Historischen Figuren gerecht zu werden, die einflussreich
und zugleich populär sind, gehört zu den schwierigeren Aufgaben für
Künstler: Lebensleistung und Strahlkraft sollen zum Ausdruck kommen,
aber bitte nah am wirklichen Leben und ohne sie zu Säulenheiligen
erstarren zu lassen.
Wie schwierig das ist, war Steven Soderberghs erstem Che-Guevara-Film
anzumerken. Im Bemühen, nicht der Faszination seines Titelhelden
zu erliegen, ist Soderbergh genau das passiert: Die Fokussierung
auf Che wirkte gekünstelt angesichts starker Nebenfiguren wie Fidel
Castro, um nur einen zu nennen. Und der erfolgreiche Sturm auf Kuba
war ungeeignet als Hintergrund für eine intime, dramaturgisch karge
Nahaufnahme und in dieser Form kaum nachvollziehbar als komplexer
weltpolitischer Vorgang.
Bei der Fortsetzung ist das anders, denn Ches Versuch, die Revolution
nach Bolivien zu tragen, ist eine simple, tragische Geschichte des
Scheiterns mit einer eindeutigen Hauptfigur - ideal für den puristischen
Blick, den Soderbergh angestrebt hat. Hier kann er sich mit der Kamera
ganz auf seinen Hauptdarsteller konzentrieren, den grandiosen Benicio
Del Toro, ohne dabei viel aus den Augen zu verlieren, etwa eine zurückhaltende
Franka Potente als Revolutionshelferin Tamara Bunke. Und ohne in
die Gefahr zu geraten, ihn ungewollt doch zu glorifizieren, denn
der unwürdige Ausgang ist hinlänglich bekannt: Che wird gejagt, gestellt
und jämmerlich hingerichtet.
Schon bei der Einreise in Bolivien, verkleidet und unter falschem
Namen, schwingt ein ungutes Gefühl mit, das sich über die Dauer des
Films verdichten wird: Dieser Mann ist hier fremd, und er wird es
bleiben. Mit einer Handvoll Kubaner beginnt er im Wald, Kämpfer anzuwerben,
was sich als schwierig erweist. Die Kubaner erkannten in Fidel Castro
und seinen Männern ihresgleichen und unterstützten sie gegen die
US-gesteuerte Diktatur; viele Bolivianer hingegen verstehen nicht,
was der gebürtige Argentinier Che und seine Kubaner in ihrem Land
und von ihnen wollen. Die wenigen einheimischen Rekruten verschwinden
schnell wieder, lassen wertvolle Waffen mitgehen und verraten die
Guerilla. Zugleich schüchtert die Armee, angeleitet von beinharten
CIA-Agenten, die ausgebeuteten Minenarbeiter ein, auf die Che gebaut
hat.
Del Toro glänzt als charismatischer Anführer, der den Blick für
die Realität verliert, sehenden Auges in den Untergang geht und dabei
seine Leute weiter motiviert. Man glaubt ihm die Verblendung, die
durchaus an die Selbstüberschätzung der deutschen RAF erinnert, und
je weiter sie fortschreitet, umso näher kommt ihm Soderbergh: Die
Kamera umschwärmt den Gejagten, wie er im Kugelhagel taumelt, verschmilzt
schließlich mit ihm und nimmt seinen Blick ein.
Letztlich ist dem Regisseur gelungen, was er wohl im Sinn hatte:
Hinter den Mythos Che vorzudringen zu dem Menschen, wie er hätte
gewesen sein können.
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