Eine Spezialeinheit der US Army
ist in Kriegseinsätzen für die Entschärfung unterschiedlichster Sprengsätze
und Bomben zuständig. Der adrenalintreibende Thriller Tödliches Kommando
– The Hurt Locker, vom Verleih als "Drama/Antikriegsfilm" apostophiert,
gewährt einen faszinierenden Einblick in einen der vielleicht härtesten
Jobs überhaupt. Regisseurin Kathryn Bigelow inszenierte die Geschichte
um eine Gruppe amerikanischer Elite-Soldaten als suspensereiche,
nervenaufreibende Kriegsepisode. Die von ihr verfolgte eher nüchterne
Dokumentarfilm-Optik setzt dabei weniger auf bildgewaltige Action
denn auf Realismus und Glaubwürdigkeit. |
Originaltitel:
The Hurt Locker;
USA
2008 -
124 Min.; ab 16;
Regie: Kathryn Bigelow;
Darsteller: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geraghty, Guy Pearce,
Ralph Fiennes, David Morse, Christian Camargo, Suhail Aldabbach.
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Sie haben den vielleicht gefährlichsten Job der Welt.
Die Männer der Explosive Ordinace Disposal (abgekürzt: E.O.D.) müssen
hart und äußerst nervenstark sein. Als Teil der US-Streitkräfte werden
sie immer dann zu einem Einsatz gerufen, wenn es wieder einmal verdächtige
Gegenstände zu untersuchen oder Bomben zu entschärfen gibt. Ihre
Einsatzgebiete lauten Irak oder Afghanistan. Es sind Orte, an denen
man als US-Soldat alles andere als gern gesehen ist. In Tödliches
Kommando – The Hurt Locker begleitet der Zuschauer ein Team aus E.O.D.-Spezialisten
bei ihrer wahrhaft schweißtreibenden Arbeit während des letzten Irak-Krieges.
Die Geschichte und Figuren sind fiktiv. Und dennoch glaubt man den
Machern jederzeit, dass sich alles genau so hätte zutragen können.
So vermeiden Drehbuchautor Marc Boal (In the Valley of Elah) und
Regisseurin Kathryn Bigelow viele der üblichen Action- und Kriegsfilmklischees.
Wir begleiten ein Team, dessen Kommandant erst kürzlich bei einer
verheerenden Bombenexplosion ums Leben gekommen ist. Sergeant Sanborn
(Anthony Mackie) und Specialist Eldrige (Brian Geraghty) müssen sich
an einen neuen Vorgesetzten gewöhnen, der fortan die überaus heiklen
Einsätze leiten soll. Das mit dem Gewöhnen ist allerdings leichter
gesagt als getan, schließlich ist Staff Sergeant William James (stark:
Jeremy Renner) ein eher schwieriger Charakter, der mit seinem draufgängerischen
Verhalten immer wieder für Irritationen und Spannungen innerhalb
des Teams sorgt. Anfangs scheint es, als versuchte er, dem idealisierten
(Männer-)Bild eines furcht- und emotionslosen Elite-Soldaten zu entsprechen.
The Hurt Locker zeigt auf eindrucksvolle Art, wie die Männer vor
immer neue Herausforderungen gestellt werden und sich bei ihrer Arbeit
jeden Tag in höchste Lebensgefahr begeben. Der von Bigelow gewählte
dokumentarische Stil, der einen weitgehenden Verzicht auf statische
Einstellungen und Hochglanz-Aufnahmen beinhaltet, lässt einen schon
bald den fiktiven Charakter der Filmhandlung vergessen. Bigelow setzt
auf Nähe und Beweglichkeit. Der kluge Einsatz der Handkamera ist
hierfür unabdingbar. Die Distanz zum Geschehen reduziert sich bereits
mit der meisterhaft montierten Eröffnungssequenz auf ein Minimum.
Wir hören die Männer atmen und sehen, wie sich die Anspannung in
ihren Blicken und Gesten nach jedem Auftrag allmählich löst. Vor
allem gelingt es Bigelow, das Gefühl einer mehr oder weniger konkreten
Bedrohung als ein beständiges, nicht wirklich greifbares Grundrauschen
zu installieren. Dadurch wird das Misstrauen der Männer, das sie
zunächst einmal gegenüber jedem Fremden empfinden, erst verständlich
und nachvollziehbar. Hinter jedem Häuserblock, hinter jeder Straßenkreuzung
könnte sie der Tod erwarten.
Staff Sergeant William James ist bei allem zur Schau gestelltem
Wagemut weder Jason Bourne noch James Bond, so sehr er sich das auch
wünschen würde. Im Grunde weiß er nur zu gut, in welchem Albtraum
er sich eigentlich befindet. Die meisten Iraker sehen in ihm und
seinen Kameraden feindliche Besatzer. Diese aus Sicht der USA nur
wenig ermutigende Realität greift The Hurt Locker auf, wobei der
Film die Aussage weiter fasst und seine durchaus militär-kritische
Haltung nicht auf den Konflikt im Irak beschränkt wissen will. Für
Bigelow ist es nach sechs Jahren der kreativen Pause – zumindest
als Regisseurin einer Kinoproduktion – ein gelungenes Comeback im
vertrauten Action-Fach. Sie liefert den Beweis, dass das Genre weit
mehr als stumpfsinnige Materialschlachten und Explosions-Kaskaden
hervorbringen kann. |