Der österreichische Vielfilmer
Michael Glawogger ist eher bekannt für globalisierungskritische Dokumentationen
und beißende Satiren. Insofern überrascht sein neuer Film in vielerlei
Hinsicht. Denn „Contact High“ ist eine gradlinige Komödie, um nicht
zu sagen eine Klamotte, voller flacher Witze, absurd-überdrehter
Situationen und viel Drogenkonsum. Ein Film für Freunde des rustikaleren
Humors. |
Original
österreichische Version;
Österreich
/ Deutschland / Polen / Luxemburg 2008 - 95 Min.; ab 16;
Regie: Michael Glawogger;
Darsteller: Michael Ostrowski, Raimund Wallisch, Detlev Buck, Georg
Friedrich,
Hilde Dalik, Pia Hierzegger.
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In John Bassett McClearys 700-Seiten-
Grundlagenwerk »The Hippie Dictionary« wird das Phänomen erklärt:
Das »High« des einen infiziert den anderen. Ein »Contact High«, entnimmt
man dem Presseheft zu Glawoggers Contact High, sei vor allem beim
Konsum psychedelischer Substanzen sowie »empathogener Stoffe« zu
beobachten. Bei Kokain, Speed und Heroin funktioniere es nicht. Erst
recht nicht beim Alkohol. Michael Glawogger und Michael Ostrowski
haben ein Drehbuch geschrieben, das man als schamlos, drogenvernarrt
und jugendgefährdend anprangern kann. Andererseits muss man lange
suchen, bis man einen Film findet, der sich so konsequent in einen
Spielrausch steigert und einem Weg folgt, der vorgegeben ist von
magischen Pilzen und der Musik von, unter anderem, Calexico, Roxy
Music und Sven Regener.
Im Zentrum steht eine Tasche. Die will der
in Mexiko lebende Carlos (Jeremy Strong) von seinen Wiener Leuten
in Lodz abholen lassen. Der Auftrag liegt bald in den Händen einer
skurrilen Truppe. Harry (Detlev Buck) ist ein blondierter, auf ganze
Kerle stehender Autohändler. Max (Michael Ostrowski) und Johann (Raimund
Wallisch) arbeiten in der Imbissbude »Wurst & Durst«. Im Organismus
von Schorsch (Georg Friedrich) kann man einen Drogenmix nachweisen,
wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat. Blondschopf Schorsch fährt
einen 67er Ford Mustang.Die Figuren eint ihre Erfolgs- und Intelligenzlosigkeit
ebenso wie ihr pathologischer Starrsinn. Das, verbunden mit dem ansteckenden
Konsum psychedelischer Substanzen, ist Garant für einen Trip der
besonderen Art von Österreich nach Polen. Endstation übrigens: Drogomysl.
Schon
früh im Film steigen kleine, surreal animierte Blasen auf. Wolfgang
Thalers und Attila Boas Kameras verabschieden sich schnell aus der
Wirklichkeit. Realitätsfern, wie ausgebleicht wirkt die Farbpalette
von Contact High. Doch es wird auch kunterbunt. »Mir brezelt’s ein«,
sagt Max, und die Kamera leidet unter Halluzinationen. In der Disco
tragen die Menschen Hundegesichter, in Polen treten Polizisten mit
Schweinsnasen und -ohren auf. Am Ende regnet’s Farben, Elfen und
Erdbeerküsse. Glawogger bemüht die verrätselte Filmpoesie von David
Lynch, den Aktionismus von Quentin Tarantino und die Animationskunst
von Monty Python. Er lässt einen geheimnisvollen blinden Mann (Victor
Varnado) plötzlich »Bitter Sweet« von Roxy Music singen. Der in Graz
geborene Filmemacher, der 2005 in Slumming schon einmal eine polnische
Geschichte erzählt hat, kennt als Komödienregisseur keine Verwandten.
Selbst vor Kärtnerinnen- und Polen-Witzen schreckt er nicht zurück.
In dieser Disziplin ist er ganz er selbst.
Einen Spaß will Glawogger sich machen,
der keine Grenzen kennt. Die Schauspieler lassen sich die Chance
nicht entgehen, den künstlich gesteigerten Wahnsinn ihrer Figuren
auszuleben. Die Spielfreude wird für den Zuschauer körperlich erfahrbar.
Und siehe da, man ist infiziert. »Contact High« durch Kino.
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