Gesprächsprotokolle sind naturgemäß
ein bildarmer, also höchst unfilmischer Stoff. Spannendes Kino kann
auf dieser Grundlage trotzdem entstehen, wie Romuald Karmarkar 1995
mit „Der Totmacher“, dem Porträt eines Massenmörders, zeigte. Jo
Baier versucht sich nun in „Das Ende ist mein Anfang“ auf ähnlicher
Grundlage an einem Porträt des Journalisten Tiziano Terzani. Das
gerät ihm allzu brav, doch es gibt auch Versöhnliches. Wer die buddhistische
Haltung Terzanis auch gegenüber dem eigenen Tod als anregend empfindet,
wird das Kino sanft getröstet verlassen. |
Originaltitel:
La fine è il mio inizio;
Deutschland / Italien 2009 -
98 Min.; ab 0;
Regie: Jo Baier;
Darsteller: Bruno Ganz, Elio Germano, Erika Pluhar, Andrea Osvárt,
Nicoló Fitz-William Lay, Gianni Gavina..
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Tiziano Terzani war 30 Jahre lang Spiegel-Korrespondent
vorzugsweise in Asien. Als er erfuhr, dass er einen bösartigen Tumor
hat, zog er sich drei Jahre in den Himalaya zurück. Vor dem Ende
seines Lebens rief er seinen Sohn Folco aus New York zu sich, erzählte
ihm drei Monate lang über sein Leben, seine Reisen, seine Reportagen,
seine Philosophie, seine Erkenntnisse über den Zustand der Welt,
seine als Eremit im Himalaya gewonnenen Erfahrungen, seine positive
Auseinandersetzung mit dem Tod. Terzani war in China jahrelang davon
begeistert gewesen, wie Mao die Welt verändern wollte, wie mehr materielle
Gerechtigkeit geschaffen werden sollte, wie alle Menschen auf eine
gleiche gesellschaftliche Stufe gehoben werden sollten. Aber er musste
erkennen, dass Mao scheiterte, dass es weiterhin Kriege gab, dass
in Pol Pots Kambodscha Schreckliches passierte. Einzig und allein
die Befreiung Vietnams verursachte in ihm Hochgefühle. Alles wurde
anders nach der Beschäftigung mit dem Buddhismus im Himalaya. Eine
Fülle von Lebensweisheiten verbreitete Terzani. Unter anderem werden
sie in einem Buch seines Sohnes Folco wiedergegeben. Und dieses Buch
ist die Grundlage des Films. Eigentlich ist es ein von ruhigen, angemessenen,
schönen Toscana-Bildern begleitetes Gespräch. Terzani (Bruno Ganz)
und Folco (Elio Germano) lassen „Gott und die Welt“ Revue passieren.
Hört man richtig zu, kann das Gesagte bereichern. Immer liebe- und
sorgenvoll in der Nähe Terzanis Frau Angela (Erika Pluhar), selbst
bekannte Autorin und Übersetzerin, aber in erster Linie Gattin. Später
kommt auch die Tochter Saskia (Andrea Oswart) mit dem Jungen Novi
und dem neugeborenen Nicolo hinzu. Die Familie will beisammen sein,
wenn Terzani gehen muss. Dann ist es so weit. Folco Terzani und Ulrich
Limmer schrieben das Drehbuch, Joe Baier inszenierte. Sie leisteten
glänzende Arbeit, denn man kann sich vorstellen, wie schwierig es
ist, aus einem bloßen Gespräch keinen langweiligen Kinofilm zu machen.
Und langweilig ist es keine Sekunde, sondern packend. Natürlich auch,
weil Judith Kaufmann, die Preisgekrönte, angemessene Bilder lieferte,
und Erika Pluhar sowie Andrea Oswart diskret mitagieren. Den künstlerischen
Höhepunkt des Films aber bildet zweifellos die Darstellung des Tiziano
Terzani durch Bruno Ganz. Was er hier bringt, wie er dieses ganze
Leben durchzieht, wie er die Erkenntnisse begreiflich macht, ist
ganz einfach großartig. |