Wie Nelson Mandela Südafrika davor
bewahrte, im Bürgerkrieg zu versinken, könnte der Untertitel dieses
Sport-Dramas von Clint Eastwood mit Morgan Freeman und Matt Damon
in den Hauptrollen lauten. „Invictus“ ist eine Eloge an einen großen
Mann und Politiker, exzellent gespielt, souverän gefilmt, schamlos
sentimental und enorm mitreißend. |
Prädikat:
besonders wertvoll;
USA
2009 - 133 Min.; ab 6;
Regie: Clint Eastwood;
Darsteller: Morgan Freeman, Matt Damon, Tony Kgoroge, Patrick Mofokeng,
Matt Stern, Julian Lewis Jones, Adjoa Andoh.
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Der kürzlich zum Präsidenten Südafrikas gewählte
Nelson Mandela (Morgan Freeman) steht vor der Aufgabe, ein von jahrzehntelangem
Rassismus geteiltes Land zu einen. Ein Sieg der Nationalmannschaft,
der „Springboks“, bei der kommenden Rugby-Weltmeisterschaft 1995
könnte diesen Zweck erfüllen und der Welt ein neues Südafrika präsentieren.
Mit großem Enthusiasmus unterstützt ANC-Führer Mandela das Team um
den jungen Mannschaftskapitän François Pienaar (Matt Damon). Tatsächlich
mausern sich die „Springboks“ bald vom Außenseiter zum ernsthaften
Anwärter auf den Titel.
Clint Eastwood ist längst eine amerikanische Institution. Seit über
50 Jahren tritt er in Filmen auf, mehr als 30 Spielfilme hat er inszeniert
und während „Invictus – Unbezwungen“ bei uns in den Kinos anläuft,
steht der agile 79-jährige bereits für seinen nächsten Film hinter
der Kamera. Obwohl ein Mandela-Film mit Morgan Freeman schon seit Jahren
geplant war, benötigte es erst Eastwoods Engagement, um das Projekt
zu realisieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn „Invictus
– Unbezwungen“ kein episches Biopic geworden ist, sondern eher eine
Momentaufnahme aus den ersten Regierungsjahren Mandelas.
Geschickt verdichtet der an Originalschauplätzen gedrehte Film sein
Thema auf den Kampf der Nationalmannschaft um die Weltmeisterschaft
und Mandelas Versuch, Sport für symbolische Politik zu nutzen. Anhand
dieses Kristallisationspunktes erscheint der erste schwarze Präsident
Südafrikas weniger als abstrakte Ikone denn als eine große Persönlichkeit,
die mit einer Gesellschaft voll extremer Widersprüche konfrontiert
ist. Eastwood setzt dabei wie gewohnt auf klassisches Erzählkino. Wer
schnelle Schnitte, aufdringliche Musik oder eine wackelige Handkamera
bevorzugt, wird hier enttäuscht. Alle anderen erwartet ein Film, der
vor allem von seinen Schauspielern getragen wird.
Allen voran überzeugt Morgan Freeman, der sich in Körpersprache und
Duktus verblüffend seinem realen Vorbild annähert. Freemans Mandela
ist kein Mann, den die lange Haft gebrochen hat, sondern ein ruhiger,
bescheidener Mensch, den neben seinem unbändigen Willen zur Veränderung
ein Hauch ironischer Verschmitztheit auszeichnet. Es sind die Glaubwürdigkeit
und die feinen Nuancen von Freemans Spiel, die den Film über weite
Strecken tragen und von Matt Damons zurückgenommener Darstellung des
Teamchefs ideal ergänzt werden. Vielleicht überzeugt „Invictus – Unbezwungen“
nicht in jeder Beziehung. Einige Handlungsstränge wie die um Mandelas
Bodyguards, die stellvertretend für die gesamte Nation ihre Vorurteile
überwinden müssen, sind recht didaktisch angelegt. Auch die Botschaft,
dass der Sport eint, was Rassismus getrennt hat, wirkt etwas naiv.
Als großer Schauspielerfilm und mitreißender Sportfilm funktioniert
„Invictus – Unbezwungen“ jedoch ausgezeichnet und bestätigt aufs Neue
Eastwoods Fähigkeit, mühelos zwischen allen Genres zu wechseln. |