In seiner faszinierenden Dokumentation „It might get loud“ huldigt Oscarpreisträger Davis Guggenheim der treuen Geliebten des Rock. Denn schließlich macht erst der satte Sound der E-Gitarre den ultimativen Rocksong. Musikliebhaber aus drei Generationen kommen bei seiner Rockumentary voll auf ihre Kosten, wenn die Gitarrengötter Jimmy Page von den legendären Led Zeppelin, The Edge von U2 und Jack White über ihre Suche nach dem perfekten Riff, ihrer Inspiration und der Liebe zur Musik erzählen.
Ein Fest, nicht nur für Guitar-Heros.

O.m.d.U.;
USA 2008 - 97 Min.;
Regie: Anne Fontaine;
Darsteller: (Mitwirkende) Jack White, Jimmy Page, The Edge.

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Die „Stratocaster“ und die „Gibson Les Paul“ sind die wohl berühmtesten und in Sachen Stückzahl weitverbreitetsten E-Gitarren. Sie haben die (Musik-)Welt verändert. Dank eines Muddy Waters, der mit Vorläufern dieser Instrumente den Chicago Blues dominierte, eines Chuck Berry und seiner wegweisenden Riffs („Roll Over Beethoven“) oder eines Jimi Hendrix mit seiner offenen Grifftechnik und den gezielten Rückkopplungen („Star Spangled Banner“).
Das „Stromruder“, wie es das österreichische Multitalent Willi Resetarits alias „Dr. Kurt Ostbahn“ so treffend nennt, hat dem Rock'n'Roll Gehör verschafft, und wenn es zum Einsatz kommt „It Might Get Loud“. So betitelt Davis Guggenheim, 2006 für „Eine unbequeme Wahrheit“ mit dem Dokumentarfilm-Oscar ausgezeichnet, seine aktuelle Arbeit, in der er der Geschichte der E-Gitarre nachspürt.
Dafür durchstöbert Guggenheim keine Archive, befragt keine Musikwissenschaftler und spielt auch keine Platten vor. Seine Rockumentary interessiert sich nicht für Backstage-Dramen mit kreischenden Groupies und kreisenden Joints, sondern bringt lebende Legenden zusammen, lässt sie über sich, ihre Wurzeln und ihre Musik räsonieren: Jimmy Page von Led Zeppelin, The Edge von U2 und Jack White von den White Stripes. Letzterer spannt zu Beginn des Films einen Draht über ein Stück Holz. Klemmt eine leere Cola-Flasche dazwischen und schließt seine Konstruktion an einen Verstärker an – auch so kann man E-Gitarren bauen. Hier sind eindeutig Besessene zu Gange, Meister ihres Fachs. Kaum haben sie eine Melodie gehört, können sie sie schon nachspielen, sie variieren und improvisieren...
Mögen Pages Locken schon schlohweiß leuchten, seine Augen funkeln jugendlich, wenn er in Headley Grange (das berühmte zum Aufnahmestudio umfunktionierte Landhaus in Hampshire) Teile seiner beeindruckenden Gitarrensammlung vorführt und erzählt, wie hier „Stairway to Heaven“ entstand. In Dublin kramt The Edge in einer umfunktionierten Lagerhalle eine Original-Vierspurprobeaufnahme von „Where the Streets Have No Name“ hervor, und in einem Farmhaus in Tennessee erzählt Jack White voller Bewunderung vom Bluesman Son House und wie dieser und dessen Stil ihn nachhaltig beeinflussen.
Page kämpfte gegen den Saccharin-Pop der 60er Jahre an, The Edge gegen die ausschweifenden Soli der 70er und White gegen die seelenlosen Bassmaschinen der 80er. Sie haben gewonnen. Sich durchgesetzt. Überlebt. Jeder für sich und doch auch irgendwie gemeinsam. Und so stehen sie da, diskutieren gelassen Link Wrays „Rumble“, erläutern die Vorzüge ihrer jeweiligen Gitarren und stöpseln diese dann auch ein. Für eine wunderbare Jam Session, die Guggenheims Kameramänner Erich Roland und Guillermo Navarro perfekt einfangen.
Wie heißt es bei Mick Jagger und Keith Richards so schön: „It's Only Rock'n'Roll (But I Like It)“. Stimmt genau.