Wäre es nach ihrer Mutter gegangen, Edie Sedgwicks Leben wäre auch ohne die von Andy Warhol postulierten berühmten 15 Minuten ausgekommen. Die 1943 geborene Edie aber lernte 1965 nach ihrem Umzug nach Manhattan eben diesen Warhol kennen und avancierte zum ersten „It-Girl“. In „Factory Girl“ widmet sich Regisseur George Hickenlooper aber nicht nur der kurzen Zeit von Sedgwicks Ruhm, er schildert auch den Alltag in der damaligen New Yorker Künstlerszene.
USA 2006 - 90 Min.; ab 12;
Regie: George Hickenlooper;
Darsteller:
Sienna Miller, Guy Pearce, Hayden Christensen, Jimmy Fallon, Jack Huston, Armin Amiri, Tara Summers, Shawn Hatosy, Beth Grant, James Naughton.

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Cambridge, Massachusetts, 1964: Edie Sedgwick (Sienna Miller) verabschiedet sich von ihrem beschaulichen Studentendasein und geht nach New York. Erlebnishungrig und feierwillig, wie sie ist, dauert es nicht lange, bis sie Andy Warhol (Guy Pearce) auffällt. Der Pop-Künstler ist von Edies Ausstrahlung und Attraktivität so fasziniert, dass er sie zu seiner Muse macht. An Warhols Seite steigt sie zur Ikone der Gegenkultur und ungekrönten Königin seiner (Lebens-)Künstlerkolonie Factory auf.

Keine Party ohne Edie und Andy. Keine Droge, die sie nicht einwerfen. Vollgas auf der Überholspur. Von Edies zerbrechlicher Natur ahnt in dem überdrehten Mikrokosmos allerdings niemand etwas. Als Warhol ihrer nach ein paar Jahren überdrüssig ist, lässt er sie fallen wie eine heiße Suppendose - aus gekränkter Eitelkeit und Eifersucht auf ihre Beziehung zu einem Folkmusiker (Hayden Christensen). Der Anfang vom Ende, denn auch der Folkie - leicht als Bob Dylan erkennbar, aber aus rechtlichen Gründen namenlos - wendet sich von ihr ab…

Lange vor Paris Hilton gab es Edie Sedgwick, das erste It-Girl der Partywelt. Regisseur George Hickenlooper hat sich mit seinem Biopic zum Ziel gesetzt, dem Zuschauer die junge Frau, die aus einem psychotischen Elternhaus stammte und letztlich an einer Überdosis Barbiturate starb, in all ihren Facetten näherzubringen.
Filmszenenbild aus "Factory Girl"

Das gelingt ihm allerdings kaum, denn "Factory Girl" konzentriert sich mehr auf das ausschweifende, mythenumwobene Leben rund um Warhols Factory. Sedgwicks Persönlichkeit bleibt nebulös, was jedoch nicht Sienna Millers Schuld ist. Jude Laws Ex-Freundin beweist mit ihrer grandiosen Performance, dass sie viel mehr kann, als selber nur die Klatschspalten zu füllen. Und Guy Pearce überzeugt mit wächserndem Gesicht und Weißhaarperücke als gefühlskalter Autist Warhol, der Edie manipuliert, ausnutzt und dann eiskalt auflaufen lässt. In solchen Szenen geht der Film unter die Haut.

Ansonsten bleibt "Factory Girl" weitestgehend eine hübsch anzusehende, bisweilen etwas konzeptionslose Pop-Tapete. Immerhin katapultiert das Drama einen mit dem abwechslungsreichen Mix aus nachgestelltem Dokumaterial, grobkörnigem Schwarzweiß und normalen Spielszenen zurück in die Ära und macht Lust, sich mit den Sixties in New York weiter zu beschäftigen. Und es spiegelt im Grunde formell genau die Oberflächlichkeit wider, von der es handelt. Man könnte auch sagen: Andy war hohl.