Fast jeder vierte Norweger hat
diesen Film gesehen. Was sich leicht aus der Popularität erklärt,
die der Widerstandskämpfer Max Manus in seiner skandinavischen Heimat
genießt. Der Film der "Bandidas"-Macher Joachim Renning
und Espen Sandberg orientiert sich an den Memoiren des berühmten
Patrioten, der im Zweiten Weltkrieg Versorgungseinrichtungen der
Nazis sabotierte.
Aufwendig in der Machart, braucht das energiegeladene Kriegsdrama
den Vergleich mit internationalen Produktionen nicht zu scheuen.
Der Titelheld wird exzellent von Aksel Hennie verkörpert, seinen
Gestapo-Gegenspieler mimt Ken Duken. Ein spannendes, noch dazu wenig
bekanntes Kapitel über den europäischen Antifaschismus. |
Norwegen
/ Dänemark / Deutschland 2008 - 118 Min.; ab 16;
Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg;
Darsteller: Aksel Hennie, Agnes Kittelsen, Nicolai Cleve Broch, Ken
Duken, Christian Rubeck, Knut Joner, Mads Eldøen, Kyrre Haugen Sydness,
Viktoria Winge.
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Mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges
haben Filme über den Widerstand gegen die Nazis in Europa Hochkonjunktur.
In der Niederlande und in Dänemark wurde die Zeitspanne dazu genutzt,
um kritisch mit der eigen Rolle umzugehen. Von der differenzierten
Sichtweise solcher Filme wie Paul Verhoevens „Black Book“ und Ole
Christian Madsens „Tage des Zorns“ ist der norwegische Film „Max
Manus“ allerdings weit entfernt. Der junge Norweger Max Manus gehörte
zu den unumstrittenen Heldenfiguren des norwegischen Widerstands,
dem hier mit großem Aufwand ein filmisches Denkmal gesetzt wird.
Für Spannung ist aber dennoch gesorgt, denn die Aktionen des legendären
Widerstandskämpfers werden im Stile eines echten Thrillers umgesetzt.
Alles beginnt im Sommer 1940. Max Manus (Aksel Hennie) gehört zu
einem Kreis junger Männer, die sich nicht mit der Besetzung Norwegens
durch die Nazis abfinden wollen. Außer Manus verfügt allerdings keiner
der Männer über militärische Erfahrung. Die ersten Aktionen verlaufen
noch recht amateurhaft und erste Unvorsichtigkeiten sorgen dafür,
dass die Deutschen unter Führung des Gestapo-Offizier Fehmer (Ken
Duken) einige Mitglieder in ihre Finger bekommen. Max Manus selber
wird schwerverletzt verhaftet, doch ihm gelingt die Flucht aus dem
bewachten Krankenhaus. Max setzt sich nach Schottland ab, wo der
norwegische Widerstand militärisch geschult und koordiniert wird.
Gemeinsam mit seinen Kameraden, darunter sein bester Freund Gregers,
kehrt Max per Fahlschirm nach Norwegen zurück. Diesmal gilt es deutsche
Frachter und Kriegsschiffe zu sprengen, die streng bewacht im Hafen
von Oslo vor Anker liegen. Erste spektakuläre Erfolge gelingen und
werden von den Deutschen mit brutalen Strafaktionen beantwortet.
Die Reihen um Max lichten sich, nur er selber scheint einen Schutzengel
zu haben, der ihn sicher aus den größten Gefahren bringt. Dass er
soviel Glück hat, während viele Freunde ihren Kampf mit dem Leben
bezahlen, führt ihn in eine persönliche Krise. Sein Alkoholkonsum
steigt und mit ihm, die Bereitschaft, sein Leben zu opfern. Und so
meldet er sich für ein letztes Himmelfahrtskommando, mit dem am Ende
des Krieges die Verlegung deutscher Soldaten an die Westfront sabotiert
werden soll.
Die psychologischen Probleme des Widerstandskämpfers gewinnen im
Laufe des Filmes zwar an Dramatik, dennoch stehen bei dem Regiegespann
Espen Sandberg und Joachim Roenning die spannenden Sabotageaktionen
im Zentrum des Geschehens. Vor allem die eindringlichen Szenen im
Osloer Hafen bilden mit ihrer atmosphärischen Dichte und der knisternden
Spannung den Höhepunkte des Filmes. Im Vergleich zu dem omnipräsenten
Hauptdarsteller Aksel Hennie, bleiben die anderen Akteure etwas blass.
Dass auch Agnes Kittelsen als seine Geliebte Tikken ebenso wenig
Akzente setzen kann, wie Ken Duken in der Rolle des smarten Nazi-Schergen
Fehmer, ist dem etwas eindimensionalen Drehbuch geschuldet.
Bei den Norwegern kam das actionlastige Heldenepos überaus gut an.
Mit 1,2 Millionen Zuschauern haben ein Viertel der Bevölkerung mit
Max Manus mitgefiebert. Beim deutschen Betrachter, der die Vita des
berühmten Norwegers nicht kennt, ist der Spannungsfaktor, ob Manus
das Kriegsende erleben wird, noch höher. Für alle, denen Quentin
Tarantinos „Inglourious Basterds“ etwas zu comichaft ausgefallen
ist, bietet der klassische Historienthriller jedenfalls eine dankbare
Alternative. |