In seiner faszinierenden Dokumentation
„It might get loud“ huldigt Oscarpreisträger Davis Guggenheim der
treuen Geliebten des Rock. Denn schließlich macht erst der satte
Sound der E-Gitarre den ultimativen Rocksong. Musikliebhaber aus
drei Generationen kommen bei seiner Rockumentary voll auf ihre Kosten,
wenn die Gitarrengötter Jimmy Page von den legendären Led Zeppelin,
The Edge von U2 und Jack White über ihre Suche nach dem perfekten
Riff, ihrer Inspiration und der Liebe zur Musik erzählen.
Ein Fest,
nicht nur für Guitar-Heros. |
Die „Stratocaster“ und die „Gibson Les Paul“ sind
die wohl berühmtesten und in Sachen Stückzahl weitverbreitetsten
E-Gitarren. Sie haben die (Musik-)Welt verändert. Dank eines Muddy
Waters, der mit Vorläufern dieser Instrumente den Chicago Blues dominierte,
eines Chuck Berry und seiner wegweisenden Riffs („Roll Over Beethoven“)
oder eines Jimi Hendrix mit seiner offenen Grifftechnik und den gezielten
Rückkopplungen („Star Spangled Banner“).
Das „Stromruder“, wie es das österreichische Multitalent Willi Resetarits
alias „Dr. Kurt Ostbahn“ so treffend nennt, hat dem Rock'n'Roll Gehör
verschafft, und wenn es zum Einsatz kommt „It Might Get Loud“. So betitelt
Davis Guggenheim, 2006 für „Eine unbequeme Wahrheit“ mit dem Dokumentarfilm-Oscar
ausgezeichnet, seine aktuelle Arbeit, in der er der Geschichte der
E-Gitarre nachspürt.
Dafür durchstöbert Guggenheim keine Archive, befragt keine Musikwissenschaftler
und spielt auch keine Platten vor. Seine Rockumentary interessiert
sich nicht für Backstage-Dramen mit kreischenden Groupies und kreisenden
Joints, sondern bringt lebende Legenden zusammen, lässt sie über sich,
ihre Wurzeln und ihre Musik räsonieren: Jimmy Page von Led Zeppelin,
The Edge von U2 und Jack White von den White Stripes. Letzterer spannt
zu Beginn des Films einen Draht über ein Stück Holz. Klemmt eine leere
Cola-Flasche dazwischen und schließt seine Konstruktion an einen Verstärker
an – auch so kann man E-Gitarren bauen. Hier sind eindeutig Besessene
zu Gange, Meister ihres Fachs. Kaum haben sie eine Melodie gehört,
können sie sie schon nachspielen, sie variieren und improvisieren...
Mögen Pages Locken schon schlohweiß leuchten, seine Augen funkeln jugendlich,
wenn er in Headley Grange (das berühmte zum Aufnahmestudio umfunktionierte
Landhaus in Hampshire) Teile seiner beeindruckenden Gitarrensammlung
vorführt und erzählt, wie hier „Stairway to Heaven“ entstand. In Dublin
kramt The Edge in einer umfunktionierten Lagerhalle eine Original-Vierspurprobeaufnahme
von „Where the Streets Have No Name“ hervor, und in einem Farmhaus
in Tennessee erzählt Jack White voller Bewunderung vom Bluesman Son
House und wie dieser und dessen Stil ihn nachhaltig beeinflussen.
Page kämpfte gegen den Saccharin-Pop der 60er Jahre an, The Edge gegen
die ausschweifenden Soli der 70er und White gegen die seelenlosen Bassmaschinen
der 80er. Sie haben gewonnen. Sich durchgesetzt. Überlebt. Jeder für
sich und doch auch irgendwie gemeinsam. Und so stehen sie da, diskutieren
gelassen Link Wrays „Rumble“, erläutern die Vorzüge ihrer jeweiligen
Gitarren und stöpseln diese dann auch ein. Für eine wunderbare Jam
Session, die Guggenheims Kameramänner Erich Roland und Guillermo Navarro
perfekt einfangen.
Wie heißt es bei Mick Jagger und Keith Richards so schön: „It's Only
Rock'n'Roll (But I Like It)“. Stimmt genau.
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