USA
2009 - 110 Min.; ab 12
Musik: T-Bone Burnett, Stephen Bruton;
Regie: Scott Cooper;
Darsteller: Jeff Bridges, Maggie Gyllenhaal, Robert
Duvall, Ryan Bingham, Beth Grant, David Manzanares, Colin Farrell,
William Sterchi, Tom Bower, Ryil Adamson.
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Zu Beginn stiftet „Crazy Heart“ einiges an Verwirrung.
Wenn Jeff Bridges mit bärtiger Miene und in Schlabber-Klamotten eine
Bowling-Halle betritt, meint man kurzzeitig, dem „Dude“ zuzusehen.
Doch das hier ist nicht „The Big Lebowski“, das hier ist der wenig
glamouröse Alltag von Bad Blake. Der inzwischen 57-jährige hat schon
bessere Zeiten erlebt. Einst spielte er als gefeierter Star der Country-Szene
in ausverkauften Häusern. Heute tourt er mit seinen alten Nummer-Eins-Hits
im Gepäck durch stickige Kneipen und triste Bowling-Schuppen. Versiffte
Absteigen und White-Trash-TV sind seinen einzigen Begleiter. Mehr
noch als die Vergangenheit hat jedoch der Alkohol Bad im Griff und
so kann es schon einmal passieren, dass er mitten im Auftritt volltrunken
die Bühne verlässt.
Hinter der kaputten, gebrochenen Fassade schlägt aber noch immer
das Herz eines Verrückten. Das zeigt sich, als Bad der Journalistin
Jean Craddock (stark: Maggie Gyllenhaal) zum ersten Mal begegnet.
Plötzlich ist alles anders. Aus einem Interview für eine Tageszeitung
wird schnell mehr. Jean, die vom Alter her eigentlich Bads Tochter
sein könnte, trifft das vom Leben zuletzt mehr und mehr enttäuschte
Raubein an dessen empfindlichste Stelle. Sein Herz ist entflammt
und er gewillt, diese vielleicht letzte Chance aufs Glück zu nutzen.
„Crazy Heart“ ist ein Film, der sich immer wieder selbst zurücknimmt
und darüber bis zu seiner wunderbaren, hoffnungsvollen Schlusseinstellung
ungemein berührt. Scott Cooper wandelt darin auf dem schmalen Grat
zwischen Zuversicht und Resignation, zwischen Mut und Bitterkeit,
den Blick dabei immer fest auf Bad Blake gerichtet, diesem Ritter
von der traurigen Gestalt. Bad ähnelt in gewisser Weise Mickey Rourkes
„Wrestler“, der während der letztjährigen Oscar-Saison für Furore
sorgte. Auch Coopers Protagonist lebt schon länger ausschließlich
in der eigenen, glorreichen Vergangenheit, weil das Hier und Jetzt
für ihn nur allzu oft als Abfolge deprimierender Tiefschläge daherkommt.
Früher war er ein Star, heute ist er nur mehr dessen Schatten.
Obwohl die Geschichte von „Crazy Heart“ fiktiv ist und eine direkte
biographische Vorlage nicht existiert, erscheint uns Bads Schicksal
äußerst vertraut. Coopers Film greift den American Dream an, wobei
er allen Bads dieser Welt ein eindringliches Denkmal setzt. An die
Stelle eines inszenierten Scheiterns in Zeitlupe und einer Hollywood-genormten
Loser-Ballade treten Momente, deren emotionale Kraft aus einer schnörkellosen,
grundehrlichen Erzählhaltung resultieren. Wenn es Bad wieder einmal
beschissen geht, dann zeigt uns Cooper das ohne einen Anflug von
Dramatik und ohne gleichsam etwas beschönigen zu wollen. Dass sich
„Crazy Heart“ bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit bewahrt,
ist ein weiteres Indiz dafür, dass Cooper melodramatische Schnellschüsse
zu umgehen weiß.
So wie „The Wrestler“ Mickey Rourkes Film war, so erscheint dieser
hier ohne Jeff Bridges undenkbar. Der demnächst höchstwahrscheinlich
fünffach Oscar-nominierte Bridges erschuf eine Figur, für die man
ihn noch lange in Erinnerung halten wird. Seine vollkommen uneitle,
punktgenaue Darstellung geht weit über das hinaus, was gemeinhin
unter dem Schauspielbegriff subsumiert wird. Hier lebt jemand ein
anderes Leben, an dem wir als Zuschauer zumindest in Ausschnitten
teilhaben dürfen. Bad, so wie Bridges ihn portraitiert, wird schon
bald zu einem guten Freund, den zu verabschieden sichtlich schwer
fällt. |