"Zu gut", glaubt Phillip, "ist
auch nicht gut. Denn dann besteht die Gefahr, dass es bald wieder
schlechter wird." Und so bemüht sich der schrullige Banknotenprüfer,
der mit einer Bügelmaschine und einer Schildkröte zusammenlebt, nach
Kräften, dem eigenen Glück im Wege zu stehen. Die kunstvoll komponierten
Bilder und die fantasievoll konstruierte Geschichte verleihen Almut
Gettos imaginärem Liebesfilm einen wundersam-verführerischen Reiz.
Almut Getto hat sich mit „Ganz nah bei dir“ wieder an eine Liebesgeschichte
zweier Außenseiter gewagt. Und erneut schafft sie es, uns diese Romanze
auf eine leichte und doch sehr poetische Weise zu erzählen. ...perfekte
Kinounterhaltung für alle, die romantische Komödien lieben.
Saarländischer Rundfunk |
D
2009 - 88 Min.; ab 0;
Regie: Almut Getto;
Darsteller: Bastian Trost, Katharina Schüttler, Andreas Patton, Traute
Hoess, Heiko Pinowski, Jürgen Rißmann, Aline Staskowiak, Axel Olsson
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Der eigenbrötlerische Philip (Bastian Trost) ist
ein Pedant, wie er im Buche steht. Sein Bettzeug hat ebenso wenig
Falten wie die mit Hilfe einer originellen Bügelmaschine geglätteten
Hemden. Menschen machen ihn nervös, deshalb hält es der Beamte, der
tagsüber in der Zentralbank Geldscheine auf Echtheit prüft, auch
nicht mit ihnen aus. Lediglich Schildkröte Paul und den leidgeprüften
Psychiater Aaron (Andreas Patton) zählt Philip zu seinen Freunden.
Da platzt plötzlich die blinde Cellistin Lina (Katharina Schüttler)
in sein Leben. Obwohl behindert, besitzt sie all das, was Phillip
nicht hat, aber gerne hätte: unbändige Lebenslust, Selbstbewusstsein
und jede Menge Mut. Doch bevor sich der scheue junge Mann davon anstecken
lässt, muss er erst lernen, über seinen eigenen Schatten zu springen
und zudem verkraften, dass man gerade seine Wohnung komplett leer
geräumt hat...
Starke Inszenierung
Gleich mit dem Regieerstling, der Liebesgeschichte "Fickende
Fische" setzte Almut Getto vor sieben Jahren ein Ausrufezeichen.
Auch mit ihrem zweiten Film "Ganz nah bei dir" knüpft Getto
da an, wo sie 2002 aufgehört hat - auf allerhöchstem Niveau. Franz
Kafka oder zumindest "Momos" graue Männer lassen grüßen,
wenn die Filmemacherin zusammen mit ihrem vorzüglichen Kameramann
Michael Wiesweg den tristen Alltag ihres Protagonisten abbildet:
Inmitten einer Armada Regenschirm tragender Menschen schlägt Philip
den immer gleichen Weg zur Arbeit ein und lässt dann im dunklen Anzug
im noch dunkleren Kellerverlies monoton eine Banknote nach der anderen
durch seine Hände gleiten. Dies sind großartige Szenen.
Mit Katharina Schüttler als Lina kommt dann im wahrsten Sinne Farbe
ins Spiel, auch dank des überzeugenden Auftritts der Schauspielerin.
Als Lina fasziniert Schüttler ihren Philip und auch den Zuschauer
immer wieder durch das Selbstverständnis, wie sie mit dem Blindsein
umgeht. Zudem spielt sie virtuos Cello. Schauspielerkollege Bastian
Trost begeistert mit minimalistischem Mienenspiel, wandelt als menschenfeindlicher
Pantomime, der sich nicht traut, öffentlich aufzutreten, auf Buster
Keatons Spuren. Damit sorgt er für die komödiantische Note in einem
anrührenden Herzensdrama, in dem sonst das Melancholisch-Poetische,
das Märchenhaft-Verträumte dominiert.
Almut Getto gelang ein kunstvolles Porträt eines beinahe autistischen
Mannes auf der Suche nach sich selbst. Das kam auch in Saarbrücken
beim Filmfestival Max Ophüls Preis gut an. Dort gewann "Ganz
nah bei Dir" den Max-Ophüls-Publikumspreis. |