Prädikat:
besonders wertvoll;
Originaltitel: The Last Station; D 2009
- 112 Min.; ab 6;
Regie: Michael Hoffman;
Darsteller: Helen Mirren, Christopher Plummer, James McAvoy, Paul Giamatti,
Anne-Marie Duff.
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Erzählt wird die Geschichte von dem noch sehr jungen
Walentin (James McAvoy), ein glühender Verehrer Tolstois (Christopher
Plummer), der die Stelle als neuer Sekretär seines Idols antreten
soll. Insbesondere dessen Theorie einer bedingungslosen Liebe haben
es dem etwas schüchternen und unerfahrenen Jüngling angetan, der
immer wieder überrascht ist, wie offen der alte, weise Mann mit diesen
Themen umgeht. Dabei ist Tolstoi zurzeit nicht gerade der vorbildhafte
Liebhaber. Zwar ist er schon seit 48 Jahren mit Sofia (Helen Mirren)
glücklich verheiratet, doch derzeit hängt der Haussegen mächtig schief.
Tolstoi will seinen Nachlass regeln und stimmt mit seinem engsten
Vertrauten Tschertkow darin überein, die wertvollen Manuskripte dem
russischen Volk zu vermachen. Das muss mit höchster Geheimhaltung
geschehen, denn seine Frau Sofia darf davon nichts mitbekommen. Als
sie es dann doch erfährt, ist der Ärger umso größer. Sie fühlt sich
hintergangen, stellt 48 Jahre ihres Lebens in Frage, 48 Jahre, in
denen sie sich selbstlos hinter ihren Mann gestellt hat, mit ihm
durch dick und dünn gegangen ist, ihm 13 Kinder gebar, das Manuskript
von ‚Krieg und Frieden‘ sechsmal eigenhändig abgeschrieben hat und
nun sollte ihr Erbe kommunistischen Idealen geopfert werden. Wie
eine Furie rast sie durchs Haus und macht allen Anwesenden und auch
sich selbst das Leben zur Hölle. Doch der altersmilde Tolstoi bleibt
an diesem Punkte hart. Seine Überzeugungen will er nicht seinem weichen
Herzen beugen. So nimmt er Reißaus und geht mit Tschertkow und seiner
jüngsten Tochter auf eine Reise im offenen Zug quer durch den Süden
Russlands. Eine letzte Tour, die ihn mit seinen vielen Verehrern
zusammenbringt, aber auch eine Tour, die er nicht überleben wird.
Am 7. November 1910 stirbt er im Bahnwärterhäuschen von Astapowo
an den Folgen einer Lungenentzündung, umringt von der Weltpresse.
Aber auch Sofia geht am Verlust des gemeinsamen Lebens beinahe zu
Grunde, sie reist ihm nach, wird mehrfach abgewiesen und schafft
es schließlich an sein Todesbett.
Basierend auf Jay Parinis Roman „Tolstojs letztes Jahr“, der sich
auf Tagebuchaufzeichnungen der nächsten Verwandten und Vertrauten
Tolstois stützt, und mit Hilfe seines russischen Kollegen Andrei
Konchalovsky hat der amerikanische Regisseur Michael Hoffmann hier
nicht nur ein Biopic, sondern auch eine tragische Liebesgeschichte
inszeniert, die auf ein langes erfülltes Leben zurückblickt und doch
so tragisch endet. Insbesondere das Schicksal von Sofia wird von
Helen Mirren dermaßen exzessiv und überzeugend in Szene gesetzt,
dass man sich an ihre Oscar gekrönte Leistung in Stephen Frears „The
Queen“ erinnert fühlt. Auf dem Filmfest in Rom konnte sie jedenfalls
auf Anhieb die Herzen des Publikums und auch der Jury erobern und
wurde als ‚Beste Schauspielerin‘ ausgezeichnet. Bereits zwei Tage
vorher konnte Michael Hoffmann auf der Frankfurter Buchmesse den
Preis für die Beste Literaturverfilmung des Jahres 2009 aus den Händen
der Enkel Vladimir und Leo Tolstoi entgegennehmen. |