Dom Cobb ist Spezialist, wenn
es darum geht, in die Köpfe anderer Menschen einzubrechen und Ideen
zu stehlen. Nun soll er im Auftrag des japanischen Magnaten einen
Schritt weiter gehen: Im Kopf des jungen Erben Robert Fischer soll
er eine Idee einpflanzen, die dafür sorgen soll, dass der den Konzern
seines verstorbenen Vaters zerschlägt. Cobb versammelt ein neues
Team sich und macht sich an die Arbeit. Als größtes Hindernis erweist
sich seine Erinnerung an seine verstorbene Frau Mal, die seine Pläne
in der Traumwelt torpediert. Und den Verdacht nahelegt, Conn könne
das gesamte Abenteuer selbst nur träumen. Zunächst von Christopher
Nolan als Intermezzo zwischen "Dark Knight" und einem dritten "Batman"-Film
ersonnen, wie er es davor bereits mit "Prestige" gemacht
hatte, entpuppt sich der virtuos verschachtelte und visuell visionäre
Science-Fiction-Actionthriller als das vielleicht inhaltlich wie
technisch ambitionierteste Projekt in der Karriere des Briten. Ein
Stoff mit Blockbuster-Aufwand, Megabudget (die Rede ist von 150 Mio.
Dollar) und Staraufgebot (DiCaprio, Cotillard, Page), das nicht nur
auf Spektakel im Stil von "Matrix" setzt, sondern auch
Futter für graue Zellen im Genregewand (à la "Memento")
bietet.
USA
/ Großbritannien 2010
- 148 Min.; ab 12;
Regie: Christopher Nolan;
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Ken Watanabe, Joseph Gordon-Levitt,
Marion Cotillard, Ellen Page, Tom Hardy, Cillian Murphyi.
Virtuos verschachtelter und visuell visionärer Science-Fiction-Actionthriller,
in dem "Dark Knight"-Regisseur Christopher Nolan Leonardo
DiCaprio als Traumspion inszeniert.
Nolan, der das für geschätzte
150 Mio. Dollar realisierte Projekt ursprünglich als Überbrückung
zwischen seinem letzten und kommenden "Batman"-Filmen sah,
bietet eine vielschichtigen Zukunftsvision voller dichter Atmosphäre,
außergewöhnlicher Ästhetik und atemloser Action. Die von ihm geschriebene
komplexe Geschichte dreht sich um ein "Ocean's 11"-angehauchtes,
wenn auch ungleich ernsthafteres Heist-Team, das nicht Banken überfällt,
sondern zwecks Industriespionage das Unterbewusstsein ihrer Opfer
im Traumzustand knackt. Dafür ließ sich der Brite von populärem Kino-
und Kulturgut inspirieren, das von "Matrix", James Bond-Filmen,
über "2001", griechischer Mythologie, C.G. Jung bis hin
zur Kunst von M.C. Escher und Magritte reicht. So entsteht ein vertracktes
Kino-Konstrukt, das philosophische Fragen über Existenz zwischen
Traum und Wirklichkeit aufgreift (Memo: "Memento") , emotionale
Schluchten von Schuld und Sehnsucht erkundet, (teils etwas zu) konventionelle
Actionpirouetten dreht und ein visuell kunstvolles Universum konstruiert,
das einem surrealen Fiebertraum entsprungen anmutet.
Der Film beginnt
ähnlich wie "Bourne". Der Protagonist (DiCaprio) wird am
Strand angespült und daraufhin vor den steinalten Yakuza-Boss Saito
(Ken Watanabe) geschleppt. Nach ersten Action-Aufwallungen stellt
sich schnell heraus, dass "Traum-Extraktor" Cobb tatsächlich
lediglich von Saito für einen besonders komplizierten Job getestet
wird. So soll er in die Psyche des mit Saito konkurrierenden Konzern-Erben
Robert Fischer (Cillian Murphy) einbrechen und ihm die Idee einpflanzen,
seine Firmen aufzuteilen. Dafür stellt Cobb ein illustres Team zusammen,
bestehend aus seiner rechten Hand Arthur (Joseph Gordon-Levitt),
dem Shapeshifter (er kann sich als jede beliebige Figur in einen
Traum einschleichen) Eames (Tom Hardy), der Traumwelt-Architektin
("Juno" Ellen Page kann mit ihrem kindlichen Aussehen nicht
voll als geniale Labyrinth-Designerin überzeugen) und dem Pharmakologen
Yusuf (Dileep Rao). Kompliziert wird ihre "Mission Impossible" durch
das Auftauchen von Cobbs verstorbener Frau Mal (Oscargewinnerin Marion
Cotillard als maliziöse Traumgestalt). Sie strapaziert Cobbs geistige
Gesundheit. Und gerade bei dem auf vier verschiedenen Ebenen ausgetragenen
Heist-Herzstück in Fischers Psyche kann Cobb sich keine Fehler leisten,
da dies für alle Beteiligten fatale Folgen haben könnte.
Der Zuschauer
hat das Vergnügen, sich durch einen intellektuellen Irrgarten zu
navigieren, wobei Ariadne teils etwas unelegant als Krücke herhalten
muss, um den Faden der Erkenntnis zu spinnen. DiCaprio meistert seine
Rolle als komplex angelegter Protagonist ohne Mühe und insbesondere
seine Szenen mit Cotillard verfügen über beträchtliche emotionale
Wucht. Geklotzt wird auch bei den Actionsequenzen, die mehrfach unübersehbare
Bond-Parallelen aufweisen. Kein Wunder, hat Nolan doch Interesse
bekundet, Agent 007 inszenieren zu wollen. Zunächst gilt es jedoch
sein aktuelles Werk zu genießen, das mit smarter Spannung, Starbesetzung
und großartigen Schauwerten aufwartet.