"Tolle Schauspieler, tolldreiste Transaktionen: Der Film zur Finanzkrise."
Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

"Ein Lehrstück über die Gier: spannend und großartig besetzt."
Hamburger Abendblatt

"Die Finanzkrise, ein Katastrophenfilm. Es gehört zu den Vorzügen von J.C. Chandors hochintelligentem Film, dass er solche Referenzen nur anspielt, mit leichtem, bösen Grinsen."
Kölner Stadtanzeiger

"Debütregisseur J.C. Chandor inszeniert »Der große Crash - Margin Call« als Börsencrash-Katastrophenfilm und situiert sein brillant besetztes und messerscharfes Büro-Kammerspiel kurz vor der Lehman-Brothers-Pleite."
Abendzeitung München

" Was »Der große Crash - Margin Call« zu einer solch packenden und überzeugenden filmischen Umsetzung bekannter Ereignisse macht, die man bereits aus unzähligen Büchern und Artikeln kennt, ist das subtile Drehbuch von J.C. Chandor, seine kühle, akurate Zeichnung der Schnittpunkte zwischen banaler Arbeitsplatzpolitik und den Bewegungsmechanismen internationalen Kapitals."
New York Times



Das Gespenst des Kapitals hat das Kino erreicht: "Margin Call" (Regie und Buch: JC Chandor) blickt kühl ins Innere eines vor dem Ruin stehenden Investmentunternehmens, lotet die 2008 jäh um sich greifende Panik, die Machtspiele und Schadensbegrenzungstaktiken aus – in einer Erzählung von Hochrisiko-Management, Massenkündigungen und Millionen-Bonuszahlungen. Chandors extratrockene Inszenierung mag nicht viel Neues über Wesen und Wirkung des Geldmarktkollaps zu sagen haben, aber sie kommt der Sprachgewalt früher David-Mamet-Arbeiten zumindest nahe. Das Darsteller-Ensemble um Kevin Spacey, Paul Bettany und Demi Moore agiert kühn gedrosselt – und damit umso schlagkräftiger. Nur Jeremy Irons schmeckt die Worte ab, als wäre er das Zentrum eines Shakespeare-Königsdramas. Die theatralische Form fügt sich Chandors minimalistischer Erzählung indes passgenau: "Margin Call" ist ein Lehrstück zum globalen Finanz-Albtraum, ein abstrakter Thriller, jenseits von Gut und Böse.


Originaltitel: Margin Call;
USA 2011 - 110 Min.; ab 12;
Regie: J.C. Chandor;
Darsteller: Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Zachary Quinto, Demi Moore, Penn Badgley, Simon Baker, Mary McDonnell, Stanley Tucci, Aasif Mandvi
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Es beginnt recht harmlos, erst Recht im Vergleich zu dem, was in den folgenden Stunden passieren wird: Banker werden entlassen, darunter Eric Dale (Stanley Tucci), Leiter der Abteilung für Risikomanagement bei einer fiktiven Investment Bank. Bevor er seinen Arbeitsplatz verlassen muss, steckt Dale dem jungen Analysten Peter Sullivan (Zachary Quinto) einen USB-Stick zu. Die Daten, die Sullivan erhält, machen ihn sprachlos und bringen das Rad der Geschichte ins Rollen. Stufe um Stufe wird Sullivan in der Hierarchie der Bank hochgereicht, spricht erst mit seinem Abteilungsleiter Sam Rogers (Kevin Spacey), dann dessen Vorgesetzten und schließlich gar dem Aufsichtsratvorsitzenden der Bank selbst. Was Sullivan entdeckt hat, ist ein unvorhergesehenes Risiko in spekulativen Papieren, die die Bank binnen Tagen ruinieren kann. Was nun passiert, ist kein Versuch das Risiko zu minimieren oder gar vom Wirtschaftssystem als Ganzem abzulenken, sondern purer, eiskalter, aber auch konsequenter Kapitalismus: Die schlechten Papiere werden ganz banal verkauft. Mit einigem Verlust zwar, aber die Bank als Ganzes wird weiter bestehen, sie hat ihr Versagen einfach weiter geschoben, an andere Banken, vor allem aber an den ebenso leichtgläubigen wie geldgierigen Privatier, der sich mit dem Versprechen auf gigantische Gewinne riskante Papiere aufschwatzen lässt.
Es muss der Riege an exzellenten Schauspielern ein persönliches Anliegen gewesen sein, diesen Film zu drehen. Oft nur zwei Tage waren Jeremy Irons oder Stanley Tucci am Drehort des in nur 17 Tagen entstandenen Films, der für viel weniger Geld gedreht wurde, als selbst durchschnittliche Finanzmarktjongleure trotz Börsenkrise jährlich als Bonus einstreichen. Vielleicht liegt es an dieser kurzen Drehzeit, vielleicht auch an der Unerfahrenheit des Debütregisseurs J.C. Chandor, dass „Der große Crash“ immer wieder auf Klischees zurückgreift. Da wird gebannt auf Monitore gestarrt, Krawatten zurechtgerückt, wenn der Chef eintritt, versinnbildlicht das Nebeneinander von Putzfrau und Börsenmakler das ökonomische Ungleichgewicht, brauen sich Wolken in Zeitrafferaufnahmen zu dem Sturm zusammen, der kommen wird.
Andererseits sind diese Klischees des Lebens an der Wall Street auch ein Teil der Realität, und während etwa Oliver Stone in seinen „Wall Street“-Filmen immer Figuren von Außen in den Mittelpunkt stellt, die nach Innen blicken, bleibt J.C. Chandor komplett im Inneren der Finanzwelt. Er zeigt die hier Angestellten als fehlerhafte Menschen, die oft eher getrieben von den Zwängen des Kapitalismus sind, als selbst bewusst fragwürdig zu agieren. Das Chandors Vater selbst jahrzehntelang bei einer Investment Bank arbeitete ist so gleichermaßen für die präzise, authentische Sprache der Banker verantwortlich, wie auch für den verständnisvollen Ton. Nur manchen Figuren ist die Problematik ihres Tuns bewusst, doch die Möglichkeit, etwas Grundsätzliches an dem System zu ändern, dass der Welt zu nie gekanntem Wohlstand, aber auch zu einer Fragilität von enormem Ausmaß geführt hat, gesteht der Film ihnen nicht zu. Dieser konsequente Realismus ist fraglos eine Stärke von „Der große Crash“, macht den Film gleichzeitig aber auch kalt und ausweglos. Michael Meyns (programmkino.de)