Männer und Synchronschwimmen.
Die schwedische Außenseiter-Komödie „Männer im Wasser“ führt diese
scheinbaren Gegensätze im Rahmen einer nicht immer ganz konfliktfreien
Vater-Tochter-Geschichte zusammen. Das Resultat ist ein heiteres,
sehr charmantes Feel-Good-Stück, dessen Strickmuster sehr an Erfolgskomödien
wie „Ganz oder gar nicht“ erinnert. Mit seinen liebenswerten Figuren
ist der Film insgesamt recht überzeugend gelungen. |
Originaltitel:
Allt flyter;
Deutschland
/ Schweden 2008 -
100 Min.; ab 0;
Regie: Måns Herngren;
Darsteller:
Jonas Inde, Amanda Davin, Benny Haag, Jimmy Lindström, Kalle Westerdahl,
Andreas Rothlin Svensson.
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Auf das Älterwerden ist nicht jeder gleichermaßen
vorbereitet. Während nicht wenige Frauen mit Hautcremes der Natur
zumindest temporär Paroli zu bieten hoffen, leiden Männer eher still
vor sich hin. Manch einer, der es sich leisten kann, kauft sich in
seiner Midlife-Crisis einen schnellen Sportwagen. Für den arbeitslosen
Journalisten Fredrik (Jonas Inde) ist das allein schon aufgrund seiner
finanziellen Möglichkeiten keine wirkliche Option. Die Ehe des Mittvierzigers
scheint am Ende, und während seine Frau in London Karriere als TV-Reporterin
macht, muss er sich daheim in Schweden mit seiner pubertierenden
Tochter Sara (Amanda Davin) auseinandersetzen.
Dem passionierten Freizeit-Sportler reicht es. Er sucht eine neue
Herausforderung und findet sie dort, wo es wohl kaum einer seiner
Freunde vermutet hätte. Aus einer reichlich albernen Idee für einen
Junggesellenabschied entwickelt Fredrik neuen Ehrgeiz: Er plant,
eine Mannschaft im Synchronschwimmen aufzubauen. Zusammen mit seinen
Hockey-Kumpels, die der Idee zunächst skeptisch gegenüberstehen,
will er Schweden bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Berlin
vertreten. Bis es soweit ist, muss die Truppe jedoch ein hartes Trainingsprogramm
absolvieren. Dumm nur, dass keiner der Männer von Synchronschwimmen
auch nur die geringste Ahnung besitzt. In dieser scheinbar aussichtslosen
Lage bietet sich Fredriks Tochter unverhofft als Coach der Möchtegern-Grazien
an. Sie glaubt an ihren Vater und an dessen ungewöhnliches Projekt.
So neu und ungewöhnlich das Thema Synchronschwimmen – noch dazu,
wenn es von Männern ausgeübt wird – auf den ersten Blick auch erscheinen
mag, die Idee, die dahinter steckt und die das Drehbuch von Måns
Herngren und Jane Magnusson äußerst charmant aufgreift, ist nur bedingt
originell. Männer in der Midlife-Crises bieten sich als Stoff für
eine tragikomische Erzählung förmlich an. In Erinnerung bleibt vor
allem die britische Underdog-Geschichte „Ganz oder gar nicht“. Diese
nennt Autor und Regisseur Herngren dann auch als eine der wichtigsten
Inspirationsquellen für seinen Film. Wie die strippenden Working-Class-Helden
in Peter Cattaneos Überraschungserfolg sind auch die schwedischen
„Männer im Wasser“ uneingeschränkte Sympathieträger, deren kleine
Missgeschicke und Freuden sich unmittelbar auf den Zuschauer übertragen.
Es macht einfach Spaß mitzuerleben, wie sich Fredrik dank der neuen
Herausforderung allmählich aus seinen privaten wie beruflichen Zwängen
freikämpft.
Ganz nebenbei erfährt man einiges Wissenswertes über eine oftmals
belächelte Sportart. Synchronschwimmen wurde einst von Männern erfunden
und anfangs nur von diesen ausgeübt. Frauen war es hingegen bis in
die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts verboten, sich derart
freizügig in der Öffentlichkeit zu zeigen. Interessant ist vor diesem
Hintergrund, wie der Film die Geschlechterrollen vertauscht und in
Person von Fredriks Tochter Sara ein selbstbewusstes und zugleich
modernes Frauen-/Mädchenbild etabliert. Sie ist es, die der chaotischen
Männer-Truppe Disziplin beibringt und die Organisation schultert.
Die wiederkehrenden Konflikte zwischen ihr und ihrem Vater werden
von Hernsgren und Magnusson allerdings nur halbherzig verfolgt. Ohnehin
bestehen von Beginn an keine Zweifel am positiven Ausgang von Fredriks
Aufbauprogramm für müde Männer.
Der schwedische Kommentar zur viel zitierten Midlife-Crises bietet
vornehmlich leichte Unterhaltung mit queerem Unterton. Letzteres
überrascht ebenso wenig wie der kurze Gastauftritt auf der Stockholmer
Gay-Pride. Auch ist es nicht unwahrscheinlich, dass Hollywood schon
bald bei Herngren anklopft und sich die Rechte für ein Remake sichert.
Die Traumfabrik liebt bekanntlich Feel-Good-Geschichten, in denen
Außenseiter groß rauskommen. |