Reinstes amerikanisches Independent-Kino
ist Derek Cianfrances Liebes-Drama „Blue Valentine“, in dem Ryan
Gosling und Michelle Williams sich geradezu die Seele aus dem Leib
spielen. Mit allen positiven wie negativen Konsequenzen, von subtilen
Momenten bis hysterischen Ausbrüchen, die das gesamte Spektrum einer
beginnenden und dann scheiternden Paarbeziehung abdecken. |
USA
2010 - 112 Min.; ab 12;
Regie: Derek Cianfrance;
Darsteller: Michelle Williams, Ryan Gosling, Faith Wladyka, John Doman,
Mike Vogel, Marshall Johnson, Jen Jones, Maryann Plunkett, James Benatti,
Barbara Troy, Carey Westbrook, Ben Shenkman.
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Eine ergreifende Liebes- und Ehegeschichte.
Cindy, die Medizinstudentin, und Dean, der Transportarbeiter und
Amateurmusiker, lernen sich in dem Altersheim kennen, in dem Cindy
ihre Großmutter pflegt und Dean einen Umzug zu besorgen hat. Dean
ist ein einfacher Mann, der jedoch das Mädchen durch seinen Witz
und reizende Einfälle betört. Es dauert nicht lange, bis die beiden
sich trotz Verlegenheit auslösender Fragen von Cindys Eltern verlieben
und heiraten – obwohl das Kind, das Cindy erwartet und entgegen einer
früheren Absicht nicht abtreiben lässt, von ihrem Ex-Lover Bobby
stammt. Frankie heißt das kleine Mädchen, das auf die Welt kam und
das – inzwischen sind vier Jahre vergangen – seinen Vater, der nicht
sein Vater ist, von Herzen liebt und umgekehrt. Cindy arbeitet ziemlich
gestresst als Frauenärztin, Dean geht ebenfalls einem Handwerk nach,
lässt aber seinem kindlichen Gemüt immer mehr Spielraum. Das Verhältnis
der Ehegatten ist deshalb gespannt. Je mehr sich Cindy ablehnend
verhält, desto größer wird Deans Sorge, dass die Familie gefährdet
sein könnte. Er wird zudringlich. Gestritten wird jetzt nicht selten,
und meistens reden die beiden aneinander vorbei. Ein Versuch, zu
retten, was zu retten ist: zur Erinnerung an früher eine (alkoholisierte)
Nacht in einem Phantasiezimmer eines Hotels, die jedoch sehr negativ
endet. Cindy verlässt den Ort allein, und Deans Zorn ist jetzt nicht
mehr aufzuhalten. Er wird ausfällig. Es sieht ganz und gar nicht
so aus, als wäre die Beziehung noch zu retten. Auf zwei Zeitebenen
spielen sich zuerst ein vollkommenes Eheglück und dann ein tieftrauriges
Ehedrama ab, ein Drama mit zwei Menschen, die sich lieben, aber nicht
für einander geschaffen sind, mit zwei Menschen, die ständig aneinander
vorbeireden. Deans Frage ist nur zu berechtigt: „Was soll aus der
kleinen Frankie werden?“
Derek Cianfrance hat hier literarisch und
filmisch so etwas wie ein Meisterstück abgeliefert, dessen kunstvolle
Regiearbeit in Sundance berechtigterweise gebührend gefeiert wurde
– und das will schon etwas heißen. Michelle Williams (Cindy) und
Ryan Gosling (Dean) spielen von Anfang bis Ende unübertroffen gut.
So gut wie alles stimmt in diesem milieuechten Film.
Thomas Engel (programmkino.de) |