Staubtrockener Schwarzhumor aus Skandinavien! Menschen ändern sich nicht – und die Verhältnisse auch nicht. Das spielt Hans Petter Moland in seinem neuen Film immer wieder durch. Zum „Mann von Welt“ wird aber nur, wer sich gegen dieses eherne Gesetz auflehnt. So macht sich ein gut aufgelegter Stellan Skarsgård, der als Ex-Gangster ebenso wortkarg wie stoisch durch sein tristes Dasein trabt, auf den Weg, und das Gute fährt einen kleinen Sieg ein in dieser Tragikomödie.
Ausgezeichnet mit dem Leserpreis der Berliner Morgenpost und mit dem Publikumspreis der Filmkunstmesse Leipzig 2010

Originaltitel: En ganske snill mann;
Norwegen 2010 - 107 Min.; ab 12;
Regie: Hans Petter Moland;
Darsteller: Stellan Skarsgård, Bjørn Floberg, Jorunn Kjellsby, Gard B. Eidsvold, Bjørn Sundquist, Jannike Kruse, Jan Gunnar Røise, Jon Øigarden.

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Der große Zeit-Spezialist Andrej Tarkowski ließ in einem seiner Filme Reiter immer wieder dieselbe Runde drehen, um das Vergehen der Stunden ins Bild zu setzen. Der Mörder Ulrik (Stellan Skarsgård) merkt in Hans Petter Molands Film, dass sich in zwölf Jahren Gefängnis viel verändert daran, dass man in Kneipen nicht mehr rauchen darf. Moland macht immer wieder mit den kleinen Dingen auf das große Ganze aufmerksam. Ulriks erste Unterkunft nach dem Knast unterscheidet sich nicht wesentlich von einer Gefängniszelle. Sein Fernseher empfängt nur polnische Programme ohne Untertitel, die er aber aufmerksam verfolgt. Die Welt ist sowieso unverständlich. Man muss es nehmen, wie es kommt, und wenn es auf Polnisch ist. Das Leben ist ein ständiger Deal, Leistung und Gegenleistung oder Auge um Auge, je nach Situation. Ulriks Vermieterin Karen Margarete (Jorunn Kjellsby ) verlangt Sex für warmes Essen. Kein Problem. Manchmal kaut der unbewegt dreinblickende Mittfünfziger mit dem prolligen Pferdeschwanz dabei noch ein bisschen. Er hat keinen rechten Plan und ist deshalb empfänglich für die Absicht seines Gangsterbosses Jensen (Bjørn Floberg), den Mann aus dem Weg zu räumen, der Ulrik verpfiff. Auge um Auge. Und Respekt muss sein, denn Jensen schlägt sich mehr schlecht als recht mit der Konkurrenz aus der Ukraine herum.
Man fühlt sich bei diesen Gangster-Posen und ernüchternden Zumutungen des Alltags an Aki Kaurismäki erinnert. Moland lässt es erst mal staubtrocken krachen, dann aber seinen Helden, hinter dessen unbewegter Miene man wunderbar lesen kann, nach und nach aufwachen. Es gibt einen Sohn und bald ein Enkelkind, es gibt die interessante Sekretärin Merete (Jannike Kruse) in der Autowerkstatt, in der er arbeitet, es gibt Dinge, die lohnender sind als polnisches Fernsehen. Und auf Rache lässt sich vielleicht verzichten, wenn man dadurch nur mehr als ein Leben zerstört und so die ewige Spirale des Schmerzes in Gang hält. Ulrik macht sich den Weg frei durch eine beiläufige Prügelei, ein paar Andeutungen über sein Gefühlsleben und viel guten Willen. Schön, wenn’s so einfach wäre. Man hat viel zu lachen und ein bisschen zu schlucken in diesem Film. Aber so recht glauben kann man nicht, was man da sieht.