Originaltitel:
The Fantastic Mr. Fox;
USA
2009 - 87 Min.; ab 6;
Regie: Wes Anderson;
Darsteller:
(Stimmen deutsch) Andrea Sawatzki, Christian Berkel;
(english Voices) George Clooney, Meryl Streep, Bill Murray, Jason
Schwartzman
Owen Wilson, Willem Defoe, Jarvis Cocker, Helen McCrory
.
Homepage
Movie Database
|
Der amerikanische Regisseur Wes Anderson
ist der Mann für spezial gelagerte und sonderbare Filme, die stets
von der abstrusen Dynamik scheinbar dysfunktionaler Familien handeln.
Nach seinem spirituellen und poetischen Brüder-Porträt „Darjeeling
Limited“, wo man im Zug durch die unendlichen, landschaftlichen Weiten
Indiens rumpelte, vergräbt er sich nun sprichwörtlich in den Untergrund
und zeigt in konservativer und liebevoller Stop-Motion-Technik die
Abenteuer einer Fuchsfamilie in ihrem Bau.
Mr. Fox (im Original gesprochen von George Clooney), adretter Jungsenior
und umtriebiger Familienvater, hadert mit dem Leben: Soll er tatsächlich
die Tradition aufrecht erhalten und wie all seine Vorfahren die restlichen
Jahre des Lebens im heimatlichen Höhlensystem verbringen? Natürlich
nicht. Entgegen der Ratschläge seines Anwalts kauft er einen prächtigen
Baum auf einem bezaubernden Grundstück, das allerdings in unmittelbarer
Nachbarschaft zu den drei Bauern Grob, Grimm und Gräulich liegt.
Ein gewagtes Unterfangen, denn Mr. Fox – ein leidenschaftlicher Hühnerdieb
– zieht schnell den Zorn der neuen Nachbarn auf sich. Ihnen ist nämlich
längst aufgefallen, dass sich ihr Bestand an Federvieh stets über
Nacht verringert. Und daran ist natürlich der Fuchs schuld. Fortan
wird allerlei technisches Gerät aufgefahren, um den Fuchs mitsamt
seiner Familie auszuräuchern.
Philosophisch, fintenreich und voller kindlicher Fantasie: Die Verfilmung
von Roald Dahls Bilderbuch-Märchen ist viel mehr als nur ein Animationsfilm
– es ist eine Fabel über den Jahrhunderte alten Konflikt zwischen
Mensch und Tier. Mit der Aussage, dass animalische Instinkte ausnahmsweise
über menschliches Kalkül siegen. Zumindest in der fantasievollen
Welt von Wes Anderson – wo es keine Nahrungsketten gibt, sondern
nur pure Poesie. Im Vergleich zum visionären und perfektionistischen
Animationskino von Pixar („Oben“, „Wall-e“), welches digitale Bildergeschichten
immer wieder aufs Neue revolutioniert, ist „Der fantastische Mr.
Fox“ genau das Gegenteil: eine analoge und wunderbar entschleunigte
Puppentrick-Erzählung. Mit anderen Worten: Wenn Pixar eine neue Playstation-Konsole
wäre, dann ist dieser Film ein altes, hölzernes Backgammon-Spiel.
„Der fantastische Mr. Fox“ ist somit die Rückkehr zur aufwendigen
Filmkunst, die ähnlich wie Basteln mit Schere, Papier und Klebstift
funktioniert. Alle Figuren wurden von Hand gefertigt (man benutzte
sogar echte Tierhaare), für 30 Sekunden Film drehte man einen ganzen
Tag. Trotz der konservativen Technik wirkt Wes Andersons Version
von Roald Dahls Fabel alles andere als altbacken: Die Akribie und
die Fantasie, die der Autor im Kopf gehabt haben muss, als er das
Buch schrieb, spürt man hier in jeder Filmsekunde. Frei von der oft
etwas bemüht wirkenden Pädagogik digitaler Animationsfilme kann man
sich bei Wes Anderson zurücklehnen und den Lebensfragen einer Fuchsfamilie
lauschen, die auf den ersten Blick etwas verkorkst, aber gerade deswegen
so sympathisch wirkt, weil sie nicht nach Perfektion strebt. Sondern
einfach nur nach einem gemütlichen Leben in ihrem Bau. |