Der 17-jährige Underdog Benjamin
denkt sich Sci-Fi-Storys aus. Sein Idol ist der Autor Dr. Ronald
Chevalier. Als der ein Seminar für angehende Schreiberlinge veranstaltet,
hängt Benjamin ihm an den Lippen und Fersen. Der schmierige Guru
leidet unter Schreibblockade, da kommt die Story „Yeast Lords“ von
Benjamin gerade recht. Ein paar Änderungen – und schon kann er den
nächsten Bestseller verbuchen. Benjamin sinnt auf Rache.
Klassisches Fabulieren ist nicht die Sache von Regisseur Jared Hess,
der auf den Spuren der Coen-Brüder wandelt: Seine Filme suchen das
Fragmentarische, Nebeneinandergestellte aus der merkwürdigen Welt der
Nerds. Und so bietet er für seine Story gleich drei Seh-Arten an: neben
der Benjamin- und der Chevalier-Variante noch eine trashige No-Budget-Version
mit amateurhaften Special-Effects. Die Erzählebenen purzeln als Filme
im Film so munter durcheinander, das es eine Freude ist. |
USA
2009
- 89Min.; ab 12;
Regie: Jared Hess;
Darsteller: Michael Angarano, Jennifer Coolidge, Jemaine Clement, Halley
Feiffer, Sam Rockwell, Suzanne May, Hector Jimenez, Josh Pais, Clive
Revill, Edgar Oliver, Mike White.
Homepage
Movie Database
|
Mit „Napoleon Dynamite“ (2003), einer Highschoolkomödie
mit ziemlich schrägen Figuren, wurde der Regisseur Jared Hess, Jahrgang
1979, bekannt. Nach dem geradlinigeren „Nacho Libre“, in dem Jack
Black einen mexikanischen Ringer verkörperte, macht der Filmemacher
mit „Gentlemen Broncos“ nun einmal mehr verspottete Außenseiter zu
Helden seiner Geschichte.
Fans haben keinen guten Ruf im Kino, jedenfalls wenn ihr Fandom
in der Populärkultur angesiedelt ist. Das sind jene pickligen, gelegentlich
übergewichtigen Jungmänner, die noch bei ihren Eltern wohnen, wo
sie sich ihr Zimmer als Teil eines fernen Universums ausstaffiert
haben und ihre meiste Zeit damit verbringen, am Computer in virtuelle
Welten abzuheben, die angebissene Pizza stets in Reichweite. Schaffen
sie es mal auf die Kinoleinwand wie etwa in dem Film „Fanboys“, so
können sie sich der Häme der Filmkritik sicher sein. Bei Jared Hess
sind sie allerdings Helden, mehr oder weniger.
Der siebzehnjährige Benjamin Purvis lebt mit seiner verwitweten
Mutter in der amerikanischen Einöde. Immerhin unterstützt die leicht
exzentrische Dame, die ihr Geld unter anderem mit selbst entworfenen
Nachtgewändern verdient, ihn bei seinen Bemühungen, ein Schriftsteller
zu werden. Vielleicht könnte ja das bevorstehende „Cletus Fest“ mit
seinen Schreibworkshops ihn weiterbringen. Schließlich werden die
hoffnungsvollen Nachwuchsautoren dort von keinem Geringeren als Dr.
Ronald Chevalier unterrichtet, dem Verfasser zahlreicher populärer
SF-Romane. Dem Sieger winkt zudem ein Geldpreis und die Veröffentlichung
seines Werkes in einer Auflage von 1000 Exemplaren, deren Cover Chevalier
höchstpersönlich gestalten wird.
Benjamins Kurzroman scheint zumindest kommerzielle Qualitäten zu
haben, jedenfalls publiziert Chevalier, dessen jüngstes Manuskript
von seinem Verleger gerade als „nicht veröffentlichbar“ abgelehnt
wurde, es - nach einer bemerkenswerten Veränderung des Protagonisten
- unter seinem eigenen Namen. Wird es Benjamin gelingen, den Betrüger
zu entlarven?
Schon der Vorspann mit seiner Montage von kitschig-schwülstigen
SF-Coverbildern gibt einen Hinweis auf den Stil des Films, der die
abstrusen Fantasien Benjamins immer wieder mit bizarren Filmbildern
illustriert: der Protagonist seines Werkes „Yeasts Lords“ ist ein
zottelhaariger Mann (von Sam Rockwell mit Lust am Pathos gespielt,
so dass er wie ein Spiegelbild von Jemaine Clements Chevalier wirkt),
der auf einem fliegenden Hirsch reitet, aus dessen Geweihenden Laserstrahlen
schießen. Aber auch die Bildwerdung von Benjamins Fantasien bekommt
der Zuschauer zu sehen, denn die selbstbewusste Tabatha, mit der
er sich bei der Veranstaltung anfreundet, überredet ihn, der Verfilmung
seines Werkes durch ihren Freund Lonnie zuzustimmen – ein echter
Z-Film. Die Freude am Trivialen wird dabei immer wieder konterkariert
durch die offenbare Unbeholfenheit des Filmemachers Lonnie. Das setzt
den Zuschauer einem Wechselbad der Gefühle aus: Sind die Figuren
dieses Films liebenswerte Spinner oder schlicht durchgeknallt? |