Inspiriert von seiner eigenen
Beziehung zu seinem Vater, erzählt der Künstler Mike Mills in seinem
ersten Spielfilm seit seinem Debüt "Thumbsucker" aus dem
Jahr 2005 eine autobiografisch gefärbte Geschichte eines jungen Künstlers,
die spielerisch zwischen zwei Zeitebenen wechselt und ihre beiden
Handlungsstränge parallel zueinander vorantreibt. Immer wieder gibt
es drollige Einschübe und witzige Einfälle, Rückblenden zu Olivers
Mutter. Ewan McGregor und "Inglourious Basterds"-Star Mélanie
Laurent sind entzückend, aber die eigentliche Offenbarung ist Urgestein
Christopher Plummer als Olivers Vater in einer mutigen, bewegenden
Darstellung. |
USA
2011 - 105 Min.; ab 12;
Regie: Mike Mills;
Darsteller: Ewan McGregor, Christopher Plummer, Mélanie Laurent, Goran
Visnjic, Bill Oberst Jr., Mary Page Keller, Jessica Elder, China Shavers,
Kai Lennox, Jodi Long, Jennifer Hasty, Jose Yenque, Bambadjan Bamba.
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Eine autobiographische Komödie, in der
man vor Freude weinen will: Mike Mills' zweiter Film ist wie ein
Blättern durch ein ganz persönliches Familienalbum. Mike Mills war
Anfang 30, als seine Mutter starb und sein 75-jähriger Vater sein
Comingout erklärte: Nach 50 Jahren der Geheimnistuerei hatte er keine
Lust mehr, im Verborgenen leben zu müssen. Bis zu seinem Tod fünf
Jahre später lebte er als glücklicher schwuler Mann, der seinem Sohn
in dieser Zeit näher kam als all die Jahre davor. "Beginners" könnte
nicht autobiographischer sein. Mills, einer der einflussreichsten
und kreativsten amerikanischen Grafikdesigner und Künstler der letzten
20 Jahre, der Albumcover für Sonic Youth entwarf und Videos für die
Beastie Boys drehte, erzählt in seiner zweiten Arbeit als Filmregisseur
- das Debüt war "Thumbsucker" aus dem Jahr 2005 - seine
eigene Geschichte. Und er macht es auf die zutiefst persönliche Weise,
die möglich erscheint. Bisweilen mutet sein Film an wie ein Blättern
durch ein Tagebuch, angefüllt mit Randnotizen, abschweifenden Gedanken
und absurden Ideen. Parallel erzählt der Regisseur von der Zeit nach
dem Tod der Mutter - und danach dem Tod des Vaters. Mit Hilfe seines
Alter egos, des von Ewan McGregor gespielten Grafikdesigners Oliver,
erzählt Mills von der eigenen Orientierungslosigkeit, seiner Trauer,
seiner Schwierigkeit, wieder Fuß im Leben zu fassen nach dem Verlust,
und seinen Problemen, sich auf eine Beziehung mit einer jungen französischen
Schauspielerin, gespielt von "Inglourious Basterds"-Entdeckung
Melanie Laurent, die er in einer wunderbaren Sequenz auf einer Party
in den Hollywood Hills kennenlernt, einzulassen. Das klingt zunächst
nach einem problembeladenen Drama, ist aber ein entwaffnend hinreißender
Film mit einem Sinn für absolut menschlichen Humor. Mills ist frei
im Einsatz der Mittel, lässt seinen traurigen Helden Gespräche mit
dem Hund des Vaters führen (und den Hund in Untertiteln antworten),
er fügt Einschübe ein, die im Stil eines Kalenderblattes von entscheidenden
Jahren im Leben der Hauptfiguren berichten. Alles, was dazu beiträgt,
ein Verständnis für die Menschen in "Beginners" und ihre
Gefühlswelt zu vertiefen, ihre ganz intimen Anliegen in einen Kontext
zu setzen und damit nachvollziehbar zu machen, ist erlaubt. Die Freiheit
überträgt sich auf die Schauspieler. McGregor und Laurent sind wunderbare
Sympathieträger, aber die eigentliche Offenbarung ist Hollywood-Legende
Christopher Plummer, der als Olivers Vater, der es sich erlaubt,
die letzten Jahre seines Lebens in vollen Zügen zu genießen, die
vielleicht mutigste und beste Leistung seiner an ikonischen Rollen
nicht gerade armen Karriere abliefert. "Beginners" ist
von der ersten bis zur letzten Sekunde pure Magie, überraschend,
aufrichtig, sentimental, ein bisschen drollig, komisch, traurig,
immer wahrhaftig - eine wunderbare Arbeit eines Mannes, dessen bekanntestes
Kunstprojekt nicht von ungefähr den Titel "Humans" trägt:
Nachhaltig erzählt er, dass wir alle in unserem Leben immer Anfänger
sind, egal wie alt und erfahren wir auch sein mögen. Und das ist
im ureigenen und ursprünglichen Sinne schön.
ts. (Blickpunkt Film) |