Ich muss
zugeben, dass die ersten Bilder, die ich von dem Film gesehen hatte,
mich nicht so recht für den Film begeistern konnten. Doch diese einfühlsame
Tragikomödie ist einfach so wunderbar umgesetzt, dass man sich ihrem
Zauber kaum entziehen kann.
Die Geschichte von der unwahrscheinlichen Freundschaft eines australischen
Mädchens und einem atheistischen New Yorker Juden ist an und für
sich todtraurig, doch gleichzeitig erhebend und erfrischend humorvoll.
Mary Daisy Dinkle (Stimme von Toni Collette) wird von ihren Mitschülern
gehänselt, ihre Mutter ist eine Alkoholikerin und ihr Vater hat keine
Zeit für sie. Da schlägt sie eines Tages ein Telefonbuch von New
York auf und sucht sich eine Person aus, der sie Fragen über das
Leben in den USA stellen möchte.
Die Wahl fällt ausgerechnet auf Max Jerry Horovitz (Philip Seymour
Hoffman), einen übergewichtigen, 44-jährigen Aussenseiter. Wie sich
später herausstellt, leidet Max am Asperger-Syndrom. Das bewirkt,
dass er so ziemlich alles wörtlich nimmt, den Ausdruck von Gesichtern
nicht einordnen kann und die emotionalen Briefe von Mary bei ihm
Angstzustände auslösen. So kommen sich die beiden von der Aussenwelt
abgekapselten Menschen langsam näher und entfernen sich gleichzeitig
voneinander.
2003 machte Regisseur und Drehbuchautor Adam Elliot mit dem Kurzfilm
«Harvie Krumpet» auf sich aufmerksam, für den er mit einem Oscar
ausgezeichnet wurde. Machart und Erzählweise von «Mary and Max» sind
jetzt ziemlich ähnlich. Elliot verwendet hauptsächlich Stop-Motion
mit ausgefallenen Figuren und einer ganz eigenen Ästhetik. Dazwischen
schiebt er für die Briefe von Mary und die Gedanken der Figuren fantastische
Zeichenanimation. Der ganz besondere Charme von «Mary and Max» liegt
aber ganz eindeutig in der Schilderung der Geschichte, dieser einzigartigen
Beziehung zwischen Mary und Max.
Die Geschichte wird von Elliot unwiderstehlich geschildert. Die
tragischen Momente werden ironisch gebrochen. Wenn sich Mary überlegt,
ob die Kinder in den USA wohl aus Cola-Dosen kommen (ihre Vater hat
ihr erzählt, dass Kinder in Biergläsern gefunden werden), dann besticht
diese Logik einfach durch ihre Ausgefallenheit. Max erklärt ihr dann,
dass ihm seine Mutter erklärt hat, wie Juden-Babys von Rabbinern,
katholische Babys von Nonnen und atheistische Babys von Prostituierten
ausgebrütet werden.
Dieser liebevoll schräge Humor ist wohl notwendig, denn eigentlich
ist das Schicksal dieser beiden fragilen Figuren äusserst betrüblich.
Elliot beweist aber derart zielsicheres menschliches Gespür, dass
selbst die erschütterndsten Momente mit einem weinenden und einem
lachenden Auge überstanden werden. «Mary and Max» ist so herrlich
berührend, dass ich mir den Film dieses Jahr ganz bestimmt noch einmal
im Kino ansehen werde.
Fazit: «Mary and Max» ist ein ergreifend trauriges und befreiend
komisches Wunderwerk. |