afrikanischen Dorf unter einfachsten Lebensbedingungen
und in der Jurte der Mongolei mit ihren allgegenwärtigen Tieren.
BABYS unter der Regie von Thomas Balmès ist ein faszinierend schöner
Film geworden über die unterschiedlichen Lebensumstände und Entwicklungsbedingungen
von Babys von der Geburt bis zum Laufenlernen am Ende ihres ersten
Lebensjahres - mit vielen detailreichen Beobachtungen von Lebenssituationen
an den vier Orten.
Gegensätzlicher hätte die Filmstudie nicht ausfallen können. Nach
einem Jahr jedoch haben sich die Babys prächtig entwickelt, wichtige
Lebenserfahrungen gesammelt und alle haben Laufen gelernt. Eine neue
Etappe ihres Lebens beginnt nun und hier endet, fast könnte man sagen
leider, dieser hoch spannende Film.
Er ist gut strukturiert. Ein ruhiger Rhythmus im Wechsel der Länder
und Orte ohne störenden Kommentar lässt Zeit, in die fremden Welten
einzusteigen und sich die kleinen Entwicklungsfortschritte und unterschiedlichen
Lebensbedingungen vergleichend erzählen zu lassen. Begleitet von
einem angemessenen, ruhigen Musikeinsatz sind es vor allem die Lautäußerungen
zu Beginn bis zur Sprachentwicklung der Babys selbst und deren Umgebung,
die den Ton bestimmen. Bestechend traumhafte Landschaftsaufnahmen
z.B. aus der Mongolei wechseln mit intensiven Beobachtungsphasen
von Schlaf, Spiel, Lautäußerungen und Nahrungsaufnahme. Nie ist die
Kamera aufdringlich, selbst bei intimen Situationen zwischen Mutter
und Kind. Sie rutscht auch nie in eine kitschig überhöhte Darstellung
von „ach so süßen Babys“ ab, sondern beobachtet dokumentarisch zurückhaltend
wie selbstverständlich die einzelnen Abläufe.
Man merkt, dass das Aufnahmeteam sich viel Zeit genommen hat, die
Familien mit ihren Kindern zu begleiten und vor allem die Kinder
alleine in ihrem Spiel zu beobachten. Wir können erfahren, dass Spielen
die wichtigste Phase des Lernens darstellt, ohne dass die Erwachsenen
eingreifen, in jeder kulturellen Umgebung unter anderen Bedingungen.
Trotz des Anspruchs, ein Jahr lang die Phasen der Entwicklung vom
Zeitpunkt 0 bis zum aufrechten Gang aufzuzeigen ist kein Lehrfilm
entstanden, sondern ein Film, der das Menschsein und das Menschwerden
mit seinen Unterschieden und Gemeinsamkeiten zu einer spannenden,
dichten Erzählung macht. |