"Eine für sichtbar wenig Geld realisierte Farce, brutal, absurd und
manchmal ziemlich witzig."
KulturSPIEGEL
Die beiden französischen Filmemacher
Gustave Kervern und Benoît Delépine pflegen in ihren Geschichten
stets einen äußerst schwarzen, absurden Humor. Dieser und ein Faible
für schrullige, eigenbrötlerische Charaktere zeichnet auch ihre neueste
Zusammenarbeit aus. „Louise hires a Contract Killer“ entpuppt sich
als respektlose Anarcho-Komödie, die vor dem Hintergrund der aktuellen
Wirtschaftskrise den Finger nicht nur in die Wunde legt, sondern
genüsslich darin herumpult. |
Frankreich
200 - 94 Min.; ab 16;
Regie: Gustave de Kervern, Benoît Delépine;
Darsteller:
Yolande Moreau, Bouli Lanners, Benoît Poelvoorde, Mathieu Kassovitz,
Albert Dupontel, Jean-Luc Ormieres.
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Die Fabrik von Louise und ihren Kollegen wurde über
Nacht leer geräumt, die Maschinen mitsamt ihren Arbeitsplätzen nach
Asien exportiert. Von der Gewerkschaft bekommen sie eine kleine Abfindung
- gerade genug, um ihren Mordplänen einen professionellen Anstrich
zu verleihen.
Louise, eine pedantisch unattraktive Mittvierzigerin übernimmt das
Kommando: Um den einstigen Boss zu richten, stellt sie Michel vom
Wohnwagenpark als ihren Henker ein. Als sich jedoch herausstellt,
dass dieser keinen blassen Schimmer von roher Gewalt hat, hilft sie
selbst nach. Fortan taumeln beide Antihelden gemeinsam auf den Spuren
ihres Opfers durch die skurrilen Unwägbarkeiten des Plots.
Wenn bei dieser Komödie im Kino die Saalbeleuchtung ausgeht, dann
wird es pechschwarz. Denn der Humor des französischen Regie-Duos
Benoît Delépine und Gustave Kevern kennt keine Tabus. Gags über Behinderte,
Krebskranke oder Figuren fernab jeder sozialen Kompatibilität: Dieser
Film begräbt jegliche politische Korrektheit mit Hochgenuss. Dabei
überschreiten die Regisseure die Grenze des zumutbaren Humors so
oft, bis es sie nicht mehr gibt.
Grenzverletzungen zum reinen Selbstzweck bleiben jedoch die Ausnahme.
Denn im Subtext des Films lauern ernste Themen: Es geht um die Globalisierung,
sexuelle Orientierungen und soziale Stigmatisierung. Underdogs jeglicher
Couleur bilden hierbei nicht nur die Zielscheibe des Sarkasmus, sondern
sind selbst dessen Akteure. Wenn Louise und Michel eine Unwahrscheinlichkeit
nach der anderen durchleben und man als Zuschauer zwischen Sympathie
und Abscheu schwankt, so ist das in höchstem Maße sehenswert.
Erst der deutsche Filmtitel zollt den Bilderwelten des Regisseurs
Aki Kaurismäki ("I hired a contract killer") Tribut. Im
französischen Original heißt der Film wie seine Hauptpersonen: "Louise & Michel".
Mit der Namensgebung erinnern die Regisseure an die gleichnamige
französische Freiheitskämpferin (1813-1905). "Louise hires a
contract killer" ist ein Sozial-Western, dessen Charaktere wortwörtlich
zum Schießen sind. Ein Film, der beweist, dass das Kino auch in Zeiten
der globalen Finanzkrise die sozialen Fragen nicht mit biederer Strenge
beantworten muss. 90 pechschwarze Minuten mit zwei anarchischen Ausnahmekillern
sind manchmal mindestens genauso gut.
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