»Bittere Komik, bebende Tragik - von wahrhaftiger Wucht!«
ROLLING STONE

»In einem rauschenden Fest der Destruktion wird dem Frust jenseits der Kotzbeutelchengrenzen freier Lauf gelassen. Höchst unterhaltsam wird das verkrampfte positive Denken dekonstruiert, mit dem unsere Therapiegesellschaft das persönliche Leid Einzelner unsichtbar zu machen versucht. Ein gradliniges "Feel-Bad-Movie", das lustvoll davon erzählt, dass im tiefen Tal des Sarkasmus einfach die besten Partys gefeiert werden!«
DRESDNER

»Ein intelligentes Plädoyer gegen Political Correctness und Gute-Laune-Zwang, das so clever wie unterhaltsam ist!«
CINEMA

»Seine Kunst des negativen Denkens verwandelt nach dem Muster der Laurel-und-Hardy-Filme Therapieräume in Schlachtfelder. erst wenn Trauer und Wut nicht nur im hübsch gehäkelten Kotzbeutel, sondern auf dem Tisch landen und vom Gegenüber ertragen werden, ist die Zeit fürs positive Denken und Fühlen angebrochen. Seit "Was ist mit Bob?" hat Therapie im Kino nicht mehr so viel Spaß gemacht!«
STRANDGUT

»Ein böses Vergnügen, ein Film für alle, die ihre Witze schwarz, dunkel und bitter bevorzugen - ein schöner ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Heile-Welt- und Friede-Freude-Eierkuchen-Kino!«
JOURNAL FRANKFURT
Egal in welcher Lebenslage man steckt: mit positiven Gedanken lässt sich auch das übelste Missgeschick ins Gute wenden. Der norwegische Regisseur Brad Breien sieht das anders. In „Die Kunst des negativen Dankens“, eine Produktion des "Elling"-Machers Dag Alveberg, unternimmt er einen schwarzhumorigen Angriff auf jedwede Lebensbeschönigung. Anführer ist ein Mann im Rollstuhl, der Psychophrasen mit Sarkasmus begegnet. Mitleid hat man hier noch am ehesten mit jenen, die Anfangs ihre Hilfe anbieten.
Norwegen 2007 - 79 Min.; ab 12;
Regie: Bård Breien;
Darsteller:
Fridtjov Såheim, Kirsti Eline Torhaug, Henrik Mestad, Marian Saastad Ottesen, Kari Simonsen, Per Schaaning, Kjersti Holmen.

Homepage

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Der Streifenpolizist schaut verdutzt, als Psychotherapeutin Tori ihm bei der Kontrolle nach einer auffällig kurvenreichen Autofahrt fröhlich lächelnd erklärt, das mit dem Strafzettel sei gar nicht schlimm, den zahle ja ohnehin die Gemeindekasse. Ihre zur Therapiegruppe gehörenden Mitreisenden lachen zustimmend. Was ist schließlich schon ein Knöllchen gegen das Schicksal, mit einer Behinderung, einer Depression oder sonst einem persönlichen seelischen oder geistigen Handicap leben zu müssen. Tori hat ihre Gruppe gut getrimmt: mit positiven Gedanken lenken sie sich von ihren Problemen, Sorgen und Ängsten ab. Klappt das einmal nicht, ist das gehäkelte Kotzbeutelchen zur symbolischen Entsorgung des negativen Gedankenguts zur Stelle.

Würde der norwegische, von „Elling“-Produzent Dag Alveberg produzierte Film auf dieser Schiene weitermachen und seine Protagonisten in die Welt der „normalen“, gewissermaßen sorgenfreien Menschen entlassen, allein dies hätte bereits eine amüsante Komödie abgegeben. Autor Brad Breien aber geht in seiner zweiten Regiearbeit auf direkten Konfrontationskurs innerhalb der Gruppe selbst. Ausgelöst wird der Umschwung durch den Besuch der Gruppe bei einem potenziellen neuen Mitgliedspaar. Der nach einem Umfall an den Rollstuhl gefesselte Geirr (Fridjov Saheim) aber will von diesem Gruppenquatsch nichts wissen. Er ist in seiner zurückgezogenen neuen Welt mit Weltuntergangsfilmen (in seinem Zimmer hängt ein Plakat von „Deer Hunter“, er selbst schaut gerade „Apocalypse Now: Redux“) zufrieden, raucht dicke Joints und hört am liebsten Johnny Cash.

Mit seinem anarchistischen und störrischen Auftreten bricht Geirr den Zusammenhalt der Gästeschar auf. Seine Philosophie: ohne die Kunst des negativen Denkens wird man seine Probleme nie gelöst bekommen. Der Treppenlift für seinen Rollstuhl in seinem kleinen Häuschen, in dem gut zwei Drittel der Handlung spielen, steht immer wieder für die Aufs und Abs der schwankenden Gemütszustände und die unterschiedlichen Blickwinkel auf die von Problemen behafteten Leben der Protagonisten. Thematisiert werden auch die Rollen der gesunden und scheinkranken Partner, deren Leben sich aber durch den Einschnitt im Leben des Mannes oder der Freundin ebenfalls entscheidend gewendet hat. Es geht dabei um Zusammenhalt und Treue, um Frust und Schuldbekenntnis bis hin zum Umgang von Sexualität und Einsamkeit.

Ernste Themen also, die hier verhandelt werden. Die Kunst dieser Komödie besteht nun aber genau darin, all dies nicht zu verschweigen, sondern durch die Bissigkeit und rückhaltlose Konfrontation offen auszusprechen. Das Mittel dazu sind schwarzer Humor und Sarkasmus, die Erkenntnis am Ende jene, dass Schicksale im Zweifelsfall immer relativ zu betrachten sind. Auch wenn einem das Lachen in dieser kleinen Produktion manchmal im Hals stecken bleiben kann: hier mit den Behinderten und vom Leben gezeichneten Menschen mitzulachen, hat befreiende Wirkung. Das erkennt am Ende auch die Therapeutin Tori, als sie feststellt, dass ab und zu das Menschliche wichtiger sei als auf Prinzipien zu bestehen.