Filme über den Irak-Krieg haben
es an der Kinokasse schwer, zu verschwommen und ambivalent war dieser
Krieg, als das er sich in einfache Hollywood-Muster pressen lassen
würde. Paul Greengrass' lange verschobener „Green Zone“ schafft das
bemerkenswerte Kunststück, ein rasanter Thriller zu sein, dessen
Aufhänger die Suche nach der Wahrheit um die angeblich im Irak versteckten
Massenvernichtungswaffen ist. Ein stilistisch atemberaubend guter
Film, dem man allenfalls eine etwas einfache Weltsicht vorwerfen
könnte. |
USA
/ Großbritannien 2010 -
115 Min.; ab 16;
Regie: Paul Greengrass;
Darsteller: Matt Damon, Greg Kinnear, Brendan Gleeson, Amy Ryan, Jason
Isaacs, Khalid Abdalla, Michael O'Neill, Antoni Corone.
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Eigentlich ist es ein unmögliches Unterfangen, das
sich Paul Greengrass hier vorgenommen hat. Ein Film über den Irak-Krieg,
der weder dezidiert linke noch rechte Positionen besetzt, der die
verschiedenen politischen, ideologischen und moralischen Positionen
auf eine zumindest ansatzweise differenzierte, komplexe Weise darstellen
will, dazu ein teures Hollywood-Produkt, das angesichts der Besetzung
der Hauptrolle mit Matt Damon unweigerlich mit dem kommerziellen
Erfolg und der Qualität der „Bourne“-Filme verglichen werden wird.
„Green Zone“ erfüllt all dies: Er schafft es, den moralischen Sumpf
des Irak-Kriegs mit angemessener Komplexität zu beschreiben und dennoch
als mitreißender Thriller zu funktionieren.
Mit Matt Damon als Captain Miller hat der Film ein moralisch integres
Zentrum, das vielleicht ein bisschen zu sehr an das Gute glaubt,
daran, dass die US-Armee prinzipiell das Richtige tut. Wie in so
vielen vorgeblichen Anti-Kriegsfilmen unterscheidet auch „Green Zone“
zwischen den einfachen Militärs und dem politischen Establishment
in Washington DC, dem vielbeschworenen militärisch-industriellen
Komplex. Dieser Ideologie folgend agiert letzterer fragwürdig und
nötigt das Militär zu zweifelhaften Handlungen. Dass mag in der Analyse
der verwickelten Interessen, die gerade in einer Region wie dem Nahen
Osten herrschen, etwas unterkomplex sein, entbehrt aber gerade im
speziellen Beispiel des Irak-Kriegs nicht einer gewissen Wahrheit.
Die Geschichte von „Green Zone“ kreist um die Suche nach den angeblichen
Massenvernichtungswaffen, die Saddam Hussein versteckt hielt und
die vom Weißen Haus als Haupt-Kriegsgrund ausgegeben wurden. Früh
ahnt Captain Miller, dass es diese Waffen gar nicht gibt, dass die
angeblich verlässlichen Informationen, wegen denen er und sein Team
ins Feld geschickt werden, falsch sind. Zusammen mit dem CIA-Mann
Brown (Brendan Gleeson) versucht Miller, einen irakischen General
zu finden, der Licht in die Angelegenheit zu bringen verspricht und
die Falschinformation des Pentagons aufdecken kann. Ein Katz-und-Maus-Spiel
zwischen Miller und Mitglieder einer jener Spezialeinheiten entwickelt
sich, die unschwer als Blackwater-artige private Söldnertruppe zu
identifizieren sind. Immer tiefer verstrickt sich Miller bei seinen
Bemühungen, der Moral zum Sieg zu verhelfen, in ein Gestrüpp aus
Politik und Interessen, die für ihn ebenso undurchschaubar bleiben
wie für den normalen Bürger.
Bei aller Vielschichtigkeit, den oft nebenbei angedeuteten moralischen
Fragen, die der Film aufwirft, ist „Green Zone“ in erster Linie aber
ein geradezu gnadenlos rasanter Thriller. In seinem inzwischen typischen
Stil aus mobiler Handkamera, schnellem, aber immer präzisem Schnitt
und einer pulsierenden, treibenden Musik inszeniert Greengrass Millers
Jagd nach der Wahrheit. Was Greengrass hier gelingt ist bemerkenswert:
Einerseits ein Hollywoodfilm, der technisch absolut auf der Höhe
der Zeit ist, gleichzeitig die Beschäftigung mit einer komplexen
Thematik, die zwar bisweilen vereinfacht, aber nicht simplifiziert
wird. |