Mit geballter Star-Power bietet
die romantische Hollywoodkomödie „Larry Crowne“ in Zeiten von schleichender
Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit humorvolle Unterhaltung
ohne großes Drama. Die beiden Oscarpreisträger Julia Roberts und
Tom Hanks beweisen in dem unbeschwerten Feel-Good-Movie über einen
liebenswert biederen Supermarktangestellten, der plötzlich entlassen
wird, erneut ihr schauspielerisches Können. Gleichzeitig inszeniert
Titelheld Hanks als Regisseur die Story locker und sorgt für groteske
Situationskomik. Außerdem stimmt die Chemie zwischen den beiden Schauspiel-Ikonen,
die in klassischer Screwball-Manier zueinander finden. |
USA
2011 - 99 Min.; ab 12;
Regie: Tom Hanks;
Darsteller: Tom Hanks, Julia Roberts, Bryan Cranston, Gugu Mbatha-Raw,
Cedric the Entertainer, Taraji P. Henson, Wilmer Valderrama, Pam Grier,
George Takei, Rami Malek, Nia Vardalos, Maria Canals-Barrera.
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„Larry Crowne“, tönt es verzerrt aus
dem Kaufhaus Lautsprecher, „ in den Personalbereich“. Der beflissene
Verkäufer (Tom Hanks) kann sein Glück kaum fassen. Glaubt er doch
fest daran, dass er auch diesmal wieder zum „Mitarbeiter des Monats“
gewählt wurde. Doch in der Chefetage erwartet den biederen Angestellten
ein herber Schock. Er ist gefeuert. Perfider Grund: Sein fehlender
Collegeabschluss macht es dem Unternehmen angeblich unmöglich ihn
weiter zu befördern. Der geschiedene Single ist am Boden zerstört,
denn der Job in der Supermarktfiliale war sein Leben. In seiner Not
wagt der verzweifelte Arbeitslose einen mutigen Schritt: Er entschließt
sich noch einmal die Schulbank zu drücken, um seinen Abschluss nachzuholen.
Im örtlichen College begegnet der unverbesserliche Optimist Mercedes
Tainot (Julia Roberts), einer resignierten Lehrerin. Auch sie steckt
in einer ziemlichen Krise. Ihr Mann Dean (Brian Cranston) , ein gescheiterter
Schriftsteller, lebt auf ihre Kosten. Während sie den Lebensunterhalt
verdient, sitzt er zuhause und sieht sich im Internet Pornos an.
Vergeblich versucht die attraktive Ehefrau ihren Kummer mit Alkohol
zu betäuben.
„Da sind alle“, stellt die Dozentin bei Semesterbeginn
zunächst enttäuscht fest, als sie morgens um acht Uhr den Seminarraum
betritt. „Tschuldigung, die Mindestkursteilnehmer sind zehn Studenten“,
erklärt die frustrierte Pädagogin, „also findet der Kurs nicht statt“.
Sichtlich erleichtert will sie ihren Rhetorik-Kurs absagen. Doch
in diesem Moment stolpert der unbeholfene Larry verspätet in seine
erste Unterrichtsstunde im Programm für Erwachsenenbildung. Und damit
beginnt ein Kurs, der nicht nur sein Leben verändern wird.
Tom Hanks,
der sich mittlerweile überwiegend als Produzent betätigt, spielt
nicht nur die Titelrolle, sondern führt nach langer Pause wieder
Regie. Zusammen mit Nia Vardalos aus dem Überraschungshit „My Big
Fat Greek Wedding“ schrieb der 54jährige auch das Drehbuch. „Das
Leben hat so manche Überraschungen parat. Es ist wie eine Schachtel
Pralinen, man weiß nie, was als nächstes kommt.“ Diese Lebensweisheit
aus seiner Oscar prämierten Tragikomödie „Forrest Gump“ dient dem
bescheidenen Hollywoodstar scheinbar auch als Leitmotiv seiner neuen
charmanten Komödie. Seine große Stärke liegt freilich nach wie vor
darin treuherzig Figuren zu verkörpern, die trotz Pechsträhnen und
Schicksalsschlägen optimistisch bleiben.
„Forrest Gump“ küsst „Erin
Brockovich“ witzelte die US- Presse bereits. Zuletzt standen die
Oscar-gekürten Schauspiel-Ikonen der vergangenen beiden Kino-Jahrzehnte
in Mike Nichols großartiger Politkomödie „Der Krieg des Charlie Wilson“
gemeinsam vor der Kamera. Und auch auf diesem Set verstand sich das
Paar augenscheinlich blendend. Immer noch ist es die Mischung aus
entwaffnendem Temperament, zurückhaltender Schüchternheit und ungekünstelter
Natürlichkeit, die Julia Roberts nach wie vor anziehend macht. Dieses
Erfolgsrezept taugt auch jenseits der vierzig und hat nichts von
seiner Magie verloren, mit dem die waschechte Komödiantin vor mehr
als zwanzig Jahren als „Pretty Woman“ Filmgeschichte schrieb. Nur
bei einer Sache geht sie keine Kompromisse ein: Nacktszenen sind
absolut tabu. Für romantische Beziehungsreigen wie diesen kein Problem.
In den Nebenrollen glänzt vor allem das unvergleichliche Original
George Takei als exzentrischer asiatischer Wirtschaftsprofessor Ed
Matsutani. Seine Auftritte zählen zu den Highlights des Filmes. Aber
auch die erfrischende Präsenz der Newcomerin Gugu Mbath-Raw überzeugt.
Als temperamentvolle Studentin peppt sie den etwas verstaubten „Oldie“
Larry mit neuen Klamotten und neuer Frisur modisch auf, sodass sogar
ihr Freund eifersüchtig wird. Schade jedoch, dass Pam Grier, die
unbestrittene Königin des Blaxploitation-Kinos, die mit der Titelrolle
in Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ ein triumphales Comeback feierte,
nur am Rande auftaucht.
Luitgard Koch (programmkino.de) |