Typischer als „Wiedersehen in Brideshead“ kann ein englischer Film kaum sein. Basierend auf dem allseits verehrten Roman von Evelyn Waugh führt Julian Jarrolds Film junge, schöne, überaus distinguiert agierende Vertreter Britanniens durch die mächtigen Gebäude Oxfords, herrschaftliche Landsitze und die malerischen Gassen Venedigs, stets auf der Suche nach sich selbst und der Liebe. All das ist wunderbar gefilmt, malerisch, schwelgerisch, allerdings auch eine Spur leblos.

Kinotrailer von Filmtrailer.com
Originaltitel: Brideshead Revisited;
GB 2007 - 133 Min.; ab 6;
Regie: Julian Jarrold;
Darsteller: Matthew Goode, Ben Whishaw, Hayley Attwell, Emma Thompson, Michael Gambon, Ed Stoppard.

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Die Verfilmung des berühmten gleichnamigen Romans von Evelyn Waugh. Es geht darin um die alte exzentrische englische Adelsfamilie der Marchmains, um das Eindringen des Bürgerlichen Charles Ryder in diese Welt, um die Freundschaft des jungen Sebastian Marchmain zu Charles, um dessen unglückliche Liebe zu Julia Marchmain, um den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Atheismus und fanatischer katholischer Religiosität.

Charles freundet sich mit Sebastian in Oxford an. Sebastian, der Labile, der Homosexuelle, der Alkoholiker, der von der in seinem heimatlichen Palast Brideshead herrschenden bigotten Atmosphäre Angeekelte, will Charles nur noch für sich haben. Doch während einer gemeinsamen Reise nach Venedig, wohin sich Lord Marchmain mit seiner Geliebten Cara abgesetzt hat, kommen sich Julia und Charles näher. Sebastian ist entsetzt, flieht nach Marokko, taucht unter und geht unter.

Lady Marchmain hat für Julia andere Pläne. Diese muss den reichen, zum Katholizismus konvertierten kanadischen Geschäftsmann Rex Mottram heiraten. Charles, der Maler ist, hat in seinen Bildern den Dschungel zum Thema gemacht und schließlich ebenfalls geheiratet.

Weder Julia noch Charles sind in ihrer Ehe glücklich.

Nach Jahren begegnen sich beide wieder. Mottram würde seine Frau freigeben – doch Julia fühlt sich nicht frei sondern schuldig. Als der Lord zum Sterben nach Brideshead zurückkehrt, wird deutlich, dass die extreme Religiosität der inzwischen toten Mutter das Leben sowohl Sebastians als auch Julias total unfrei machte, ja eigentlich zerstörte.

Das Verhalten des Menschen wird durch sein Milieu bestimmt – nichts Neues. Wenn aber ein Milieu, noch dazu in Adelskreisen, gesellschaftlich wie religiös derart verkrustet ist, wie es in diesem in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielenden Roman am Beispiel der Marchmains gezeigt wird, gehen die Menschen kaputt. Dazu kommt hier noch die unvermeidliche Konfrontation mit einer anderen sozialen Schicht. Das Drama, ja die Tragödie, ist programmiert.

In dem – den Roman bis zu einem gewissen Grade abwandelnden – Film wird das subtil und dramaturgisch schlüssig deutlich gemacht. Ein plausibles, sehr ausladendes Gesellschaftsbild sowie emotionale Persönlichkeitsbilder sind entstanden – Regie, Kamera, Ausstattung und Musik auf gleicher, ziemlich beachtlicher Höhe.

Und wenn man die Liste der Darsteller betrachtet, leuchtet das auch rasch ein: Emma Thompson – souverän – (Lady Marchmain), Ben Whishaw – besonders gut – (Sebastian), Greta Scacchi (Lara), Michael Gambon (Lord Marchmain), Matthew Goode – ausgezeichnet – (Charles), Hayley Atwell (Julia), alle agieren mit Niveau.