Vier Monate nach der US-Invasion
im Irak veröffentlicht der ehemalige Botschafter Joseph Wilson im
Juli 2003 einen flammenden Meinungsartikel in der "New York
Times": Die CIA habe die Nachrichtenlage verzerrt, um es so
aussehen zu lassen, dass Saddam Hussein eine Gefahr für die USA darstelle.
Tage später wird Wilsons Ehefrau Valerie Plame von dem konservativen
Autoren Robert Novak als geheime CIA-Agentin entlarvt. Startschuss
für einen Spießrutenlauf für die Wilsons, an dessen Ende es zu Entlassungen
in der Bush-Administration kommt. Nachdem Rod Lurie in seinem "Nichts
als die Wahrheit" mit Kate Beckinsale bereits Aspekte der brisanten
Plame-Affäre, die die USA in ihren Grundfesten erschütterte, einfließen
ließ, nimmt sich nun "Mr. & Mrs. Smith"-Regisseur Doug
Liman der Geschichte ganz direkt und unmittelbar an, mit einem Ansatz,
den er selbst als "wirklich, wirklich wahnsinnig" bezeichnet.
Es ist Sean Penns erste Rolle seit seinem Oscar-Gewinn für "Milk",
Naomi Watts spielt an seiner Seite Valerie Plame.
USA
2010 - 106 Min.; ab 12;
Regie: Doug Liman;
Darsteller: Naomi Watts, Sean Penn, Sam Shepard, Bruce McGill, David
Andrews, Michael Kelly, Noah Emmerich, Brooke Smith, Geoffrey Cantor,
Philipp Karner, Kristoffer Ryan Winters.
Prickelnder Politthriller von "Mr. & Mrs.
Smith"-Macher Doug Liman über die skandalöse Enttarnung der
CIA-Agentin Valerie Plame und deren Folgen. "Was ich nicht in
Afrika gefunden habe" ist der Titel eines Meinungsartikels,
den der ehemalige Botschafter Joseph Wilson im Juli 2003, vier Monate
nach dem Beginn des Irakkrieges, in der New York Times veröffentlichte.
Zuvor war er auf Anraten seiner als verdeckte CIA-Agentin arbeitenden
Frau Valerie Plame vom Geheimdienst nach Niger geschickt worden,
um herauszufinden, ob etwas an den Gerüchten dran sei, aus dem armen
afrikanischen Land sei im großen Stil angereichertes Uran in den
Irak gebracht worden. Wilson kann trotz intensiver Suche nichts finden
und meldet es entsprechend. Als Präsident Bush den US-Einmarsch in
den Irak allerdings öffentlich damit rechtfertigt, Saddam Hussein
habe Uran aus Afrika bezogen, wird Wilson hellhörig. Mit seinem eingangs
genannten Artikel gibt er seinen Zweifeln Ausdruck und löst ein mittelschweres
politisches Erdbeben aus. Wie er und seine Frau in der Folge unter
Druck gesetzt, ihre Namen in den Dreck gezogen werden und dadurch
fast ihre Existenz bedroht wird, das behandelt Doug Liman in seinem
Politthriller, das einerseits ein flammendes Plädoyer für Zivilcourage,
andererseits eine eindringliche Studie eines Ehepaars unter Beschuss
ist: Es ist Freiwild in einem nach 9/11 angst- und hasserfüllten
Land, das von seiner Regierung nach Belieben manipuliert wird. Mit
Filmen wie "Die Bourne Identität" oder "Mr. & Mrs.
Smith" hat sich Liman einen Namen gemacht. Nun spielt er mit
seinem couragierten neuen Film erstmals bei den großen Jungs mit.
Zwar finden sich Elemente vorgenannter Arbeiten auch in "Fair
Game", das auf den gleichnamigen Memoiren von Valerie Plame
aus dem Jahr 2007 basiert, aber vor allem lassen sich Elemente der
engagierten Filme eines Alan J. Pakula oder Costa-Gavras in der Geschichte
entdecken, die als "Plamegate" weltweit für Schlagzeilen
sorgte und zuvor bereits von Rod Lurie in seinem in Deutschland nur
als Videopremiere erschienenen Film "Nichts als die Wahrheit" wenngleich
leicht verklausuliert, aufgegriffen worden war (Kate Beckinsale spielte
die Hauptrolle, als Plame-Figur war Vera Farmiga zu sehen). Hohes
Tempo ist eines der Merkmale von allen Filmen von Doug Liman. Auch
hier gönnt er sich und seinem Publikum kaum eine Sekunde zum Verschnaufen,
und doch zählt es zu seinen herausragenden Leistungen, dass man bei
der höchst komplexen Geschichte nie den Überblick verliert. Tatsächlich
stellt er zwar Wilson und Plame, gespielt von Sean Penn (in seiner
ersten Rolle seit dem Oscar-Gewinn mit "Milk") und Naomi
Watts, in den Mittelpunkt, aber er fixiert sich nicht auf die beiden
Figuren: Um die höchst tragischen unmittelbaren Auswirkungen der
sofortigen Suspendierung Plames nach ihrer illegalen Enttarnung als
CIA-Agentin durch den konservativen Journalisten Robert Novak zu
verdeutlichen, zeigt "Fair Game" in einer Nebenhandlung
eine Gruppe von ehemaligen Atomwissenschaftlern im Irak, die den
CIA mit Informationen füttert und im Gegenzug von Plame sicher außer
Landes geschafft werden sollen - nur dass die Hilfe nie kommt. Der
niederträchtige Racheakt der Bush-Administration, unliebsame Kritiker
mundtot zu machen und zu diskreditieren, ist eben nicht nur moralisch
verwerflich und illegal, sondern er hat auch unmittelbar Auswirkungen
auf das Leben von Menschen. Überhaupt balanciert "Fair Game" das
Politische und Private brillant aus und macht deutlich, wie die zunehmende
Isolation der in der Öffentlichkeit in Verruf gebrachten Eheleute
zu einem Prüfstein wird, der zwar letztlich etwas bequem in einem
Showdown überwunden wird, in dem sich der Film arg in die Pose wirft
und seine Message mit dem Dampfhammer anbringt. Diesen etwas aufgesetzten
Frank-Capra-Moment verzeiht man ihm dennoch von ganzem Herzen. Er
hat ihn sich verdient, mit intelligenter und engagierter Unterhaltung.
Doug Liman steigt damit in die allererste Riege von Hollywood-Regisseuren
auf.