Großes Starkino in der Tradition
des klassischen Filmdramas, glücklicherweise frei von Kitsch oder
Pathos. Dabei geht es um ein anspruchsvolles Thema: um die Folgen
der Wirtschaftskrise für erfolgsverwöhnte Manager, die von einem
Tag auf den anderen ihre Jobs verlieren. Eine schöne Gelegenheit,
um tolle Schauspieler zu sehen und wiederzusehen, die den profilierten
TV-Produzenten John Wells („The West Wing – Im Zentrum der Macht“,
„Emergency Room“) bei seinem Kinodebüt unterstützen. |
GB/USA
2010 - 104 Min.; ab 12;
Regie: John Wells;
Darsteller: Ben Affleck, Tommy Lee Jones, Chris Cooper, Kevin Costner,
Rosemarie DeWitt, Maria Bello, Craig T. Nelson, Craig Mathers, Gary
Galone.
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Er ist der amerikanische Held, wie er
im Buche steht: Bobby Walker – Manager bei GTX, einem global tätigen
Multikonzern. Bobby (Ben Affleck) ist der typische Überflieger. Für
sein üppiges Salär schuftet Bobby mindestens 60 Stunden pro Woche.
Immerhin verfügt er über eine nette Sammlung von Statussymbolen.
Er fährt Porsche, spielt Golf und besitzt ein riesiges Haus, in dem
er mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt bzw. übernachtet,
denn viel Zeit für die Familie bleibt ihm nicht. Der Job ist das
Wichtigste in Bobbys Leben. Doch von einem Tag auf den anderen ist
Schluss damit: Bobby wird geschasst. Zu Anfang ist er optimistisch,
schnell wieder Arbeit zu finden. Während Bobby demütigende Erfahrungen
bei Bewerbungsgesprächen sammelt, rollt schon die nächste Entlassungswelle
bei GTX. Diesmal noch eine Etage höher. Phil Woodward (Chris Cooper),
seit Jahrzehnten im Betrieb, und Gene McClary (Tommy Lee Jones),
der ein Verhältnis mit der Personalchefin Sally Wilcox (Maria Bello)
hat. Er ist eng mit Firmenchef Salinger (Craig T. Nelson) verbunden.
Big Boss Salinger will den Börsenkurs des Unternehmens hochtreiben.
Der Stellenabbau ist dafür ein wirksames Mittel.
Die Arbeitslosigkeit
zeigt unterschiedliche Wirkung bei den drei Männern. Phil Woodward
kommt überhaupt nicht klar mit der veränderten Situation. Gene hingegen
legt seinen Zynismus genauso ab wie seine verschwendungssüchtige
Frau. Bobby muss auf seine Statussymbole verzichten, doch parallel
hat er endlich Zeit für die Familie. Schließlich nimmt er bei seinem
Schwager einen Aushilfsjob auf dem Bau an – eine Tätigkeit, für die
er denkbar ungeeignet ist, die ihn aber dennoch mit Zufriedenheit
erfüllt.
Was ist wichtig im Leben? – Mit milder Kapitalismuskritik
entlarvt John Wells den „american way of life“ als unsinnigen Traum.
Wells arbeitet mit zwei Extremen, die jeweils einen Aspekt des amerikanischen
Lifestyle verkörpern. Da ist auf der einen Seite der GTX-Chef Salinger,
ein skrupelloser Machtmensch. Er symbolisiert den Global Player,
das Leben auf der Überholspur, die ständige Herausforderung. Auf
der anderen Seite steht der warmherzige Bauunternehmer Jack Dolan
(Kevin Costner). Er vertritt einen altmodischen und beinahe niedlichen
Kapitalismus, der ebenfalls so etwas wie ein amerikanisches Modell
ist. Dolans Botschaft heißt: Wer fleißig und anständig ist, kann
zu persönlichem Erfolg und bescheidenem Wohlstand gelangen.
Die ehemaligen
Chefmanager müssen sich zwischen diesen beiden Extremen entscheiden
und einen neuen Weg für sich selbst finden. Dazu gehören zahlreiche
schmerzhafte Erfahrungen. Wer die Arbeit für ein Unternehmen höher
bewertet als seine Familie und sein Menschsein, wird zwangsläufig
scheitern, wenn die Arbeit wegfällt. Dies gilt vor allem für Männer
und besonders für diejenigen, die ihren sozialen Status über die
Anzahl ihrer Kreditkarten und die Größe ihres Hauses definieren.
Nimmt man ihnen diese Statussymbole, ist nichts mehr von ihnen übrig.
Aber was sind überhaupt die echten, die wahren Werte?
Auch wenn die
Story für europäische Verhältnisse recht brav daherkommt und letztlich
nur an der Oberfläche sozialen Entwicklungsbedarfs kratzt: Hier geht
es um den Willen zur Veränderung. Waren es vor 60 Jahren die Frauen,
die um das Recht auf Arbeit und Beruf kämpften, so sind es jetzt
die desillusionierten Männer, die den Weg zurück in die Gesellschaft
suchen und finden.
Tommy Lee Jones spielt den innerlich und äußerlich
stark verknautschten Gene McClary als abgeklärten Zyniker, der durch
den Verlust seiner Arbeit erkennt, dass er um sein Leben betrogen
wurde. Ben Affleck überzeugt ebenfalls mit einer reifen Schauspielerleistung:
Sein Bobby zerbricht beinahe an der Entlassung. Wut, Scham und Angst
spiegeln sich in ihm, ebenso bei Chris Cooper, dessen Phil Woodward
an sich selbst und an der Welt zweifelt. Wie ein bunter Schmetterling
wirkt Kevin Costner zwischen den Männern in den dunklen Anzügen:
Er ist der freundliche, rustikale Bauunternehmer, der allen zeigt,
dass auch ohne dicke Gehaltsschecks ein gutes Leben möglich ist.
Rosemarie DeWitt ist Bobbys vernünftige Ehefrau Maggie, die sich
vom Luxusweibchen zur Familienchefin mausert.
Gesellschaftskritik
made in USA – ein toll gespieltes, teilweise bitterböses Drama mit
beeindruckenden Darstellern!
Gaby Sikorski (programmkino.de) |