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Mit der dritten Verfilmung der Kurzgeschichte von Franz von Kobell - nach Joseph von Bakys Kinofilm von 1949 und Kurt Wilhelms Fernsehfassung von 1975 - nimmt sich Joseph Vilsmaier eines klassischen bayerischen Stoffes an, der sich auf spielerische Weise mit der Angst vor dem Sterben beschäftigt. Mit Franz Xaver Kroetz ('Kir Royal')in seiner ersten Kinorolle seit mehr als 25 Jahren in der Titelrolle und Michael Bully Herbig als Boanlkramer gelangen zwei Besetzungscoups: Die beiden Stars stellen sicher, dass sowohl das dramatische wie auch komische Potenzial voll ausgschöpft werden.
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Prädikat: besonders wertvoll
D 2008 - 100 Min.; ab 6; Regie: Joseph Vilsmaier; Darsteller: Franz-Xaver Kroetz, Michael Bully Herbig, Lisa Potthoff, Peter Ketnath, Sebastian Bezzel, Alexander Held, Detlef Buck, Herbert Knaup. Homepage www.imdb.com |
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Als kleiner Junge nahm ihn sein Vater, Fahrer bei der Bavaria, 1949 mit nach Berchtesgaden zu den Dreharbeiten des Brandner Kaspar mit Paul Hörbiger und Carl Wery. Knapp 60 Jahre später erfüllt sich Joseph Vilsmaiers größter Wunsch, wenn er nach der Geschichte von Franz von Kobell vom Büchsenmacher erzählt, der selbst mit 69 im Tegernseer Tal noch heftig wildert, auch wenn darauf Gefängnis steht. Mit seiner Enkelin Nannerl und dem Knecht Toni lebt der Witwer auf seinem Hof und legt sich gerne mit der Obrigkeit an, vor allem mit dem reichsten Bauern und Bürgermeister der Gemeinde, dem er Geld schuldet und der ihm nur allzu gern das Haus abluchsen möchte. Aber Brandner hat vor nix und niemandem Angst. Bis eines Nachts Gevatter Tod auftaucht und ihn in die ewigen Jagdgründe entführen will. Erst fährt ihm der Schrecken in die maroden Knochen, dann füllt er den "Boanlkramer" mit hochprozentigem Kirschschnaps ab und betrügt den Trunkenen beim Kartenspiel mit einem Trick, erschwindelt sich weitere 21 Lebensjahre. Der Bote aus dem Jenseits darf ihn erst an seinem 90. Geburtstag abholen. Doch das Schicksal zeigt ihm die Rote Karte. Deftig geht es zu in diesem Schwank, bei dem Jörg Hube als Petrus im Paradies mit Bier, Brezn und Leder behosten Engeln das Zepter schwingt. Ein kleines Oktoberfest. Beim Probegucken bleibt der Brandner Kaspar gleich da, trifft er doch alle seine Lieben wieder, auch das inzwischen gestorbene Nannerl. Sogar das Fegefeuer wird ihm erlassen. Vilsmaier spielt bei der dritten Verfilmung der Volkslegende mit Lust auf der Klaviatur naiver Filmkunst, die Figuren sind klar definiert, böse oder gut, durchtrieben oder dämlich. Franz Xaver Kroetz mimt nach 27jähriger Leinwandabstinenz den schlitzohrigen Sturkopf als "gscherten und gscheiten Bayern" sensationell gut, Michael "Bully" Herbig den Tod in schwarzer Kutte und Maske harmlos-herzlich mit viel Komik-Potenzial, Detlev Buck den preussischen General a.D. mit schnarrendem Ton und Sympathie. Unschlagbar als Darsteller die wuchtigen Berg-Panoramen in den Dolomiten und der Benediktenwand im Voralpenland, vor deren majestätischer Kulisse die Handlung abläuft. Im bewussten Gegensatz dazu die im Studio gedrehten Szenen im Himmel der Bayern von reizender Einfachheit und dazu passenden Spezialeffekten, populäres Volkstheater auf der Leinwand aus einer Mischung von Traditionsbewusstsein, Chuzpe und Modernität. Ob es im "bayerischen Halloween-Film" allerdings "Boandlkramer" statt "Boanlkramer" heißen müsste, daran scheiden sich die Geister. Spaß macht's trotzdem. |
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