USA
/ Kanada / Frankreich 2009 - 96 Min.; ab 12;
Regie: Atom Egoyan;
Darsteller: Julianne Moore, Liam Neeson, Amanda Seyfried, Max Thieriot,
R. H. Thompson, Nina Dobrev, Mishu Vellan, Julie Khaner, Laura De Carteretp.
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Es könnte die perfekte Ehe sein. Jedenfalls gibt es wohl nicht wenige,
die Catherine (Julianne Moore) und ihren Mann David (Liam Neeson) um
ihr scheinbares Glück beneiden. In ihrem Beruf sind beide überaus erfolgreich,
er als Musikprofessor, sie als Gynäkologin mit eigener Praxis. Das
Paar kann zudem stolz auf sein repräsentatives Zuhause und seinen Sohn
Michael (Max Thieriot) sein, der bereits im Teenager-Alter Klavierkonzerte
gibt. Die Wahrheit – man ahnt es bereits – ist indes eine ganz andere.
Schon länger verdächtigt Catherine ihren Mann der Untreue. Doch der
letzte Beweis hierfür fehlte ihr bislang. Um ganz sicher zu sein, setzt
sie schließlich ein Callgirl auf ihn an. Chloe (Amanda Seyfried) ist
jung, sexy, attraktiv und somit ein echter Prüfstein für Davids Treue
und Loyalität.
Mit der Neuverfilmung der französischen Dreiecksgeschichte „Nathalie“
betritt der kanadische Independent-Regisseur Atom Egoyan nur auf
den ersten Blick für ihn ungewohntes Terrain. Es stimmt, dass „Chloe“
an der Oberfläche wesentlich konventioneller als die meisten seiner
früheren Arbeiten anmutet – der Plot folgt nahezu lehrbuchmäßig dem
Aufbau eines typischen Eifersuchts-Thrillers –, gleichwohl verstecken
sich in der geradlinigen Erzählung viele Gedanken und Ideen, die
Egoyan schon immer beschäftigten. Vor allem spielt das von „Secretary“-Autroin
Erin Cressida Wilson verfasste Drehbuch mit der nicht immer klar
erkennbaren Grenze zwischen dem, was wahr ist und dem, was lediglich
unserer subjektiven Perspektive und Wahrnehmung entspringt. Dahinter
verbirgt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wem nicht. Es
ist eine Frage, die hier auch den Zuschauer umtreibt und die eine
Brücke zu Egoyans Noir-Thriller „Wahre Lügen“ schlägt.
Wir erleben die Dinge aus Catherines Sicht und nicht von einem neutralen
Standpunkt aus – ein kleiner, aber am Ende doch entscheidender Unterschied,
der in diesem Genre zugegeben gerne als recht banaler Plot-Twist
benutzt wird. Nicht so bei Egoyan und Wilson. Die Konstruktion der
narrativen Perspektive verweist auf einen gefährlichen Kontrollverlust,
dessen Brisanz Catherine erst bemerkt, als es fast schon zu spät
ist. Sie ist es, die sich von Chloe und ihren erotischen Beichten
auf eine bestimmte Art angezogen fühlt. Die anfängliche Angst, ihr
diffuses Misstrauen gegenüber dem eigenen Ehemann weicht unmerklich
einer erotischen Faszination.
Egoyan transportiert den Taumel zwischen obsessivem Verlangen, Ekel,
Abscheu und Hingabe vornehmlich über eine kühl-elegante Bildsprache
– Designerchic, wohin das Auge blickt – und eine Betonung der Details.
Die erste Berührung zwischen Catherine und Chloe ist beispielhaft
für diese Inszenierung, bei der jeder Blick, jede Geste wie ein Rad
in das andere greift. Dazu liefert Filmkomponist Mychael Danna die
passende, stimmungsvolle Untermalung. In den feinen Verästelungen
aus (homo-)erotischer Suspense und bewährten Thriller-Elementen bewegen
sich die Schauspieler jederzeit souverän. Vor allem Julianne Moore
und Amanda Seyfried bieten eine couragierte Leistung. Die eine als
verletzte Ehefrau, die andere als verführerische Femme fatale. |