Nach der Polit-Posse „Mein Führer“
präsentiert Dani Levy in seinem elften Kinostreich eine eben so mutige
wie witzige Kreuzung aus Komödie und Politik. Genauer gesagt: Eine
Paarung aus Woody Allen und islamischem Karikaturenstreit – ein bisschen:
„Was Sie schon immer über Fundamentalismus und Humor wissen wollten,
aber nicht zu fragen wagten“ gewissermaßen. Im Zentrum steht Ex-Erfolgsregisseur
Alfi Seliger, der nach jahrelanger Durststrecke endlich wieder ein
Drehbuch parat hat. Seine „Komödie über das Ende des Humors“ am Beispiel
des Karikaturenstreits findet leider keine Resonanz. Neben Karrierekrise
zwacken den armen Tropf allerlei andere Zipperlein: Pampige Kinder,
rebellierender Magen, fremdgehende Gattin, heimtückischer Psychiater.
Das Stehaufmännchen kämpft trotzig gegen alle Widrigkeiten, Selbstmordversuch
inklusive. Allein sein Comedy-Projekt gerät ständig ins Stottern
– und am schrägen Ende auf surreale Weise völlig aus den Fugen. Das
heikle Verhältnis von Humor und Islam ist zwar lediglich Nebenschauplatz
dieser charmant verspielten Versager-Saga - aber immerhin, auch das
wagen nur wenige Künstler. Unterstützt wird er durch Gastauftritte
von Bully Herbig über Udo Kier bis Heino Ferch und Elke Sommer. Mehr
Woody war in Levy noch nie. |
D
2010 -
90 Min.; ab 12;
Regie: Dani Levy;
Darsteller: Markus Hering, Meret Becker, Veronica Ferres, Yvonne Catterfeld,
Gottfried John, Hans Hollmann, Justus von Dohnányi, Heino Ferch, Elke
Sommer, Udo Kier, Hannah Levy.
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Das muss sich erst einmal einer trauen: Einen Film
zu wagen, Komödie obendrein, über den dänisch-islamischen Karikaturenskandal.
Dani Levy lässt wagen: Er schickt als Alter Ego einen gewissen jüdischen
Regisseur namens Alfi Seliger an die brenzlige Polit-Pointen-Front.
Kaum Zufall, dass der Name ähnlich klingt wie Alvy Singer, jener
„Stadtneurotiker“ von Woody Allen. Wie Alvy plagen auch Alfi allerlei
Krisen und Zipperlein, sei es mit der krebsbedrohten Gesundheit,
seiner insolventen Bank, der notorisch geknickten Karriere und natürlich
der neurotischen Familie. Ach ja, und da wäre noch sein Drehbuch
über diese Islam-Karikaturen.
Fünf lange Jahre hat Seliger sich mit seinem neuen Werk abgequält,
doch nun mag es keiner haben. Auf der wichtigen Branchenparty gerät
Alfis emsiges Networking zur peinlichen Anbiederungstour. Bully winkt
mit freundlichem Lächeln ab und plaudert lieber weiter mit Sepp Vilsmaier.
Der gastgebende Produzentenmogul gibt ihm gleichfalls einen Korb
- allein dessen russische Gattin Natasha (köstlich radebrechend Veronica
Ferres), findet den Stoff fast so verführerisch wie seinen strubbelhaarigen
Autor. Dank der Lady gibt es tatsächlich grünes Licht, nur der Hauptdarsteller
fehlt noch: „Bully oder Jürgen Vogel, Til Schweiger lieber nicht!“
empfiehlt der Produzent treuherzig. In Wirklichkeit hegt er längst
ganz andere, nämlich Serien-Pläne - doch bis Seliger die fiese Finte
entdeckt, muss er sich mit seinen pubertären Kindern plagen, den
Darmkrebs besiegen, die fremdgehende Gattin zurückerobern oder seinen
theatralischen Selbstmordversuch überleben. Damit nicht genug, gerät
der arme Tropf zum tragischen Schluss in eine arge Identitätskrise:
Er ist immer mehr überzeugt, lediglich die kreative Spinnerei eines
Autoren zu sein. Fortan rebelliert der Regisseur im Film gegen den
realen Regisseur Dani Levy.
Ein bisschen zu viel des Guten? Am Ende vielleicht schon, aber das
gehört zu solch einer prallen Wundertüte der burlesken Art genauso
dazu wie der Mut zum verspielten Klischee. Neben der gelungen charmanten
Versager-Saga („Im Dunkeln siehst du aus wie früher“ flirtet da der
Gatte hilflos mit der frustrierten Ehefrau) sowie einer formidablen
Abrechnung mit der Filmbranche (unterstützt durch etliche Gastauftritte
von Heino Ferch bis Elke Sommer) verblüfft Levy durch seinen Mut,
das Thema Islam komisch anzuspielen – das wagen wahrlich wenige Comedians.
„Wollen Sie sehen, ob der Koran brennt?“ sorgt sich Gottfried John
einmal. Auch Alfis Gattin fürchtet eine Fatwa – durchaus berechtigt,
wie sich zeigen wird. Levy plagen hat solche Sorgen derweil nicht,
er glaubt nicht, dass sein Film als antimuslimisch missverstanden
werden könne, dafür sei sein Film „viel zu liebevoll“. Nach alles
auf Zucker, nun alles auf Alfie - mehr Woody war in Levy nie. |