Peinlichkeit ist sein dritter Vorname: Als homosexueller Modereporter lässt "Borat" - Star Sacha Baron Cohen kein Fettnäpfchen aus. Brüno stellt einen homosexuellen österreichischen Modejournalisten und Reporter für den fiktiven Fernsehsender „Austrian Gay-TV“ dar, der durch bestimmte Fragen bei seinen Interviews peinliche Antworten provoziert. Seine Interviews drehen sich stets um Mode, Prominente, Unterhaltung und die Homosexualität. Brüno spricht Englisch mit gespieltem deutschen Akzent, benutzt erfundene deutsche Wörter, lässt immer wieder aber auch echtes Deutsch einfliessen (natürlich nur in der Original Version), trägt seine Haare als Irokesenschnitt und trägt auffällige Kleider.

Claudius Seidl von der FAZ ist einigermaßen von den Socken: "In dieser Welt ist Sacha Baron Cohen einer der letzten wahren Künstler und eine Ein-Mann-Freiheitsbewegung. Er lässt erst die Kameras laufen und dann die Dinge geschehen. Die seltsamsten, die verrücktesten, die wahrsten und allerunwahrscheinlichsten Dinge. Es ist eine Schweinerei, ein Abgrund, ein Vergnügen. Ein Glück."

Original Englisch mit deutschen Untertiteln;
USA 2009 - 90 Min.; ab 16;
Regie: Larry Charles;
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Richard Bey, Ron Paul.

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Sein Flicken-Outfit auf der Mailänder Fashion Week im vergangenen Jahr ging ebenso durch die Presse wie sein Auftritt auf einem Wrestling-Event in der US-Provinz von Arkansas: Vor den Augen der eher rustikalen Zuschauermenge lieferte er gemeinsam mit einem Mann eine Strip-Performance ab, eher er sich diesem auf nicht unbedingt jugendfreie Weise näherte. Sacha Baron Cohen ist zurück.
Nach seiner halbdokumentarischen Farce "Borat" vor drei Jahren erweckt der Brite nun einen neuen Charakter seiner legendären TVSendung "Da Ali G"-Show zum Kinoleben: den homosexuellen Reporter des österreichischen Jungen-Rundfunks Brüno. Homophobe Politiker, Macho-Trapper und weichgespülte Liberale sollten sich in Acht nehmen. Auf seiner Reise durch die Niederungen des bigotten Bürgertums mischt der selbstverliebte Reporter mit seinem afrikanischen Adoptivkind Talkshows auf - "Ich habe ihm einen typisch schwarzen Namen gegeben: O. J." (in Anlehnung an den immer wieder des Mordes an seiner Frau beschuldigten Ex-Footballer O. J. Simpson), versucht mit Jägern in der Wildnis seine "Sex and the City"-Begeisterung zu teilen und belegt einen wahnwitzigen Selbstverteidigungskurs gegen Dildo schwingende Angreifer.
Dank dieses entwaffnenden Witzes zählt Sacha Baron Cohen zu den lustigsten und hintergründigsten Komikern seiner Zeit. Das Erfolgsrezept des Improvisationstalents bringt "Borat"- und "Brüno"-Produzent Dan Mazer, der mit Cohen gemeinsam die vornehme Haberdashers-Aske's-Privatschule und das Christ's College in Cambridge absolvierte, auf den Punkt: "Er bringt die Menschen dazu, ihre Tarnung aufzugeben." Und Cohen ergänzt: "Indem man sich als antisemitischer Schwulenhasser darstellt, offenbaren die Interviewpartner ihre niedrigsten Ansichten."
Selbst die ansonsten eher konservativen Oscar-Verantwortlichen waren dieser Meinung. 2008 würdigte die Academy Mazers "Borat"-Drehbuch mit einer Nominierung. Dass er als aufdringlicher Dolce & Gabbana-Fetischist einen ebenso bleibenden Eindruck hinterlassen wird, darf kaum bezweifelt werden.