In der Herstellung verführerischer
Schokoladenkreationen ist Angélique sehr erfinderisch, doch wenn
es darum geht, jemanden anzusprechen, fällt sie auch schon mal in
Ohnmacht. Während sie in einer Selbsthilfegruppe Trost sucht, versucht
ihr neuer Chef seine Hemmungen in therapeutischen Einzelsitzungen
zu überwinden. Das Zusammentreffen der beiden und die unerwartete
Zuneigung ist für die liebenswerten Neurotiker eine große Herausforderung,
der sie sich mit unkonventionellen Mitteln annehmen und dabei ein
ganz persönliches Rezept für die Liebe entwickeln. Mit gedämpfter
Komik und altmodischem Charme inszeniert, gibt es kleine Parallelen
zu "Chocolat" mit Johnny Depp und Juliette Binoche. Schokolade
ist auch hier Seelennahrung, lässt die Herzen schmelzen, beruhigt
und beeinflusst die Psyche. Benoît Poelvoorde und Isabelle Carré
überzeugen als schüchterne Neurotiker, die wenigstens einen Teil
ihre Ängste überwinden. Visuell setzt Jean-Pierre Améris mit einer
in warmes Licht getauchten Außenwelt, Ziegelhäuschen und kleinen
Fenstern, Kleidung der Fünfzigerjahre und dominierenden Rot- und
Grüntönen auf Retro-Look.
Originaltitel:
Les Émotifs Anonymes;
Frankreich / Belgien 2010 - 78 Min.; ab 12;
Regie: Jean-Pierre Améris; Darsteller:
Isabelle Carré, Benoît Poelvoorde, Lorella Cravotta, Lise
Lametrie, Swann Arlaud, Pierre Niney.
Ein kontaktscheues Paar findet in dieser
liebevoll-verrückten Komödie ein ganz persönliches Rezept für das
Glück zu zweit.
Zwar fehlt es an einer festen medizinischen Diagnose,
aber es gibt sie, die "hochsensiblen Persönlichkeiten",
Menschen, denen Lärm und Gesellschaft ein Gräuel ist, die am liebsten
für sich allein sind und unter der Umwelt leiden. Zu dieser Spezies,
die 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen sollen, gehört auch
die Chocolatière Angélique, die jahrelang für einen Verkäufer im
Geheimen die tollsten Kreationen schuf und sich nun nach dessen Tod
Arbeit suchen muss. Bei einer kleinen Schokoladenmanufaktur findet
sie einen neuen Job als Vertriebskraft, deren Chef ebenfalls Schwierigkeiten
im Umgang mit anderen hat. Während sie in der Selbsthilfegruppe der
anonymen Romantiker Trost sucht, liegt er beim Therapeuten auf der
Couch, der ihm die Aufgabe stellt, jemanden zu berühren. Eine Riesenherausforderung.
Er schafft es, nach einigen Anläufen der jungen Frau die Hand zu
geben und schließt sogleich noch einen Kuss an, der erwidert wird.
Aber beim ersten Rendez-vous im Restaurant wird's brenzlig. Angélique
liest Konversationsfragen von Kärtchen ab, er wechselt nervös alle
fünf Minuten die klitschnassen Hemden.
Wie die verwirrten Gefühls-Aliens,
überzeugend dargestellt von Benoît Poelvoorde und Isabelle Carré,
dann doch nach einigen Holpersteinen in die Kurve zum Liebesglück
biegen, das inszeniert Jean-Pierre Améris mit altmodischem Charme,
gedämpfter Komik und emotionalem Chaos, lässt Autobiografisches einfließen.
Die schüchternen Neurotiker sind in ihrer Unbeholfenheit liebenswert,
wenn auch auf den ersten Blick nicht so verführerisch wie Juliette
Binoche und Johnny Depp in "Chocolat". Das Rezept ist ähnlich,
Schokolade lässt auch die Herzen schmelzen, beeinflusst und beruhigt
die Psyche. Visuell dominieren Rot- und Grüntöne, ein an die 1950er
Jahre erinnernder Kleidungsstil und eine in warmes Licht getauchte
Außenwelt aus Ziegeln, kleinen Fenstern im Retro-Look. Wenn am Ende
die beiden einen Teil ihrer Ängste überwinden, mutiert der Film zum
kleinen Glücksbringer.