Exquisite Bestsellerverfilmung nach Philip Roth über eine amour fou zwischen Ben Kingsley als alterndem Professor und seiner Studentin Penelope Cruz.
USA 2008 - 108 Min.; ab 12;
Regie: Isabel Coixet;
Darsteller:
Penélope Cruz, Ben Kingsley, Patricia Clarkson, Peter Sarsgaard, Dennis Hopper, Deborah Harry, Charlie Rose, Sonja Bennett, Chelah Horsdal, Kris Pope.

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Literaturverfilmungen haben es in sich. Und wenn ausgerechnet eine Regisseurin wie Isabel Coixet sich an Philip Roths Roman "Das sterbende Tier" traut, darf man gespannt sein, wie die Regisseurin von wenig sinnesfreudigen Dramen wie "Mein Leben ohne mich" oder "Das geheime Leben der Worte" die Rothschen Machofantasien und Monologe in den Griff kriegt. Um es vorweg zu sagen: Sie schafft es in einer Kombination von Texttreue, Intuition und Innovation, dass Roth-Leser sich vielleicht im falschen Film wähnen, aber immerhin in einem sehr guten. Der klugen Spanierin fallen zu ausgedehntes männliches Selbstmitleid und Selbstbespiegelung zum Opfer. Ihr unvoyeuristischer Blick auf das ungleiche Paar - der erfahrene und prominente Professor, der vor dem Alter zittert und glaubt, sich durch eine junge Frau Jugend pachten zu können und die Literaturstudentin, die in ihrer verführerischen Makellosigkeit den Womanizer verwirrt, aus ihrer Bewunderung und ihrem Gefühlschaos in die Eigenständigkeit wächst und Konsequenzen aus seiner emotionalen Verkümmerung zieht - ist von Zärtlichkeit geprägt. Da ist Consuela, die diesem Mann arglos Leidenschaft entgegenbringt und dem Zyniker damit Angst macht, David Kepesh, der niemanden zu nah an sich heran lässt und Unsentimentalität wie ein Label trägt, zu spät merkt, was er verloren hat, sein Kumpel (Dennis Hopper), mit dem er in Squash-Center und Sauna über das andere Geschlecht herzieht, seine langjährige Geliebte (Patricia Clarkson), die irgendwann allein sein wird und sein Sohn, dem er ein schlechter Vater ist. Wenn die unheilbar an Krebs erkrankte Consuela nach sechs Jahren Trost suchend zu ihm zurückkehrt, könnte das in schrecklichen Kitsch ausarten. Tut es aber nicht. Sex, Liebe und Tod - eine Symbiose. Wenn sie vor der Brust-Operation ihre noch perfekten Formen von ihm fotografieren lässt, um sie im Bild zu bewahren, zeigt sich Penelope Cruz nicht nur physisch, sondern auch seelisch nackt. Mit einem Gesicht, in dem man wie in einem offenen Buch die Trauer über Vergänglichkeit liest, den schmerzlichen Abschied von körperlicher Unversehrtheit.

Bei Coixet geben sich zwei Menschen in ihrer Verletzlichkeit preis, Ben Kinsley offenbart in einer Super-Performance als hilfloser Beziehungsstratege die Ambivalenz zwischen Lebenskunst und Lebenshass, die Selbstzerstörung durch mangelnden Willen zum Glück. Der Wechsel von Roth' durch und durch maskuliner Perspektive hin zu Coixets differenziert weiblicher machen aus dieser gewagten Buchadaption großes Kino über die Flüchtigkeit des Lebens.