„Ein sehenswerter Dokumentarfilm!“
Filmbulletin

„Nicht nur spannende architektonische Einblicke,
sondern auch ein Bild der chinesischen Befindlichkeit
in Zeiten des rasanten Wandels.“
Neue Zürcher Zeitung

„Ein gelungener Kulturaustausch, nicht nur für Architekten.“
Züritipp

Schweiz 2008 -- O.m.d.U.; 88 Min.;
Regie: Christoph Schaub / Michael Schindhelm;
Darsteller:
(Mitwirkende) Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Ai Weiwei, Dr. Uli Sigg, Dr. Yu Qiu Rong, Li Xinggang, Stefan Marbach, Li Aiqing.

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www.imdb.com

Jacques Herzog und Pierre de Meuron aus Basel gehören zu den international renommiertesten Architekten. Auf ihren Reißbrettern entstanden innovative Großprojekte wie die Tate Modern in London oder auch die Allianz Arena in München. Als im Jahr 2002 der Wettbewerb zum Bau des "National Stadium" für die Olympischen Spiele in Peking ausgeschrieben wurde, machten sich die beiden auf den Weg nach China. Die Dokumentation "Bird's Nest" begleitet die beiden Star-Architekten von der Entwicklung des Models, das aufgrund seiner Optik bald den Spitznamen "Vogelnest" - "Bird's Nest" bekommt, bis zur Bauphase.

Der Film gewährt einen tiefen Einblick in die kontextuelle Arbeitsweise von Herzog und de Meuron. Er zeigt, wie die Architekten Elemente der chinesischen Lebenswelt, Traditionen und Formen aufgreifen und in ihre Vision des neuen Stadiums einfliessen lassen. So ist die offene Stahlkonstruktion mitunter Ausdruck der aufgeschlossenen privaten Nutzung öffentlicher Räume in Peking. Mit an Bord holten die Architekten den international arbeitenden Künstler Ai Weiwei, der für sie als Dolmetscher der Kulturen fungierte. In Deutschland ist Ai Weiwei spätestens seit seiner spektakulären Türen-Skulptur auf der 12. documenta bekannt.

Eine Szene des Films ist bezeichnend für die chinesisch-schweizerische Zusammenarbeit. Pierre de Meuron erscheint verspätet zum Spatenstich, da der Taxifahrer nicht wusste, wo das Olympia-Gelände zu finden ist. Als er ankommt, haben die chinesischen Funktionäre die symbolischen Spaten schon in der Hand. De Meuron versucht, ebenfalls einen zu bekommen, wird aber von der Hostess nicht berücksichtigt. Mit den Worten "Hello? I'm the architect!" versucht er es erneut - vergeblich. Erfahrungen dieser Art machen die Architekten mehrfach im Laufe ihrer Tätigkeit für das kommunistische Planungsbüro. Im Land der Mitte gilt, dass selbst der wichtigste Architekt zunächst einmal nur ein kleines Rädchen in der kommunistischen Symbol-Maschinerie ist. Und die Symbolkraft des Olympia-Stadions mit Platz für knapp 100.000 Besucher ist gewaltig.

Wichtiger Bestandteil des Films sind daher auch die Interviews mit den für Planung und Durchführung des Baus verantwortlichen Funktionären. Sie beleuchten die Erwartungen und Vorgehensweisen der chinesischen Seite im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele. De Meuron nimmt kurz Bezug auf die aktuelle Debatte um die Legitimität der Arbeit für nichtdemokratische Staaten wie die Volksrepublik China. Er formuliert es als westliche Arroganz, würde man alle Fortschrittsbemühungen Chinas ignorieren und keine Kooperationsbereitschaft zeigen.

Er nimmt sich daher, zusammen mit Herzog, auch einem weiteren Projekt in China an, für das sich die beiden intensiv mit den Bedürfnissen der Bevölkerung auseinandersetzen. Entworfen wird ein Stadtteil in der chinesischen Provinzstadt Jinhua. Und so zeigt die Dokumentation "Bird's Nest" der Filmemacher Christoph Schaub und Michael Schindhelm mehr als die Entstehungsgeschichte des ambitioniertesten Bauprojekts dieses Jahrzehnts. Der Film ist gleichzeitig ein Plädoyer für die ehrliche Auseinandersetzung mit der weitgehend unverstandenen Kultur und Lebensweise einer aufstrebenden Großmacht.