Nachdem vor nicht allzu lange Zeit das Leben Edith Piafs verfilmt wurde, steht nun in „Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“ Frankreichs einflussreichste Modedesignerin des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt einer aufwändigen Kinoproduktion. Regisseurin Anne Fontaine war daran gelegen, kein gewöhnliches „Biopicture“ zu inszenieren. Daher beschränkt sich ihr Film auf die Lehrjahre Coco Chanels und ihre ersten, widersprüchlichen Beziehungen zu reichen Verehrern und Förderern.

Frankreich 2009 - 110 Min.; ab 6;
Regie: Anne Fontaine;
Darsteller: Audrey Tautou, Benoît Poelvoorde, Alessandro Nivola, Marie Gillain, Emmanuelle Devos, Cyril Veille.

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1916 erfand sie den wadenlangen Rock mit lockerem Oberteil, vier Jahre später das "Kleine Schwarze", und 1923 brachte sie das Parfum "Chanel Nr. 5" auf den Markt. Sie ist eine von Geheimnissen und Skandalen umwitterte Legende von "tout Paris", Gefährtin von Berühmtheiten, Nazi-Kollaborateurin, emanzipierte Frau: Gabrielle "Coco" Chanel. Eine Ikone, an die sich Regisseurin Anne Fontaine mit Audrey Tautou in der Hauptrolle ohne Scheu und ehrfurchtsvolle Distanz heranwagt.
Szene aus Coco Chanel

Da ist das kleine Mädchen, das mit ihrer Schwester 1893 ins Waisenhaus kommt und sonntags sehnsüchtig auf den nie auftauchenden Papa wartet. Die süße Kaschemmensängerin ohne große Stimmkraft, die kleine Provinz-Näherin, raffinierte Maîtresse des Schlossherrn Etienne Balsan, hingebungsvolle Geliebte des Engländers Boy Chapel, der trotz Leidenschaft eine andere heiratet und dessen Tod sie aus der Bahn wirft. Und Coco Chanel ist auch die Rebellin gegen Konventionen, die ein selbst bestimmtes Leben wählt.

Regisseurin Anne Fontaine erzählt ihr Biopic aus der Perspektive von Coco Chanel selbst. Dabei beschränkt sich der Film auf den Aufstieg der jungen hübschen Frau, die Gardinen ähnliche Kleider ablehnt, Korsett, Federn und albernen Verzierungen den Kampf ansagt, Mode auf das Wesentliche reduziert. In der Welt der Oberflächlichkeiten wirkt Coco Chanel wie ein Fremdkörper, lenkt im schlichten Abendkleid oder im berühmten gestreiften Marinepulli (zeitlich etwas vorgezogen) dennoch die Blicke auf sich. Der Film umfasst die ersten 28 Jahre, die Weichenstellung zur großen Karriere. Das Produktionsdesign ist vom Feinsten, "Amélie" Audrey Tautou personifiziert die Modernität der Figur, zerbrechlich und zäh, berechnend und bestimmend, stolz und stark.

Mit der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg zeichnet Fontaine auch ein Stück Zeit- und Sittengeschichte, eine Gesellschaft von Dandys und Erben, die in den Tag hineinleben und Vermögen verprassen, sich bei Pferderennen und Gartenparties nach strengen Standesnormen langweilen, weit weg von der Wirklichkeit. In diese Gesellschaft taucht Coco Chanel ein, als sie in Paris mit der unvermeidlichen Zigarette im Mundwinkel nicht nur Hüte entwirft, sondern bald eine Kollektion, die durch Einfachheit Furore macht.

Wenn die Models beim Défilé nur als Reflexionen in den Spiegeln zu sehen sind und sich das Bild einer glücklichen Coco nach dem Triumph dreifach im Spiegel bricht, suggeriert das nicht nur ihre persönliche Sicht der Dinge, sondern auch die Gebrochenheit und Komplexität ihres Charakters. Genau an diesem spannenden Punkt endet der Film. Schade, man hätte gerne noch mehr von dieser schillernden Figur erfahren.