Nach dem erfolgreichen Umsturz in Kuba verschwindet Che (Benicio Del Toro) scheinbar spurlos. Ein Jahr später reist er unerkannt nach Bolivien ein, wo er die Revolution weiterführen möchte. Mit der Unterstützung ausländischer Sympathisanten wie Tanja (Franka Potente) und dem Schriftsteller Regis Debray (Marc-André Grondin) nimmt er mit einer kleinen bewaffneten Einheit den Kampf gegen Präsident Barrientos (Joaquim de Almeida) und seine Truppen auf. Doch in der Bevölkerung ist der Rückhalt gering, auch auf die Hilfe der Kommunistischen Partei unter Mario Monje (Lou Diamond Phillips) kann Che nicht zählen. Während die Moral immer weiter sinkt, geraten die Guerillas in einen Hinterhalt.

Originaltitel: Che Part Two;
Frankreich / Spanien / USA 2008 - 131 Min.; ab 12;
Regie: Steven Soderbergh;
Darsteller: Benicio Del Toro, Demián Bichir, Rodrigo Santoro, Franka Potente, Marc-André Grondin, Joaquim de Almeida, Lou Diamond Phillips.

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Historischen Figuren gerecht zu werden, die einflussreich und zugleich populär sind, gehört zu den schwierigeren Aufgaben für Künstler: Lebensleistung und Strahlkraft sollen zum Ausdruck kommen, aber bitte nah am wirklichen Leben und ohne sie zu Säulenheiligen erstarren zu lassen.

Wie schwierig das ist, war Steven Soderberghs erstem Che-Guevara-Film anzumerken. Im Bemühen, nicht der Faszination seines Titelhelden zu erliegen, ist Soderbergh genau das passiert: Die Fokussierung auf Che wirkte gekünstelt angesichts starker Nebenfiguren wie Fidel Castro, um nur einen zu nennen. Und der erfolgreiche Sturm auf Kuba war ungeeignet als Hintergrund für eine intime, dramaturgisch karge Nahaufnahme und in dieser Form kaum nachvollziehbar als komplexer weltpolitischer Vorgang.

Bei der Fortsetzung ist das anders, denn Ches Versuch, die Revolution nach Bolivien zu tragen, ist eine simple, tragische Geschichte des Scheiterns mit einer eindeutigen Hauptfigur - ideal für den puristischen Blick, den Soderbergh angestrebt hat. Hier kann er sich mit der Kamera ganz auf seinen Hauptdarsteller konzentrieren, den grandiosen Benicio Del Toro, ohne dabei viel aus den Augen zu verlieren, etwa eine zurückhaltende Franka Potente als Revolutionshelferin Tamara Bunke. Und ohne in die Gefahr zu geraten, ihn ungewollt doch zu glorifizieren, denn der unwürdige Ausgang ist hinlänglich bekannt: Che wird gejagt, gestellt und jämmerlich hingerichtet.

Schon bei der Einreise in Bolivien, verkleidet und unter falschem Namen, schwingt ein ungutes Gefühl mit, das sich über die Dauer des Films verdichten wird: Dieser Mann ist hier fremd, und er wird es bleiben. Mit einer Handvoll Kubaner beginnt er im Wald, Kämpfer anzuwerben, was sich als schwierig erweist. Die Kubaner erkannten in Fidel Castro und seinen Männern ihresgleichen und unterstützten sie gegen die US-gesteuerte Diktatur; viele Bolivianer hingegen verstehen nicht, was der gebürtige Argentinier Che und seine Kubaner in ihrem Land und von ihnen wollen. Die wenigen einheimischen Rekruten verschwinden schnell wieder, lassen wertvolle Waffen mitgehen und verraten die Guerilla. Zugleich schüchtert die Armee, angeleitet von beinharten CIA-Agenten, die ausgebeuteten Minenarbeiter ein, auf die Che gebaut hat.

Del Toro glänzt als charismatischer Anführer, der den Blick für die Realität verliert, sehenden Auges in den Untergang geht und dabei seine Leute weiter motiviert. Man glaubt ihm die Verblendung, die durchaus an die Selbstüberschätzung der deutschen RAF erinnert, und je weiter sie fortschreitet, umso näher kommt ihm Soderbergh: Die Kamera umschwärmt den Gejagten, wie er im Kugelhagel taumelt, verschmilzt schließlich mit ihm und nimmt seinen Blick ein.

Letztlich ist dem Regisseur gelungen, was er wohl im Sinn hatte: Hinter den Mythos Che vorzudringen zu dem Menschen, wie er hätte gewesen sein können.