Woody will’s wieder wissen. Pünktlich zum 75ten Geburtstag präsentiert der cineastische Neurosenzüchter seinen mittlerweile 41sten Kinostreich. Abermals hat der Altmeister aus New York in Europa gedreht - und wiederum hat sich der Trip an die Themse gelohnt. In seinem mit Antonio Banderas, Anthony Hopkins, Gemma Jones, Freida Pinto u.v.a. prominent besetzten, funkelnden Beziehungskaleidoskop um verunglückte Lieben und Leidenschaften betrügt jeder jeden und nach Liebes- und Leibeskräftgen sich selbst. Marionettenspieler Allen hält die Fäden seiner Figuren samt ihrer Marotten geschickt in der Hand. Reichlich gelungene Situationskomik, geschliffene Dialoge sowie ein gewohnt famoses Ensemble sorgen für köstliches Kinovergnügen: „Ich sehe den Film deiner Träume“…

Originaltitel: You Will Meet a Tall Dark Stranger;
USA / Spanien 2010 - 98 Min.; ab 6;
Regie: Woody Allen ;
Darsteller: Naomi Watts, Josh Brolin, Antonio Banderas, Anthony Hopkins, Gemma Jones.

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Lieber Woody Allen, ganz unter uns: Einen unter nächtlichen Panik-attacken leidenden Rentner, der seine Frau verlässt, um sich anschließend mit einer viel zu jungen, viel zu frivolen Blondine zu vergnügen, gab‘s den nicht schon in deinem letzten Film „Whatever Works“? In „Ich sehe den Mann deiner Träume“ wird er gespielt von Anthony Hopkins, der sich zum Entsetzen seiner Tochter (Naomi Watts) und ihres glücklosen Gatten (Josh Brolin) in ein Callgirl verliebt. Vor 15 Jahren hat Mira Sorvino diese Rolle in „Geliebte Aphrodite“ verkörpert und dafür einen Oscar bekommen - was sich im Fall von Lucy Punch wohl nicht wiederholen dürfte. Dass die Frau des liebestollen Seniors vor lauter Verzweiflung eine Wahrsagerin aufsucht, erinnert uns irgendwie an „Alice“, die sich 1990 zu den Tinkturen eines chi­nesischen Wunderheilers hingezogen fühlte. Erfolglose Autoren/Schauspieler/Künstler, streitende Ehepaare und missglückte Selbstmordversuche - kommen die nicht in all deinen Filmen vor? Die nervige Schwiegermutter kannten wir jedenfalls schon aus „Anything Else“. Und die Macht des Schicksals, die einem untalentierten Schriftsteller diesmal das Manuskript eines komatösen Kollegen beschert, hast du zuletzt in „Match Point“ und „Cassandras Traum“ beschworen. Dass wir uns nicht missverstehen: „Ich sehe den Mann deiner Träume“ ist ein wundervoller Film. Mit Sicherheit gehört er - wie all die anderen zuvor - zu deinen schönsten seit Langem. Doch noch mehr als die makellose In­szenierung und die bezaubernden Darsteller bewundern wir die Kühnheit, mit der du immer wieder den gleichen Film drehst - und die Tatsache, dass wir uns dabei stets aufs Neue so köstlich amüsieren.
Mit besten Grüßen