Eine Clique von Freunden Ende 30 macht mit ihren Frauen in Cap Ferrat Urlaub - mit ein bisschen schlechtem Gewissen, denn ein Freund liegt gerade im Krankenhaus. Doch alsbald lassen sie es krachen beim Feiern im Haus eines reichen Freundes. Dabei gibt es auch Reibereien. So sind die Herren eifersüchtig aufeinander, sei es ob des beruflichen Erfolgs oder der Frauen. Der brave Familienvater Vincent kämpft mit seinen homosexuellen Neigungen, die sexuell hungrige Marie will nicht treu sein. Sommerliche Tragikomödie, die ähnlich wie die Klassiker "Der große Frust" oder "Peter's Friends" eine Gruppe von Freunden unter die Lupe nimmt, allerdings weniger tiefschürfend und weniger bissig. Für sein Ensemblestück versammelte Guillaume Canet, der zuletzt mit "Kein Sterbenswort" einen komischen Thriller ablieferte, die Crème de la Crème der schauspielenden Kollegen, wie Benoit Magimel, Jean Dujardin oder Marion Cotillard. In seiner Heimat landete er einen Publikumshit.

...unverschämt unterhaltsames Sommerkino, das sich sicher zwischen Urlaubsspaß und melodram bewegt.
KulturSPIEGEL


F 2010 - 154 Min.; ab 12;
Regie: Guillaume Canet;
Darsteller: François Cluzet, Marion Cotillard, Benoît Magimel, Gilles Lellouche, Jean Dujardin, Laurent Lafitte, Valérie Bonneton
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Es ist Sommer. Und jedes Jahr im Sommer geht es für ein knappes Dutzend Freunde an die südwestfranzösische Atlantikküste nach Cap Ferret, in das Ferienhaus von Max (François Cluzet). Doch noch sind sie alle in Paris, und das Schicksal will es, dass einer von ihnen, Ludo (Jean Dujardin), nach einem Discobesuch auf seinem Motorrad urplötzlich an einer Kreuzung von einem Transporter erwischt wird. Ludo kommt auf die Intensivstation, wo er mit dem Leben ringt. Die Freunde sind bestürzt, vor allem auch Ludos Ex-Freundin Marie (Marion Cotillard). Sukzessive versammeln sich alle im Krankenhaus. Und, nachdem sie alle bei ihm waren, beginnen sie bereits draußen auf der Straße darüber zu diskutieren, ob sie nun überhaupt ohne ihn an den Atlantik fahren können oder alle in Paris bleiben. Trotz Maries heftiger Proteste entschließt sich die Clique, zu fahren. Was hat der Schwerkranke schließlich davon, wenn sie alle seinetwegen hier bleiben und bangen und hoffen würden?! In Cap Ferret angekommen, gehen die Befindlichkeiten, Eifersüchteleien und Verletzungen untereinander alsbald los. Der pedantische, stets angespannte Max regt sich noch am Ankunftstag über den Zustand des Anwesens und des Rasens auf. Der wahre Grund für seinen Zorn liegt woanders: Vincent (Benoît Magimel) hat ihm noch vor der Abreise gestanden, dass er eine Zuneigung für ihn empfinde, die über freundschaftliche Sympathie hinausgeht. Und das, obwohl Vincent ganz gewiss nicht schwul sei, Frau und Kind hat. In jeder Geste, in jedem Blick Vincents vermutet Max nunmehr eine versteckte Avance. Véronique (Valérie Bonneton), Max' Frau, und Isabelle (Pascale Arbillot), Vincents Frau, spüren beide, dass da etwas nicht stimmt. Derweil nerven Èric (Gilles Lelouche) und Antoine (Laurent Lafitte) die Gruppe mit ihrem akuten Liebeskummer, wurden sie doch beide von ihren Freundinnen verlassen. Als schließlich auch noch einer der diversen Liebhaber Maries auftaucht, und sie, die sie einerseits viel an Ludo denken muss, andererseits panische Bindungsängste hat, noch mehr aus dem Gleichgewicht fällt, da ist es mit Harmonie und Erholung im Gruppenurlaub endgültig vorbei. Regisseur Guillaume Canet, seines Zeichens eigentlich und hauptsächlich Schauspieler, legt mit "Kleine wahre Lügen", der im Original ungleich prosaischer "Les petits mouchoirs" ("Kleine Taschentücher") heißt, seine dritte Regiearbeit vor, zu der er auch das Drehbuch verfasste. "Kleine wahre Lügen" ist ein klassischer Ensemblefilm, der ob seiner Einheit des Ortes zum Kammerspiel im Freien gerät. Regisseur Guillaume Canet knüpft damit durchaus an eine Tradition des französischen Films an, nicht nur an die sommerlichen Etüden des großen Eric Rohmer, sondern auch und gerade an die wunderbaren Ensemblefilme von Claude Sautet, insbesondere etwa an "César et Rosalie" (1972), mit Romy Schneider, Yves Montand und Isabelle Huppert, der in Paris und in Sète spielt, in der Vendée an der Atlantikküste. Und ähnlich wie bei Sautet geht Canet dem auf dem Grund, was hinter allem liegt, das diese verletzten, teils schon in die Jahre gekommenen Menschen antreibt. Hoffnungen wurden enttäuscht, Träume sind geplatzt, Beziehungen kaputt gegangen - all dies liegt hier unter dem vordergründigen Geplänkel, das sich die Freunde vielleicht gerade deswegen liefern. Es sind Menschen, die sich und den anderen etwas vormachen. Die behaupten oder wünschen, ein anderer zu sein. Vielleicht liegt es auch an der epischen Länge von stattlichen 154 Minuten, dass Guillaume Canet das tiefgründige Beleuchten dieser Menschen so gut gelingt. Ein jeder wird sich in diesem berührenden Filmjuwel wiedererkennen. Das kann amüsieren, das kann aber auch schmerzen.
Thilo Wydra (KinoKino)