Der unscheinbare Kellner David wittert seine große Chance, die Aufmerksamkeit von Marie auf sich zu ziehen. Mithilfe eines nicht veröffentlichten Romans aus fremder Feder, will er ihr Herz erobern. Mit ungeahnten Folgen...
Die Kinoadaption des gleichnamigen Romans von Martin Suter ist ein turbulenter Filmspaß mit einem grandiosen Hauptdarstellertrio aus Daniel Brühl, Hannah Herzsprung und Henry Hübchen.



D 2009 - 104 Min.; ab 6;
Regie: Alain Gsponer;
Darsteller: Daniel Brühl, Hannah Herzsprung, Henry Hübchen, Kirsten Block, Alexander Khuon, Godehard Giese, Stefan Ruppe, Henriette Müller, Simon Eckert.

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Zahlreiche Menschen träumen davon, etwas im Leben geschaffen zu haben, das ihr eigenes Dahinscheiden über Generationen hinweg überdauert - eine geniale Musikkomposition mit Top-Platzierung in den Charts, ein unvergleichliches und nie da gewesenes Kunstwerk, um welches sich die internationalen Galerien reißen oder aber den ultimativen Bestsellerroman, der nicht mehr und nicht weniger als eine neue Ära in der Weltliteratur einläutet. Im letzteren Fall haben fast ebenso viele Menschen wenigstens einige beschriebene Seiten in einer Schublade liegen, die ihre bislang ungekrönten Versuche, als Bestsellerautor Fuß zu fassen, dokumentieren. Bei David Kern (Daniel Brühl) liegt der Fall jedoch ganz anders. Zwar hat auch er einen Schwung beschriebener Seiten in der Schublade einer Kommode liegen, doch sind diese weder Ausdruck seines Talentes noch der Versuch, seinen kreativen Lebenstraum zu erfüllen. Genauer gesagt sind diese Seiten nicht einmal von ihm beschrieben worden. Und doch haben sie das Zeug zum ganz großen literarischen Durchbruch.

Das Ganze begann damit, dass Daniel wenigstens ein Auge auf die attraktive Marie (Hannah Herzsprung) geworfen hat. Als Kellner darf er seinem Gast aber gerade mal das Wasser reichen. Marie steht auf Schriftsteller und in ihrem Dunstkreis bewegen sich auch solche, die zumindest vorgeben das Zeug dazu zu haben. Daniel zählt nicht zu diesem erlauchten Kreis. Er fühlt sich nicht gerade kreativ zu Höherem berufen und ist in dieser Hinsicht auch eher einfach gestrickt. Als er Marie auf dem Flohmarkt trifft und auf ihr Geheiß hin eine olle Kommode ersteht, kommt alles wie es offenbar kommen sollte. Die Schublade der Kommode klemmt und birgt ein ungeahntes Geheimnis. Nur mit Brachialgewalt gelingt es Daniel dieses zu lüften. Ein altes Manuskript kommt zum Vorschein. Lose Blätter, die in ihrer Gesamtheit einen fertig geschriebenen Roman bilden. Und was für einen! Eine Liebesgeschichte, die in den 50er Jahren angesiedelt ist und mit besonderer Reife und viel Gefühl erzählt wird. Das ist Daniels große Chance. Er überträgt die Seiten in seinen Computer, setzt seinen Namen darunter und druckt sie erneut aus. Nun hat er den nötigen Lesestoff an der Hand, um Marie zu imponieren. Eine ziemlich blöde Idee, die sich allzu schnell verselbstständigt und darin gipfelt, dass David auf einer Autogrammstunde plötzlich einem abgehalfterten Herumtreiber namens Jacky (Henry Hübchen) gegenübersteht, dem wahren Autor von „Lila, Lila“.

Der immer wieder auf Neue überzeugende Darsteller Daniel Brühl (Good Bye Lenin!, Inglourious Basterds) hatte sich bereits frühzeitig dafür stark gemacht, die Rolle des unscheinbaren Kellners, der durch einen Zufall zum Literaturstar avanciert und dabei von einem Unheil ins nächste stolpert, zu übernehmen. Die Buchvorlage von Martin Suter hatte Brühl bereits beim Einlesen des Hörbuchs zu schätzen gelernt. So erweist sich die Besetzung des Films in der Tat als ein absoluter Glücksgriff. Die Rolle des David Kern scheint Daniel Brühl wie auf den Leib geschneidert. Doch damit nicht genug. An seiner Seite agieren wenigstens zwei Darsteller, die in diesem Film einmal mehr über sich hinauswachsen. Dabei ist vor allem Henry Hübchen in der Rolle des verkannten und wahrlich unsympathischen Genies Jacky eine Performance gelungen, die ihresgleichen sucht.

Überdies besticht der neue Film von Alain Gsponer (Das wahre Leben) durch die insgesamt ebenso spritzige wie charmante Inszenierung. Eine turbulente Komödie, die niemals an Tempo verliert und sich dennoch leise und tragikkomische Zwischentöne erlaubt. Und selbst wenn die Kinoadaption gerade zum Ende hin von der Romanvorlage abweicht, bleibt sie ein durchweg gelungener und kurzweiliger Filmspaß.