Vor allem die beiden Hauptdarsteller Daniel Auteuil und Marie-Josée Croze retten Zabou Breitmans melancholischen Liebesfilm über seine allzu literarische Struktur hinweg. Basierend auf einem Roman von Anna Gavalda (Autorin von „Zusammen ist man weniger allein“) erzählt der Film von einem Mann, der seine große Liebe verließ, um für seine Familie da zu sein, und diese Entscheidung bitter bereut.

Originaltitel: Je l'aimais;
Frankreich 2009 - 105 Min.; ab 12;
Regie: Zabou Breitman;
Romanvorlage: Anna Gavalda;
Darsteller: Daniel Auteuil, Marie-Josée Croze, Florence Loiret Caille, Christine Millet, Geneviève Mnich, Winston Ong, Woon Ling Hau, Olivia Ross, Ysée Dumay Duteil.

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Pierre ist in den 60ern, ein abweisender und kühler Mann, den die 30jährige Chloé siezt, wie es in vornehmen französischen Familien manchmal üblich ist. Der Schwiegervater will die von ihrem Gatten wegen einer anderen Frau verlassene Schwiegertochter und die zwei Kinder auf andere Gedanken bringen und nimmt sie mit aufs Land.
In der Intimität und Abgeschlossenheit des Ferienhauses verliert der Unnahbare sukzessive seine Härte und enthüllt bei einem guten Rotwein ein über zwanzig Jahre lang streng gehütetes Geheimnis. Statt der großen Liebe wählte er damals den einfachen Weg, blieb in einer gefühlsmäßig toten Ehe, vergab die Chance auf ein erfülltes und intensives Leben, seitdem nur Schmerz und Scham, psychische Zerrissenheit und endlose Einsamkeit.
Chloés Schicksal tritt in den Hintergrund, sie wird Zuschauerin bzw. Zuhörerin eines Dramas, das nur Verlierer kennt. Daniel Auteuil in einer Glanzrolle erzählt in langen Rückblenden vom Anfang und Ende einer außergewöhnlichen Beziehung, spielt die gebrochene Figur in einer Präsenz, die weh tut. Der Mann, der sich nicht traut, lernt die Dolmetscherin Mathilde (Marie-Josée Croze, eine Mischung aus Hingabe und Hartnäckigkeit, Eigensinn und Sinnlichkeit) bei einem Hongkong-Geschäft kennen und lieben, sie bringt die geordnete Existenz des Anzugträgers durcheinander und ihn auf einen unbekannten Höhenflug.
Er will sich von seiner Ehefrau trennen, sucht eine gemeinsame Wohnung und schreckt dann vor dem unkalkulierbaren Wagnis des Miteinander auf den letzten Metern ängstlich zurück. Sie treffen sich noch in Hotelbetten rund um den Globus, aber der zarte Zauber ist perdu. Als Mathilde schwanger ist und er rüde und unverzeihlicherweise fragt, von wem, bricht die fragile Konstruktion geliehenen Glücks wie ein Kartenhaus zusammen.
Frei nach Anna Gavaldas gleichnamigem Roman - von puristischen Kritikern als trivial verteufelt - entwirft Zabou Breitman ein doppeltes Liebesdrama, in dem ältere und jüngere Generation vor einer Entscheidung standen oder stehen - zwischen dem sicheren Abgefedertsein in der Ehe oder der Obsession ohne Netz und doppelten Boden. Fast nicht auszuhalten die Szene in denen sich das Paar nach Jahren zufällig in einem Park trifft und Pierre merkt, was er verloren hat - nicht nur die Liebe, auch sich selbst. Wenn Trivialität bedeutet, dass sich Protagonisten emotional öffnen und ihre Verletzungen nicht kaschieren, der ins Innerste getroffene Zuschauer Abwehrmechanismen entwickelt, um sich vor der ihm bekannten und unbequemen Wahrheit zu schützen, dann gehört "Ich habe sie geliebt" zu einem der wunderbarsten trivialen Filme.