Eine herzhafte Wohlfühlkomödie
über eine junge Liebe und verschrobene Traditionen in einem azurblauen,
nostalgischen Bella Italia der 50er Jahre. Ein zuckersüßes Märchen,
romantisch, liebevoll, witzig, verspielt, vor allem aber: so überzogen,
dass es schon wieder ironisch wirkt. Läßt man sich drauf ein, ist
gute Laune garantiert. Und wenn im letzten Jahr die verspielte griechische
Sommerkomödie „Kleine Verbrechen“ es geschafft hat, Besucher anzuziehen,
sollte das dieser italienischen Sommerkomödie auch gelingen. Wenn
man sich drauf einlässt... |
Marcello Marcello" – wenn man diesen Filmtitel
nahezu singend in einem Wort ausspricht und mit ganz viel Liebe auf
der Zunge, dann schmeckt man schon fast, wie dieser Film ist. Versetzt
man sich dann noch in ein fiktives nostalgisches 50er-Jahre Süditalien,
so wie es sich Deutsche oder wie in diesem Fall Schweizer vorstellen
und so wie es wohl nie war, dann ist man am Ort dieser Filmerzählung.
Und die beginnt als unfreiwillige Deutschstunde, denn der titelgebende
Marcello soll einen Aufsatz schreiben über den Hass und die Liebe.
Er erzählt von einer Tradition, die es auf seiner süditalienischen
Insel gibt: Wird ein Mädchen 18 Jahre alt, versammeln sich alle jungen
Verehrer im Haus des Vaters und buhlen um die Gunst der ersten Verabredung.
Derjenige erhält den Zuschlag, der dem Vater das beeindruckendste
Geschenk macht. Eine gar schlechte Tradition, findet Marcello, denn
sie führte nur selten zur großen Liebe, oft aber zu tiefem Hass und
vor allem zu vielen Früh-Ehen in diesem kleinen katholisch-italienischen
Mikrokosmos. Wenn dann auch noch diese Ehen unglücklich verlaufen,
die Mütter vielleicht sogar Reißaus nehmen von dieser armen, einengenden
Insel (wie im Falle Marcellos nämlich) und traurige, einsame Väter
hinterlassen, dann kann das eben keine gute Tradition sein. Nein,
davon will Marcello nichts wissen. Bis…, ja bis Elena zurückkehrt
auf diese kleine schöne Insel, Elena, die Tochter des Bürgermeisters,
Elena, die ihr Haar in den Wind hält und wie die Personifizierung
einer jeglichen jungen ersten Liebe ins Bild schwebt.
Wenn Marcello vielleicht doch ein passendes Geschenk finden würde
für ihren Vater? Vielleicht den Hahn des Fleischers, der jeden Morgen
dem Bürgermeister den Schlaf raubt? Marcellomarcello, möchte man
sagen, aber ach, die Liebe hört auf keine guten Ratschläge. Leider
will der Schlachter für seinen Hahn zwei Flaschen Wein vom Gut zweier
Schwestern, die wiederum wollen dafür ihre Hochzeitskleider von einst,
die sie nie von der Schneiderin bekommen haben, die wiederum will…
und so weiter und so weiter. Am Ende ist das halbe Dorf involviert
und hat Marcello viele Aufgaben zu erfüllen – und wir als Zuschauer
bangen mit ihm, was wohl als nächste Forderung kommt, welchen Wunsch
der gute Marcello noch erfüllen soll.
Spätestens wenn dieser Wettlauf um die Liebe beginnt, hat einen
dieser Film gepackt. Man möchte mit ihm laufen, mit ihm handeln,
nur damit er die zauberhafte Elena ausführen kann.
Jetzt könnte man fragen: Ist das nicht kitschig, nicht übertrieben
märchenhaft romantisch? Ja, das ist es – natürlich. Aber es ist so
offensichtlich und damit so ironisch, dass es auf überrumpelnde Weise
schon wieder unterhaltsam ist. Man weiß immer, dass man in einem
zuckersüßen Märchen sitzt, aber wenn es denn so schön und jugendlich
verliebt zugeht, wer möchte da nicht schwelgen? Marcello schaut Elena
in die schönen Augen, die Sonne scheint, das Meer ist azurblau, und
die Musik tut ihr Übriges. Manchmal rumpelt es ein bißchen mit der
Geschichte, ist der Film ein wenig unbeholfen und auch längst nicht
so poetisch wie einst "Il Postino" und nicht so tiefgehend
wie "Cinema Paradiso" – aber wer möchte schimpfen angesichts
solch guter Laune, die diese Wohlfühlkomödie verbreitet? Und hatten
wir nicht schon immer Sehnsucht nach Bella Italia und dem wundersamen
Kribbeln der ersten Liebe? Die Vernunft hat da nichts zu sagen… |