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"Eine erfrischend witzige und
charmante Filmbiografie." Der Spiegel
Johann Wolfgang von Goethe ist
durchs Jura-Examen gefallen und wird zur Strafe vom Papa zum Reichskammergericht
in die Provinz geschickt, wo er für Gerichtsrat Kestner Akten wälzen
muss. In seiner Freizeit zieht der Freund von Wein, Weib und Gesang
mit seinem Referendarskollegen um die Häuser bzw. auf die Märkte
und wirft alsbald ein Auge auf die hübsche Lotte aus armen Verhältnissen,
die leider seinem Vorgesetzten versprochen ist. Das große Herzeleid
führt zu seinem ersten künstlerischen Erfolg „Die Leiden des jungen
Werther“. Philipp Stölzl („Nordwand“) entstaubt den Mythos, bewegt
sich zwischen Dichtung und Wahrheit in seinem unterhaltenden Kostümfilm.
Er erfüllt keinen drögen Bildungsauftrag, sondern setzt auf eine
mal altmodische, mal lockere Sprache, pointierte Dialoge, poppige
Musik und heiße Gefühlswallungen. Die Darsteller sind bis in die
Väterrollen von Burghart Klaußner und Henry Hübchen vom Feinsten.
Neben Alexander Fehling als charmanter Lebemann in der Titelrolle
überzeugt auch Newcomerin Miriam Stein, ihre Chemie miteinander stimmt.
USA
2010 - 100 Min.; ab 6;
Regie: Philipp Stölzl;
Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker
Bruch, Burghart Klaußner, Henry Hübchen, Hans-Michael Rehberg, Vitus
Wieser, Oscar Weidner, Stefan Haschke, Karl Karliczek.
Bereits anno 1912 wurde Goethe in Finnland erstmals
zum Stummfilmleben erweckt, in den folgenden Jahrzehnten haben knapp
zwei Dutzend Schauspieler den Dichterfürsten gegeben, darunter Hanns
Zischler, Herbert Knaup und Rolf Hoppe. Gleichsam „vom Eise befreit“
gibt’s nun einen Goethe next Generation mit Alexander Fehling als
jungem „Sturm und Drang“-Poeten.
Ganz wie bei „Shakespeare in Love“
oder „Amadeus“ wird die Liebesgeschichte eines Künstlertalents erzählt,
dem seine grandiose Genialität erst noch bevorsteht. Weil er an der
Uni versagt, wird der Jura-Student vom strengen Papa in die Provinz
verbannt, wo er beim Gericht in Wetzlar ein Praktikum machen soll.
Dort warten kafkaeske Aktenberge und kauzige Kollegen, es lauert
aber auch die große Liebe. Die ganz große Liebe, wie es sich für
einen Mann von Sturm-und-Drang natürlich gehört. Dumm nur, dass die
hübsche Lotte längst seinem Vorgesetzten, dem vermögenden Gerichtsrat
Kestner versprochen ist. Und so beginnen sie, die Leiden des jungen
Johann, aus denen mit dem „Werther“ der populärste Roman des Dichters
entstehen sollte.
„Lächerliches Geschreibsel und Gereime“ und „vollständig
talentlos“ schreibt ihm der Verlag aus Leipzig, als Johann mit dem
„Götz von Berlichingen“ seinen ersten Roman anbietet. Mittellos muss
sich der verhinderte Poet nun den Plänen des Vaters fügen, der aus
ihm trotz verpatzter Doktor-Prüfung noch einen Advokaten machen möchte.
Lustlos begibt sich Goethe nach Wetzlar ans Gericht. Dort freundet
er sich mit Referendarskollegen Jerusalem an und verliebt sich beim
Tanz in Lotte Buff. Auch mit seinem spröden Vorgesetzten Kestner
klappt es nach anfänglichem Gezänk immer besser. Dann nimmt das Drama
seinen Lauf. Lottes Vater will seine Tochter lieber mit dem vermögenden
Gerichtsrat verheiraten, um so die finanzielle Zukunft der Großfamilie
zu sichern. Lotto fügt sich. Johann verzweifelt. Kestner sinnt auf
Rache, um den Rivalen endgültig loszuwerden. Im Kerker schreibt Goethe
sich sein ganzes Liebesleid von der Seele – „Die Leiden des jungen
Werther“ sind geboren. Ohne Wissen des Autors lässt Lotte das Manuskript
veröffentlichen. Der Roman des 23jährigen avanciert zum umjubelten
Bestseller.
Mit der historischen Wahrheit geht Stölzl gelassen kreativ
um. Dass es das Duell zwischen Goethe und dem Rivalen Kestner so
nie gab, der „Werther“ nicht über Nacht in der Kerker-Zelle entstand
oder die erste Auflage ohne Goethes Namen erschien, dürfte allenfalls
nur die dogmatischen Germanisten-Gralshüter empören. Hauptsache die
Lovestory funktioniert mit der notwendigen Leichtigkeit - und das
tut sie! Fehling überzeugt mit gekonnter Lässigkeit als charmanter
Sponti in Liebesnöten und gibt den Goethe so cool wie nie. Da ist
es ganz egal, ob Johann nach seiner „es riecht nach Frühling“-Euphorie
über spätsommerliche Wiesen schreiten muss oder durch mittelalterliche
Gassen. So aufdringlich
die Komparsen samt Gänsen bisweilen durchs Bild geschoben werden,
so entspannt erweist sich die durchweg exzellenten Besetzung. Burghart
Klaußner zelebriert als zerrissener Schwiegervater einmal mehr seinen
maximalen Minimalismus, Bleibtreu bleibt punktgenau vor der Klischeekippe,
derweil Newcomerin Miriam Stein als flotte Lotte verzaubert. Diese
unverkrampfte Spielfreude sowie die unverstaubte Dramaturgie machen
Lust, den denkmalgeschützten Säulenheiligen deutscher Dichtkunst
neu zu entdecken.