Dies ist die komische und fantastische
Geschichte von Serge Gainsbourg (Éric Elmosnino) und seiner berühmten
Visage. Ein kleiner jüdischer Junge zieht laut singend durch die
Straßen des von den Deutschen besetzten Paris; ein schüchterner junger
Poet gibt die Malerei auf und verlässt seine Dachkammer, um die Pariser
Nachtklubs der Swinging Sixties zu erobern. Was folgt, ist ein Leben
voller Leidenschaft und Poesie, ein Leben voller Provokationen und
Skandale, ein ruhmreiches, ein aufreibendes, ein heldenhaftes Leben.
Musikalisches Allroundgenie, Verführer der schönsten Frauen, Popstar,
Poet, Provokateur - Joann Sfar zeigt in GAINSBOURG - DER MANN, DER
DIE FRAUEN LIEBTE die vielen Gesichter der Ikone Serge Gainsbourg,
zeichnet zentrale Stationen seines Wegs zum Ruhm nach und wirft mit
augenzwinkerndem Humor einen Blick hinter die öffentliche Maske eines
der faszinierendsten und schillerndsten Musiker des 20. Jahrhunderts. |
F
2009
- 121 Min.; ab 12;
Regie: Joann Sfar;
Darsteller: Éric Elmosnino, Doug Jones, Laetitia Casta, Lucy Gordon,
Anna Mouglalis, Mylène Jampanoï, Sara Forestier, Kacey Mottet Kleini.
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Aus dem wilden und leidenschaftlichen Leben einer
französischen Ikone des 20. Jahrhunderts, vom Popstar, Poet und Provokateur
Serge Gainsbourg, erzählt Comic-Autor Joann Sfar.
„Je t‘aime...moi
non plus“, ein erotisch gehauchtes Gänsehaut-Chanson, ein offenes
Plädoyer für Erotik, Ehebruch und puren Sex, war 1969 ein Skandal
und eine Provokation vom Liebespaar Serge Gainsbourg und Jane Birkin.
Das Leben des „enfant terrible“ und Allroundgenie Gainsbourg bringt
Joann Sfar auf sehr ungewöhnliche Weise auf die Leinwand. Nicht als
das übliche Biopic mit Rekonstruktion eines Lebens, sondern als fantastisches
Märchen über einen Mann, der als Kind russisch-jüdischer Eltern sich
den gelben Judenstern stolz an die Jacke heftet, auf einem antisemitischen
Plakat eine Karikatur entdeckt, die Ähnlichkeit mit ihm hat und zum
Leben erwacht, und als sein Alter Ego „Die Fresse“ nie mehr von seiner
Seite weicht. Sfar, ein angesehener und ungemein produktiver Comic-Zeichner,
begleitet Gainsbourg vom Jungen, der unter deutscher Besatzung und
Angst vor Deportation aufwächst, zuhause unter den Argusaugen seines
Vaters lustlos auf dem Klavier herumhämmert, Maler werden will und
dann seine Werke verbrennt, zum Mann, der es vom kleinen Barpianisten
zur Ikone des Chansons und genialen Künstler brachte, der in den
Fünfzigerjahren das Bohème-Viertel Saint-Germain des Près unsicher
machte, und zum Womanizer, der die Swinging Sixties in vollen Zügen
genoss und die schönsten Frauen von Juliette Gréco über Brigitte
Bardot bis hin zu Jane Birkin verzauberte und verführte, ihnen die
wunderbarsten Songs auf den perfekten Body schrieb.
Die fragmentarische
Zusammensetzung der Szenen ähnelt einem Puzzle, dessen Einzelteile
sich sukzessive zu einem komplexen Ganzen zusammensetzen, ein abenteuerlicher
Trip in seelische Grauzonen, in ein künstlerisches Nirwana und die
Psyche eines Mannes, der sich zu Tode lebte. Animation und Realfilm
verbinden sich zu einer erstaunlich stimmigen Filmmelodie. In der
ersten Hälfte ist die Kombination fulminant geglückt, gegen Ende
wirken manche Szenen anekdotisch, so der unheimlich starke Auftritt
Gainsbourgs vor Veteranen bei der Reggae-Version der Marseilleise.
Die Selbstzerstörung, die Alkoholsucht und die Ausfälle der letzten
Jahre werden zurückhaltend, fast schamhaft inszeniert, vielleicht,
um den Mythos nicht anzukratzen. Ein Glücksgriff ist die Besetzung:
Eric Elmosnino mit Dreitagebart, den unvermeidlichen Gitanes und
einem melancholischen Blick, der Frauen jeden Alters dahin schmelzen
lässt. Die Damenriege (singt übrigens selbst) mit Laetitia Casta,
die Brigitte Bardot zum Verwechseln ähnlich sieht, Anna Mouglalis
als vor dunkler Sinnlichkeit sprühende Juliette Gréco und einer fragilen
Lucy Gordon, deren Suizid 2009 schockierte, als liebende Jane Birkin.
„Gainsbourg“ ist Bauch- und Überlebenskino über eine außergewöhnliche
Persönlichkeit. Nach dem Kino möchte man eine Gitane anzünden, einen
Vin Rouge genießen und bei „La Javanaise“ auf Zeitreise gehen - ohne
Nostalgie, aber mit wehmütiger Lust. |