Charlie Wilson ist eine Legende in Washington, weil er das Leben eines Abgeordneten und das eines Playboys in Einklang bringt. Doch seine größte Leistung bewirkt er im Verborgenen. Mit Hilfe eines CIA-Agenten treibt er das kleine Geheimdienstbudget zur Unterstützung der Mudschahedin im Kampf gegen die Sowjets in gewaltige Höhen. Doch damit sät er die Saat, aus der in Afghanistan Amerikas erbittertste Feinde keimen werden. Wie schon in "Mit aller Macht" gelingt Mike Nichols mit einer Adaption eines Sachbuchbestsellers eine Satire, die unterhaltsam die Mechanismen und Fallstricke der Politik zeigt. Vor und hinter der Kamera mit Qualität besetzt, kann sich der Regisseur auf Aaron Sorkins witziges, intelligentes Drehbuch sowie auf Tom Hanks als Sympathieträger stützen, während Philip Seymour Hoffmans zynisch-kritische Stimme Heroisierung verhindert.
Prädikat: besonders wertvoll;
USA 20078 - 102 Min.; ab 12;
Regie: Mike Nichols;
Darsteller:
Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Ned Beatty, Emily Blunt, Rachel Nichols.

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Charles Wilson, Jahrgang 1933, ehemaliger Offizier der US-Marine, kam 1960 als Wahlhelfer von John F. Kennedy mit Politik in Berührung. Angesteckt von den liberalen Ideen des damaligen Präsident-schaftskandidaten, bewarb sich Wilson selbst um ein Amt – und zog bereits ein Jahr später ins Repräsentantenhaus von Texas ein. Dort kam der Demokrat zu einigem Ruhm, weil er sich in dem mehrheitlich konservativen Bundesstaat für Gleichberechtigung, Krankenversicherung für alle und das Recht auf Abtreibung einsetzte. Zwölf Jahre wirkte er in Austin, Texas, bevor er in Washington im Januar 1972 als Abgeordneter in den US-Kongress gewählt wurde.
In der Hauptstadt führte Charlie Wilson überwiegend das Dasein eines Hinterbänklers, der sein Leben in vollen Zügen genoss. Alkohol, Sex, Drogen, der Lebemann ließ nichts aus und geriet dadurch auch ins Visier von Moralwächtern und Untersuchungsausschüssen. Der Zufall wollte es, dass ihm 1980 ein Bericht über den Russisch-afghanischen Krieg in die Hände fiel. Bestürzt darüber, wie wenig die Waffen der Afghanen den hochgerüsteten Russen entgegensetzen konnten, mobilisierte er sämtliche Gelder, die dem Geheimdienst für versteckte Operationen zur Verfügung standen. Gemeinsam mit dem CIA-Agenten Gust Avrakotos organisierte er den Widerstand der Afghanen und ließ ihnen über verschlungene Pfade hochmoderne Panzer- und Flugabwehrwaffen zukommen – mit dem Ergebnis, dass die russische Armee 1989 geschlagen über die Grenze in die Heimat zurückkehrte. So weit die tatsächlichen Ereignisse.

Die wahre Geschichte des Charlie Wilson hat einer seiner Wegbegleiter, der CBS-Reporter George Crile (1945 – 2006), recherchiert und in seinem Buch „Charlie Wilson’s War“ aufgeschrieben. Aaron Sorkin, einer der talentiertesten Autoren Hollywoods, hat aus diesem Tatsachenbericht ein fulminantes Drehbuch geschneidert: temporeich, gescheit und mit einer großzügigen Portion Humor. Wie schon zuvor mit „Eine Frage der Ehre“, „Hallo, Mr. Präsident“ und vor allem mit der TV-Serie „The West Wing“ ist es ihm auch hier perfekt gelungen, mit politischen Inhalten Unterhaltung auf höchstem Niveau zu liefern.

Das Skript, das sicherlich zum Besten gehört, was Hollywood in den letzten Jahren produzierte, macht es allen Beteiligten leicht. Regisseur Mike Nichols („Hautnah“) inszenierte mit sicherer Hand ein spielfreudiges Starensemble. Neben Tom Hanks und Julia Roberts überzeugt in der Rolle des CIA-Agenten Philip Seymour Hoffman („Capote“), der hierfür seinen zweiten Oscar verdient hätte.

Klar, seine her bescheidenen Schauwerte werden es dem Film beim breiten Publikum nicht leicht machen. Dafür liefert „Der Krieg des Charlie Wilson“ den Beweis, dass Hollywood nicht nur Special-Effects-Gewitter, sondern tatsächlich auch noch intelligentes Kino produzieren kann.