Oscar-Preisträgerin Jodie Foster
("Das Wunderkind Tate", "Familienfest und andere Schwierigkeiten")
kehrt nach längerer Pause endlich auf den Regiestuhl zurück und schafft
mit DER BIBER ein beeindruckendes Familienporträt. Glaubhaft und
mit viel Feingefühl füllt Jodie Foster außerdem ihre Rolle als liebevolle
Ehefrau und Mutter an der Seite von Oscar-Preisträger Mel Gibson
("Auftrag Rache", "Was Frauen wollen") aus. In
den Nebenrollen brillieren Anton Yelchin ("Star Trek", "Charlie
Bartlett") als pubertierender Sohn und Riley Thomas Stewart
als jüngster Spross der Familie. Abgerundet wird der Cast durch Newcomerin
Jennifer Lawrence, die aktuell für den Oscar in der Kategorie "Beste
Hauptdarstellerin" für ihre Rolle in "Winter’s Bone" nominiert
ist. |
Originaltitel:
The Beaver;
USA 2010
- 91 Min.; ab 6;
Regie: Jodie Foster;
Darsteller: Mel Gibson, Jodie Foster, Anton Yelchin, Riley Thomas Stewart,
Jennifer Lawrence, Cherry Jones, Zachary Booth, Michelle Ang, Paul
Hodge, Jeff Corbett, John Bernhardt.
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Beneiden kann man den Verleih dieses Films wirklich
nicht. In Deutschland ist Mel Gibson durch seine regelmäßigen Alkoholexzesse,
die zudem mit höchst unschönen antisemitischen und sexistischen Schimpftiraden
einhergingen, zwar nicht zu der Persona non grata geworden, die er
in Amerika ist. Ganz ohne an die Schlagzeilen der letzten Jahre zu
denken, kann man allerdings auch in Deutschland nicht mehr zusehen,
wenn Mel Gibson auf der Leinwand eine Figur spielt, die von Dämonen
geplagt wird, sich seiner Familie entfremdet und in eine schwere
Depression verfällt. Die Ursachen dafür sind so vage und unbestimmt,
wie sie wohl auch in der Realität meist sind. Denn auf den ersten
Blick scheint es der von Gibson gespielten Figur des Walter Black
gut zu gehen: Er ist Vorsitzender einer leidlich gut gehenden Spielzeugfirma,
ist mit der erfolgreichen Geschäftsfrau Meredith (Jodie Foster) verheiratet
und hat mit Porter (Anton Yelchin) und Henry (Riley Thomas Stewart)
zwei recht wohl geratene Söhne. Dennoch hadert Walter mit seinem
Leben, verkriecht sich zunehmend im Bett und findet erst durch den
titelgebenden Biber aus seinem Tal heraus. Nach einem besonders schweren
Absturz wacht Walter nämlich verkatert neben einer Biber-Handpuppe
auf und beginnt mit verstellter Stimme mit sich selbst zu sprechen.
Eine Paraderolle also für Mel Gibson, der schon in vielen Filmen
neben großer Intensität auch komödiantisches Talent bewiesen hat.
Hier spricht er den Biber mit starkem australischen Akzent, der zum
kurzfristigen Eindruck beiträgt, hier eine etwas durchgedrehte Komödie
anzusehen. Zu absurd wirkt das Bild des zerknitterten Walter Blacks,
der mit Frau, Kindern und Arbeitskollegen durch eine alberne Handpuppe
redet. Doch dieser Eindruck täuscht. Zwar bewirkt der Biber für kurze
Zeit die Wiederherstellung des häuslichen Friedens, doch spätestens
am Hochzeitstag, als Meredith endlich einmal mit Walter allein sein
und nicht durch den Biber mit ihrem Mann sprechen will, eskaliert
die Situation. Zumal der Film als zweite Ebene von der zunehmenden
Isolation des älteren Sohnes Porter erzählt, der nichts weniger will
als seinem Vater zu ähneln, aber genau dies immer mehr tut. Es ist
schon erstaunlich wie konsequent „Der Biber“ sein Thema behandelt.
Dementsprechend schwer fällt es oft mitanzusehen, wie die Familie
auseinanderdriftet, wie jeglicher Versuch einer Annährung doch wieder
scheitert. Bemerkenswert ist vor allem aber, wie unaufgeregt Jodie
Foster dies inszeniert. Die typischen melodramatischen Einschläge
eines amerikanischen Independentfilms finden sich hier in keinem
Moment, aber auch nicht die versöhnliche, am Ende-wird-alles-gut
Verlogenheit eines typischen Hollywood-Films. Diese Schonungslosigkeit,
mit der „Der Biber“ sein Thema bis zum Ende erzählt, ist die größte
Stärke des Films, macht ihn allerdings auch so schwer zu vermarkten.
Angenehm ist es nämlich nicht sich anzusehen, wie Mel Gibsons Walter
Black mit seinen Dämonen ringt, gerade weil es so überaus realistisch
dargestellt ist.
Michael Meyns (programmkino.de) |