Die Story von The Doors, ihres
Aufstiegs und Falls. Die Dokumentation folgt chronologisch der Bandgeschichte,
von deren Gründung 1965 durch Jim Morrison und Ray Manzarek bis zum
tragischen Tod Morrisons 1971 in Paris. Dabei werden Stationen, wie
die frühen Konzerte im Whisky a Go-Go, über den ersten Nummer-eins-Hit "Light
my Fire" und Morrisons Drogen- und Alkoholexzesse beleuchtet,
ebenso wie Aufnahmen aus Morrisons 1969 entstandenem Experimentalfilm "HWY:
An American Pastoral" verwendet.
Independent-Filmer Tom DiCillo ("Living in Oblivion")
macht dem Zuschauer in seinem überragend montierten Musik- und Bandporträt
das Phänomen The Doors sowie das Genie Jim Morrisons begreifbar und
liefert nebenbei jede Menge Fakten. Der Zuschauer reist nochmals
zurück in die Zeiten von Sex, Drugs & Rock'n'Roll, derweil der
Regisseur die Geschichte des Quartetts mit historischen Ereignissen
in Kontext setzt, auf Interviews sowie nachgestellte Szenen verzichtet
und bewusst nur Archivaufnahmen verwendet. |
Tom DiCillo rockt mit einer mustergültigen Musikdokumentation, einer
Zeitreise in die Hippie-Ära, die für Fans wie Laien gleichermaßen erhellend
und unterhaltsam ist.
Groß war die Empörung (nicht nur) der glühenden Doors-Fans als Oliver
Stone sich 1991 mit seinem Biopic "The Doors" an Rock-Ikone
Jim Morrison "vergriff" - wobei man ihm zumindest zu Gute
halten muss, dass er mit Meg Ryan das perfekte Double für Morrison-Freundin
Pamela Courson fand. Wie dem auch sei, nun liegt mit "The Doors
- When Your Strange" die erste Kino-Dokumentation über die Kult-Band
vor, verantwortet von Tom DiCillo, der als Regisseur ("Living
in Oblivion") und Kameramann ("Stranger Than Paradise")
gerne jenseits des Mainstreams arbeitet und einen eigenen Kinoblick
besitzt.
Er erzählt die Geschichte der Kult-Band von ihren Anfängen am Strand
von Venice Beach, von den Einflüssen von Aldous Huxleys "Die
Pforten der Wahrnehmung", in dem der Autor von seinen Erfahrungen
mit Meskalin und anderen Halluzinogenen berichtet. Dem William-Blake-Zitat "If
the doors of perception were cleansed every thing would appear to
man as it is, infinite", das dem britischen Kollegen Titel und
Motto geliefert hatte, entnahmen Sänger Morrison und Keyboarder Ray
Manzarek, auch die Anregung für ihren Bandnamen. Chronologisch geht
der Filmemacher vor, beginnt mit der Bandgründung 1965 und endet
mit Morrisons tragischem Tod 1971. Dazwischen liegen sechs Studioalben,
allesamt Meilensteine der Rock-Geschichte, Drogen- und Alkoholexzesse,
turbulente Konzerte und natürlich Morrisons Verhaftung wegen angeblicher
Entblößung und Oralverkehrs auf der Bühne.
Wie Huxleys Gebrauch der Droge sollte auch die Musik der Doors bewusstseinserweiternd
sein, Melodie und Mystik verbinden. Da verwundert es nicht, dass
das Gründungsduo seine beiden anderen Bandmitglieder John Densmore
(Schlagzeug) und Robby Krieger (Gitarre) bei einem Esoterikkurs kennen
lernte. Um die Wahrheit vom Mythos zu unterscheiden, verzichtet DiCillo
auf nachgestellte Szenen, Schauspieler und Interviews, verlässt sich
allein auf (großteils bekanntes) Archivmaterial und montiert immer
wieder Aufnahmen von Morrisons Filmhochschularbeit "HWY: An
American Pastoral" mit ein. Allein die Bilder und Texte dieses
Experimentalfilms mit Morrison als Autostopper/Autofahrer im Joshua-Tree-Nationalpark
lohnen den Eintritt - und die erteilte Note D lässt Deutungsspielraum
offen.
Der Mythos The Doors wird hier ebenso begreifbar wie das zerrissene
Genie Morrison, es geht um Sex, Drugs und Rock'n'Roll, um die Jugendrevolte
zum Ende der Sechzigerjahre, um den Aufbruch in eine neue Zeit. Der
Song "The End", berühmt geworden auch durch Coppolas Verwendung
in "Apocalypse Now", hier vorgetragen im legendären Nachtclub
Whisky a Go-Go, mit seiner ödipalen Zeile "Father, I want to
kill you, Mother I want to fuck you", verrät viel von Jims Verhältnis
zu seiner Familie, zu seinem Vater, der damals während des Vietnam-Kriegs
einen Flugzeugträger kommandierte. So kommen Doors-Insider und -Outsider
- wussten Sie, dass "Light my Fire" von Robby Krieger stammt?
- voll auf ihre Kosten. Nicht zuletzt durch den Schauspieler und
Doors-Adepten Johnny Depp, der DiCillo nach den Aufführungen in Sundance
und auf der Berlinale als Erzähler "abgelöst" hat. |