Für die einen ist er ein idealistischer
Freiheitskämpfer, der sich dem amerikanischen Imperialismus entgegengestellt
hat, für die anderen ein skrupelloser Mörder und unfähiger Politiker.
Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen dürfte die Wahrheit über
Ernesto „Che“ Guevara verborgen sein, die nach inzwischen fast 50
Jahren Mythologisierung bzw. Verdammung allerdings für immer verschüttet
sein dürfte. Wie soll man sich als Künstler also dieser Figur nähern,
zumal wenn man Regisseur ist, also mit einem Medium arbeitet, dass
angesichts der Macht der Bilder allzu leicht – und oft auch ungewollt
– zum Propagandainstrument wird.
Steven Soderbergh ist natürlich zu intelligent, um einen Film wie „The
Motocycle Diairies“ zu drehen, der vorgeblich nur von Guevara als junger
Mann erzählte, sich aber dennoch in unreflektierter Mythologisierung
verlor. Und natürlich ist Soderbergh auch nicht daran interessiert,
einen klassischen biographischen Film zu drehen, inklusive der Reduzierung
eines Lebens auf ein, zwei psychologisch entscheidende (Kindheits-)Momente,
in denen die Ursache alles Folgenden liegt.
Zwar bewegt sich eine Ebene des Films linear von 1955 bis 1959, eine
wirklich lineare Erzählung entsteht dennoch nie. Vielmehr sieht man
Vignetten aus Guevaras Leben, eine erste Begegnung mit Fidel Castro,
lange Märsche durch den Urwald, immer wieder kleine Scharmützel und
größere Kämpfe, aber einen wirklichen Eindruck von der kubanischen
Revolution vermittelt dies nur bedingt. Gelegentlich werden zwar Daten
und Orte eingeblendet, doch was gerade erobert, welche Stadt befreit
werden soll, kann man nur ahnen. In meist langen Einstellungen beobachtet
Soderbergh das Geschehen, oft aus größerer Distanz, manchmal auch von
hinten, die kaum etwas von der Mimik der Personen verrät, vor allem
aber keine Spur von Psychologisierung erzeugt.
Benicio Del Toro, der Guevara erstaunlich ähnelt, verzieht kaum eine
Mine, spricht seine Dialogzeilen fast beiläufig, ja, unemotional und
entspricht damit dem Stil des gesamten Films. Manchmal erweckt der
Film den Anschein einer Dokumentation, bei der die spannenden Teile
herausgeschnitten wurden und nur das Alltägliche, scheinbar banale
übrig bleibt. Selbst die Kämpfe sind mit diesem Ansatz gefilmt, bleiben
verwirrend und distanziert und haben dadurch eine Zufälligkeit an sich,
die sich durch das ganze Unternehmen „kubanische Revolution“ zieht,
wie es hier geschildert wird.
Die zweite Ebene des Films, die Guevaras Besuch in New York 1964 zeigt,
seinen Auftritt vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen und
ein Interview mit einer Journalisten, funktioniert zwar in Momenten
als Kommentar zum Gang der Revolution, bedient sich der erwartbaren
ideologischen Phrasen, doch wirkliche Klarheit schafft auch sie nicht.
Irgendwann ist der Film dann vorbei, mitten in der Revolution, und
hat keine der Erwartungen, die man an einen gewöhnlichen biographischen
Film hat, erfüllt.
Dieser strukturalistische Ansatz ist einerseits eine große Qualität,
mit der sich Soderbergh andererseits auch der Notwendigkeit entzieht,
eine ideologische Position zu beziehen. So lebt der Film von den hervorragenden
Darstellern – neben Del Toro vor allem Demian Bichir als Fidel Castro
– und seiner schieren Ambition, mit der er sich zwar teilweise selbst
im Weg steht, die ihn aber gleichzeitig weit aus dem Gros der biographischen
Filme heraushebt.
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